zur Navigation springen

Windkraft : „Die Sündenfälle finden sich auf der Geest“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Windkraft-Regionalplanung des Landes stößt im Kreis Schleswig-Flensburg auf Kritik, doch nur wenige Vorrangflächen sind in Angeln

Ministerpräsident Torsten Albig sieht in den gestern vom Kabinett verabschiedeten Windkraft-Regionalplänen einen großen Schritt in Richtung Rechtssicherheit beim Windkraftausbau. Konfliktfrei wird dieser Weg allerdings nicht werden – zumindest was die Vorrangflächen im Kreis Schleswig-Flensburg betrifft. Auf mehr als 700 Seiten hat das Land die in Frage kommenden Flächen bewertet. Durch dieses Konvolut kämpften sich gestern mehrere Mitarbeiter der Bau- und Umweltverwaltung im Kreishaus, um zu ergründen, inwieweit das Land von den Vorstellungen des Kreises abweicht. Dabei ergeben sich vor allem im Westen des Kreises zahlreiche Konfliktherde.

„Die Sündenfälle finden sich auf der Geest“, sagte Thorsten Roos, Leiter des Fachbereichs für Kreisentwicklung, Bau und Umwelt. Hier wurden in zahlreichen Fällen kritische Entscheidungen gefällt, die nach Einschätzung des Fachmanns im Rahmen des anstehenden Anhörungsverfahrens zu Widersprüchen führen werden. Allerdings gebe es auch Erfreuliches. „Angeln ist aus meiner Sicht mit einem blauen Auge davon gekommen“, betont Roos. Und was ihn besonders freue, sei, dass das Land seine Einschätzung aus dem Sommer bestätigt habe, die Küsten nicht per Eilbeschluss unter Schutz stellen zu müssen, um dort Windkraftanlagen zu verhindern.

Für den Planungsraum I (Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Flensburg) sind nach dem Entwurf des neuen Regionalplans Vorranggebiete für die Windenergienutzung im Umfang von 12  137 Hektar ausgewiesen. Dies entspricht 2,89 Prozent der Gesamtfläche. Statt Eignungsgebieten wie im alten Regionalplan wird nun differenziert zwischen Vorranggebieten für die Windenergie-Nutzung (11.000 Hektar) und solchen für Repowering (1137 Hektar).

Landesweit sind 1,98 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete ausgewiesen. Das solle unter dem Strich mit den geringsten Belastungen für Mensch und Natur verbunden sein, so Albig. 98 Prozent des Landes würden von Windenergieanlagen freigehalten werden. Damit könne das Land sein energiepolitisches Ziel verwirklichen, durch Windkraft an Land einen gewichtigen Beitrag zu einer bezahlbaren Energiewende zu leisten.

Für den Kreis Schleswig-Flensburg bedeutet dies vor allem eine weitere Massierung von Windenergieflächen in Bereichen, die ohnehin schon durch Rotoren belastet sind, allerdings werden in den meisten Fällen bestehende Eignungsflächen nur in geringem Ausmaß erweitert – so etwa im Bereich Lindewitt (Richtung Nordhackstedt) gegen den Wunsch der Gemeinde. Besonders gravierend sind die Pläne des Landes im Bereich um Silberstedt, wo Vorrangflächen erweitert werden und eine sogar neu ausgewiesen wird. „Das ist für uns völlig unverständlich“, kritisiert Roos.

Wo wie im Bereich Lindewitt und an der dänischen Grenze eine sprichwörtliche Umzingelung von Orten durch Windparks drohen würde, wurden Flächen abgelehnt – so zum Beispiel auch im Bereich Hörup, Medelby und Osterby. Gleiches gilt für eine 135 Hektar große Fläche zwischen Schafflund und Nordhackstedt, wo auch der Schafflunder Mühlenstrom geschützt werden soll. Auch im Bereich des Jardelunder Moores blieb eine große Fläche unberücksichtigt.

In beiden Fällen werden Naturschutz-Gründe geltend gemacht. Das ist allerdings in vielen Fällen unterblieben – nach Einschätzung Roos’ der Konfliktherd Nr. 1 für die kommenden Monate, in denen die Pläne ausgelegt und öffentlich diskutiert werden sollen.

Dabei wird es dann unter anderem um den Artenschutz gehen, der aus Sicht des Kreises gleich bei mehreren Vorrangflächen missachtet wurde – so im Bereich Jardelund/Böxlund/Weesby, wo eine Fläche trotz Bedenken in Richtung des Jardelunder Moores erweitert wird. Für den Bereich Eggebek/Janneby/Jerrishoe/Wanderup wird die Nichtberücksichtigung des Wiesenvogelschutzes auf Flächen der Stiftung Naturschutz moniert. Auch auf sogenannte Ökokonten-Flächen habe das Land zum Teil keine Rücksicht genommen, so Roos. Gleiches gilt für das Vorkommen von Uhus auf einer Fläche im Bereich Langstedt/Tarp sowie bei Bollingstedt, Sieverstedt und Tolk. Schließlich wurden die Jübeker Wiesen, die als naturnahe Kulturlandschaft klassifiziert sind, nicht freigehalten.

Im Raum Angeln blieben etliche mögliche Eignungsflächen unberücksichtigt. Vor allem den Flensburger Kragen und den Naturpark Schlei hat das Land weitgehend freigehalten und so möglichen Ärger vermieden. Denn gerade in einigen Flensburger Umlandgemeinden im Angeliter Raum rumorte es in den vergangenen Monaten. „Aufgrund der Lage im landschaftlich sensiblen, touristisch geprägten Küstenraum erfolgt keine Übernahme dieser Fläche“ – so hieß es für den Raum Langballig. In Stangheck schließlich verhinderte ein Adlerhorst die Ausweisung einer weiteren Vorrangfläche.  

zur Startseite

von
erstellt am 07.Dez.2016 | 17:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen