Schleswiger Königswiesen : Die Vertreibung aus dem "Paradies"

Hofft noch auf ein Einlenken des Innenministeriums: Pastor Joachim Thieme-Hachmann mit dem Programm der 'Paradies'-Saison. Im Hintergrund ist das Kirchenzelt zu sehen, das vor zwei Wochen aufgebaut und jetzt wieder abgebaut werden muss. Foto: Jennert
Hofft noch auf ein Einlenken des Innenministeriums: Pastor Joachim Thieme-Hachmann mit dem Programm der "Paradies"-Saison. Im Hintergrund ist das Kirchenzelt zu sehen, das vor zwei Wochen aufgebaut und jetzt wieder abgebaut werden muss. Foto: Jennert

Die kirchliche Veranstaltungsfläche am Rande der Königswiesen muss laut Innenministerium geräumt werden. Sind jetzt Fördergelder in Gefahr?

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02. Juni 2011, 02:31 Uhr

Schleswig | Das kirchliche "Paradies" auf den Königswiesen ist die einzige regelmäßig bespielte Aktionsfläche, die von der Landesgartenschau geblieben ist. Doch damit könnte demnächst Schluss sein. Das Innenministerium stört sich daran, dass die Kirche für ihre Angebote eine fest installierte Bühne nutzt. Da diese nicht Bestandteil des offiziellen "Nachnutzungskonzepts" für die Gartenschaufläche ist, muss sie laut Kiel abgebaut werden. Sollte dies nicht umgehend geschehen, drohen der Stadt finanzielle Konsequenzen. Im schlimmsten Fall müssten Fördergelder zurückgezahlt werden.
Zwei Jahre hatte das Ministerium die Bühne geduldet. Auf der Grundlage eines Gestattungsvertrages zwischen Stadt und Kirche durften auf dem Areal im östlichen Bereich der Königswiesen Gottesdienste, Konzerte und Kinderaktionen stattfinden. Doch als die Kirche am 8. Dezember 2010 um eine Verlängerung des zum 31. Dezember 2010 auslaufenden Vertrages bat und dies für eine "verwaltungstechnische Formalie" hielt, wurden ihre Vertreter enttäuscht. Sie erhielten eine Absage. Begründung: Das Ministerium will die von der Kirche beanspruchte Fläche "nicht länger der öffentlichen Nutzung entziehen".
"Jeder hat das Gelände nutzen können"
Allerdings befindet sich das Ministerium damit in einem Irrtum. Pastor Joachim Thieme-Hachmann ist verantwortlich für das "Paradies"-Programm. Er bekräftigt, dass die Kirche das betreffende Königswiesen-Areal zu keiner Zeit exklusiv in Anspruch genommen habe. "Jeder hat das Gelände und sogar unsere Bühne nutzen können", sagt der Geistliche. Er fürchtet, dass das für dieses Jahr ausgearbeitete "Paradies"-Programm in Teilen ausfallen muss. "Insbesondere für große Veranstaltungen wie unsere Gottesdienste brauchen wir die überdachte Bühne, allein schon deswegen, um die technische Ausstattung vor der Witterung zu schützen."
Bürgermeister Thorsten Dahl hat sich im Innenministerium für die Kirche eingesetzt, aber ohne Erfolg. Dahl ist erbost. Er hat kein Verständnis dafür, dass das Ministerium stur auf der Einhaltung des Nachnutzungskonzepts für die Königswiesen besteht. "Vom Grundgedanken her wollten wir immer die Königswiesen beleben. Das ist der Förderzweck, und dem wird die Kirche gerecht." Dahl setzt auf öffentlichen Druck, um das Ministerium zum Einlenken zu bewegen: "Jeder gesund denkende Mensch muss doch erkennen, dass die Bühne okay ist."
Landtagsabgeordneter fordert mehr Flexibilität
Der Druck auf das Ministerium nimmt bereits zu. Die zuständigen Landtagsabgeordneten haben sich in den Fall eingeschaltet. Johannes Callsen (CDU) bat den Staatssekretär im Innenministerium um Überprüfung. Callsen fordert "etwas mehr Flexibilität bei der Bewertung der Förderrichtlinien". Auch seine Kollegin Birte Pauls (SPD) unterstützt das "Paradies". Sie würde es außerordentlich bedauern, wenn dieses "bereichernde Angebot" nicht mehr stattfinden könnte. Vom Ministerium gab es Dienstag keine Stellungnahme. Die zuständige Mitarbeiterin ist im Urlaub.
Pastor Thieme-Hachmann will jedenfalls nicht aufgeben, zumal das Ministerium der Kirche durchaus das Recht einräumt, Veranstaltungen auf den Königswiesen zu realisieren, aber eben nur im begrenzten Rahmen. Am Himmelfahrtstag ab 10 Uhr wird es im "Paradies" einen Gottesdienst geben - auf der vom Ministerium ungeliebten Bühne.
(dj, shz)

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