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Begrünung der Gas-Pipeline : Die Wunde in der Natur wird geheilt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für die Gas-Trasse zwischen Fockbek und Ellund wurden 400 Knicks versetzt. Ausgleichsmaßnahmen kosten knapp zwei Millionen Euro.

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erstellt am 24.Nov.2015 | 19:16 Uhr

Nach gut einem Jahr Bauzeit fließt inzwischen Gas in der neuen Pipeline, die zwischen Fockbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Ellund an der dänischen Grenze gelegt wurde. Das niederländische Unternehmen Gasunie hat rund 180 Millionen Euro investiert, um den Austausch des Energieträgers zwischen Skandinavien und Deutschland zu intensivieren. „Zurzeit fließt Gas aus Dänemark und Norwegen nach Süden, langfristig aber wird es vornehmlich umgekehrt sein, weil die Vorkommen im Norden seltener werden“, erklärte Pressesprecher Philipp von Bergmann-Korn.

Das Verlegen von 3600 Stahlrohren von je 18 Metern Länge und einem Gewicht von 6,5 Tonnen unter der Treene hindurch, unter 24 Kreis- und Landesstraßen sowie unter dem Naturschutzgebiet Bollingstedter Au hat auf der 65 Kilometer langen Strecke unweigerlich Schäden in der Natur hinterlassen. Um das zu dokumentieren und zugleich die dafür notwendigen Ausgleichsmaßnahmen zu errechnen, hat die Gasunie das Braunschweiger Unternehmen Lareg engagiert. „Wir sind seit Beginn der Maßnahme dabei, betrachten alle biologischen Aspekte von einer Biotop-Kartierung bis zur Auswahl der Pflanzen für die Ausgleichsmaßnahmen. Und die lassen sich nicht nebenher erledigen“, sagte der Landschaftsarchitekt Benjamin Roger.

Knapp zwei Millionen Euro investiert die Gasunie, um zwischen Fockbek und Ellund 400 Knicks wieder herzustellen, zusätzlich fünf Kilometer Knicks zu bauen, auf 4,3 Hektar Wald aufzuforsten, für Eingriffe in das Grünland 20 Hektar Ausgleichsfläche durch extensive Nutzung zu veredeln, Moor zu revitalisieren und Heidelandschaft zu entwickeln.

Die Erdarbeiten hatten deutlich sichtbare Wunden in die Landschaft gerissen, die inzwischen zumindest oberflächlich verheilt scheinen. Auf den Äckern konnten die Landwirte ihre Arbeit schnell wieder aufnehmen, nachdem die Rohre im Boden waren, weil sofort anschließend der Mutterboden wieder aufgeschüttet wurde. Aber der Trasse mussten auch knapp 400 Knicks auf einer Breite von 32 Metern vorübergehend weichen. „Um möglichst wenig Schaden anzurichten, wurden die Knicks für die Arbeiten vorübergehend versetzt und jetzt mit dem selben Material wieder hergestellt, das separat gelagert wurde“, erklärte von Bergmann-Korn. Das ist Aufgabe der Gartenbaufirma Sievers aus Jevenstedt, die auch den Auftrag für die Aufforstung erhalten hat. „Wir schütten die Knicks wieder auf und bepflanzen sie mit heimischen Bäumen und Sträuchern. Wenn das Wetter mitspielt sind wird damit in der zweiten März-Woche durch und beginnen mit der Aufforstung“, erklärte Mitarbeiter Holger Konrad. Das derzeitige Wetter sei geradezu ideal.

Wenn alles nach Plan läuft, ist die Trasse der Gasleitung bald nur noch an den Schildertafeln mit dem roten Dach zu erkennen, die als Orientierung für die Kontrollen dienen. Diese finden aus Sicherheitsgründen alle zwei Wochen statt – mit dem Hubschrauber, zu Fuß oder aus dem Auto heraus. Hintergrund ist nach Auskunft des Pressesprechers nicht die Befürchtung, die Leitung können Schäden aufweisen. „Die Rohre sind dicht. Gefährlich aber können Eingriffe von außen sein. Wenn beispielsweise jemand versucht, über der Trasse das Fundament für eine Garage auszuheben, müssen wir zur Stelle sein.“ Durch die Rohre, die mit mindestens einem Meter Boden bedeckt sind, fließt das Gas mit einem Druck von mindestens 84 Bar – ein Leck könnte fatale Folgen haben. Aus diesem Grund gibt es auch bei der Bepflanzung Sicherheitsmaßnahmen: In der Nähe der Leitung werden ausschließlich flachwurzelnde Bäume gepflanzt – und es gibt einen Sicherheitsstreifen von 5,90 Meter, der unbepflanzt bleibt.

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