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Alfred Koltermann in Berlin : „Die wollen uns wirklich helfen“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Alfred Koltermann (63) berichtete im Bundesfamilienministerium von seinem Leiden als Bewohner der Kinder- und Jugend-Psychiatrie auf dem Schleswiger Hesterberg.

Tief beeindruckt ist Alfred Koltermann aus Berlin zurückgekehrt. Der 63-Jährige, der Kindheit und Jugend im Landeskrankenhaus auf dem Hesterberg verbrachte, nahm teil an einer Anhörung im Bundesfamilienministerium. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe berät dort derzeit über einen Entschädigungsfonds für Menschen, die wie Koltermann vor 1975 Leid und Unrecht in psychiatrischen Einrichtungen erfahren haben.

Rund 30 weitere Betroffene aus ganz Deutschland waren in Berlin dabei. Während der fast vierstündigen Anhörung schilderten sie ihre Kindheitserlebnisse. „Eine kranke Frau, die bald sterben wird, lag im Bett“, berichtet Koltermann. „Aber sie wollte diesen Tag unbedingt noch miterleben.“ Andere, die stärker behindert sind, hatten Betreuer dabei. „Manche haben gepöbelt und geschimpft, für die habe ich mich entschuldigt“, sagt Koltermann. Ganz zufrieden mit den Vorschlägen, die jetzt auf dem Tisch liegen, ist indes auch er nicht. Im Gespräch sind Einmal-Zahlungen von bis zu 13  000 Euro an die Opfer. Koltermann hätte lieber eine monatliche Rente. „Sonst ist das Geld doch in zwei, drei Jahren wieder weg.“

Insgesamt sei er aber sehr glücklich. „Die Leute wollen uns wirklich helfen“, betont er. Das sagte er auch der Lürschauer CDU-Bundestagsabgeordneten Sabine Sütterlin-Waack, die ihn nach der Anhörung in ihr Büro einlud. Einer ihrer Mitarbeiter hatte ihn zuvor ins Ministerium begleitet. „Auch nach der Anhörung gibt es noch viele offene Fragen, die es in weiteren Anhörungen zu erörtern gilt“, sagt Sütterlin-Waack. Eine Entscheidung über die Modalitäten des Entschädigungsfonds soll im Dezember in einem Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder fallen.

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erstellt am 11.Sep.2015 | 07:14 Uhr

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