zur Navigation springen

Süderbrarup im TV : Die vergessene Kultstätte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Magische Orte“: Arte und ZDF berichten über die Opferstätte Thorsberger Moor.

Die Gemeinde Süderbrarup hat viel mehr zu bieten, als der flüchtige Besucher auf den ersten Blick vermuten mag. Deshalb berichtet der deutsch-französische Fernsehsender Arte heute Abend zur besten Sendezeit (20.15 Uhr) aus dem Ort. Und das unter dem Titel „Magische Heimat“. Der Film, der am 26. April (19.30 Uhr) mit dem Titel „Magisches Deutschland“ im ZDF wiederholt wird, beschäftigt sich mit dem Thorsberger Moor – einer unter Archäologen weltweit bekannten Opferstätte. Auf Süderbraruper Gebiet liegen auch eine „heilige Quelle“ und der Grabhügel Kummerhy mit seinem Wächterstein, die ebenfalls thematisiert werden. Durch die Sendung führt der Schleswiger Archäologe Dr. Timo Ibsen.

In Süderbrarup selbst erinnert nur wenig daran, dass der Ort einst eine wichtige Kultstätte war. Immerhin gibt es inzwischen einen archäologischen Wanderweg mit Informationstafeln, die beschreiben, was sich hier von vorchristlicher Zeit bis in die ersten Jahrhunderte nach Beginn unserer Zeitrechnung abgespielt hat. Für Helmuth G. Lax vom Museums-Verein Süderbrarup, der unter anderem mit seiner Schauspieltruppe an den Dreharbeiten beteiligt war, reicht das allerdings nicht aus: „Es müsste viel mehr getan werden, um die geschichtliche Bedeutung des Thorsberger Moores öffentlich und auch für den Tourismus nutzbar zu machen“, sagt er.

Einen Eindruck davon, was das Thorsberger Moor einmal war, gibt die Archäologin Dr. Ruth Blankenfeldt, die von Schloss Gottorf aus seit Jahren an diesem Thema arbeitet. „Das Thorsberger Moor war schon in vorchristlicher Zeit eine Opferstätte“, berichtet sie. In dieser frühen Zeit aber waren es vor allem Opfer von Bauern, die als Dank an die Götter Gefäße und andere Gaben im Moor versenkten. Dann aber gab es nach Erkenntnissen der Wissenschaftler einen Wandel. Aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts fanden die Archäologen eine große Menge Waffen, Rüstungsteile, Pferdegeschirr und andere Dinge, die offensichtlich in Gefechten eingesetzt worden waren. Diese Schätze sind auf Schloss Gottorf zu besichtigen. Dazu gehört auch die berühmte Gesichtsmaske aus purem Silber mit plattierten Goldblechen. Die Archäologen gehen davon aus, dass die Opfergaben einst besiegten Feinden der Angeln gehörten. Sie wurden nach bestimmten Vorgaben zerstört und im Moor versenkt. Ruth Blankenburg und ihre Kollegen glauben, dass die Funde nicht dazu dienten, den Göttern zu danken, sondern dass die Rituale auch Machtdemonstrationen waren, die von vielen Menschen verfolgt wurden.

Die ersten Funde kamen zwischen 1858 und 1861 beim Torfabbau ans Licht, zuletzt wurde das Moor 2009 mit modernen Methoden untersucht. Insgesamt gab das Thorsberger Moor bisher 1800 Fundstücke frei.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Apr.2015 | 12:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen