Schleswig : Die Vision "Therme" nimmt Gestalt an

Faszination der Wasserlandschaft: So ähnlich könnte das 'Warmaußenbecken' der Schleswiger Therme aussehen Foto: Kannewischer
Faszination der Wasserlandschaft: So ähnlich könnte das "Warmaußenbecken" der Schleswiger Therme aussehen Foto: Kannewischer

Für ein Thermenangebot in Schleswig kann ein deutliches Marktpotenzial ausgemacht werden - zu diesem Ergebnis kommt eine Unternehmensberatung.

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08. Dezember 2011, 08:38 Uhr

Schleswig | Der Hoffnungsträger ist 100 Seiten stark. Diesen Umfang besitzt das "Konzept für ein erholungs- und wellnessorientiertes Thermalbad", das die Unternehmensberatung Kannewischer im Auftrag der Stadt Schleswig angefertigt hat und das Montagabend den Kommunalpolitikern im Hauptausschuss vorgestellt wurde. In dem "Mindestanforderungsprofil", dessen Erstellung auf einen Beschluss der Ratsversammlung vom 19. September zurückgeht, werden die Eckwerte für den wirtschaftlichen Betrieb einer Gesundheitstherme auf der Freiheit ermittelt. Fazit: "Für ein Thermenangebot in Schleswig kann ein deutliches Marktpotenzial ausgemacht werden." Kannewischer mag sich an die 230.000 Besucher im Jahr vorstellen; die offizielle Größenordnung, bei der bereits schwarze Zahlen geschrieben werden können, ist 190.000 Besucher.
Diese Einschätzung der Schweizer Sachverständigen freute die Thermen-Befürworter. So sprach Frank Neubauer (CDU) im Hauptausschuss von einem "guten" Werk. Johannes Thaysen (Grüne) vermisste Auskünfte über den Energieverbrauch - hier fehlen in der Tat die Eckwerte. Für die SPD dagegen beinhaltet die Studie, wie Klaus Bosholm kritisierte, nicht viel mehr als "Internet-Recherchen und bunte Bilder".
Nun, das ist sicherlich sehr summarisch geurteilt. Immerhin wird ein klares Alleinstellungsmerkmal (USP) für eine Therme in Schleswig herausgearbeitet; und das liegt in den Bereichen "Erholung" und "Gesundheit". Die einzige Therme im ganzen Land, die ein ähnliches Profil ausweist, ist die in Bad Schwartau - laut Kannewischer außerhalb des Einzugsbereichs des Instituts an der Schlei. Mit dem USP wäre bereits die eine Bedingung erfüllt, die das Wirtschaftsministerium für eine definitive Förderzusage aufgestellt hat.
Die zweite Bedingung sind bekanntlich verbindliche Verträge für Hotel und Ferienpark, die ebenfalls auf der Freiheit gebaut werden sollen und eine wichtige Kombination mit der Therme darstellen. Hier betont Volker Schlüschen von der Auf der Freiheit GmbH & Co KG, dass man bis Ende Januar die Verhandlungen mit einem "bundesweit renommierten" Hotel-Betreiber zu Ende gebracht haben werde.
Einwände gegen das Gutachten entzünden sich auch an dem Umstand, dass Kannewischer als Thermen-Betreiber in Frage komme und sich "in die Tasche" gearbeitet haben könnte. Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs dementiert dieses energisch: Das Anforderungsprofil sei "nicht auf Kannewischer zugeschnitten".
In der Tat macht die Ausarbeitung jedenfalls keinen abgehobenen Eindruck: Aus der Vision wurde ein tendenziell marktkonformes Projekt. So hat man die (teure) Wasserfläche von ursprünglich 1000 auf jetzt 600 Quadratmeter reduziert. Dampfbäder sind auch für notorische Sauna-Verweigerer vorgesehen. Und ein Lokalbezug könnte sich mit der Anknüpfung am Pflanzenatlas "Gottorfer Codex" ergeben. Wer dann immer noch nicht vom Gesundheits- und Wohlfühl-Faktor der Therme angetan ist, wird sich, so hofft man, vom 170 Quadratmeter großen "Warmaußenbecken" überzeugen lassen, mit 34 Grad warmen Wasser im Winter. Auch an Sole inhalation ist gedacht; allerdings wird die Erkundung der Sole erst dann durchgeführt, wenn das Projekt nicht mehr in Frage steht.
Das aber ist per heute durchaus noch der Fall. Die Kannewischer-Studie liegt seit Ende November dem Kieler Wirtschaftsministerium vor. Doch damit sind die Hausaufgaben für Schleswig noch nicht abgeschlossen. So müssen etwa die Wirtschaftlichkeitsberechnungen nachgereicht werden. Wenn dann alles glatt geht, könnte eine Förderzusage im Mai 2012 erteilt werden. Was bedeuten würde: Baubeginn frühestens 2013.
Alles in allem scheint sich, seit die Stadtwerke das Projekt in der Hand haben, die Stimmung "pro Therme" innerhalb und außerhalb der Ratsversammlung verstärkt zu haben. Kannewischer weiß den Grund: "Die Fitness von Körper, Geist und Seele" gewinnt an Bedeutung. Und Schleswig wie die Schlei-Region als Gesundheitsstandort könnten daran erheblich teilhaben. Dafür allerdings fehlt noch ein Konzept.

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