zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 12:05 Uhr

Weihnachten : Die Suche nach dem Traumbaum

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In weniger als zwei Wochen ist Weihnachten: Auf der Plantage zwischen Klein Rheide und Kropp können die Besucher ihre Tannen selbst fällen.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2016 | 15:00 Uhr

Klein Rheide | Es riecht nach Glühwein, Lagerfeuer und Tannengrün. An der Straßenseite ist kaum noch ein Parkplatz zu bekommen. Zum 3. Advent geben sich die Kunden auf Klaus Oyes Baumplantage zwischen Klein Rheide und Kropp die Sägen in die Hand. Jeder von ihnen ist auf der Suche nach dem einen Traumbaum.

Auf 30  000 Quadratmetern haben die Suchenden die Qual der Wahl. So auch Lizzy und Simon Richter aus Schleswig. Ihr siebenjähriger Sohn Quinn kann es kaum abwarten. „Gehen wir jetzt in den Wald“, fragt der Junge mit leuchtenden Augen. Die Familie ist zum ersten Mal auf der Plantage. Schnell hat Quinn einen Baum ausgemacht, der für ihn perfekt erscheint – etwa so groß wie er selbst. Mutter Lizzy ist mit dem Vorschlag ihres Sohnes nicht so ganz einverstanden. „Der ist viel zu klein, das ist ein Baby, der muss noch wachsen“, findet sie. Quinn scheint nicht überzeugt, folgt aber seinen Eltern, die weiter Ausschau halten. Was so einen Baum ausmacht, da gehen die Meinungen bei Lizzy und Simon Richter auseinander. „Mein Mann wäre auch mit einem Plastikbaum zufrieden, aber das ist für mich nicht weihnachtlich“, erklärt sie. „Der richtige muss groß, schön und weihnachtlich sein. Wenn ich ihn sehe, dann weiß ich es“, sagt die 27-Jährige und verlässt mit Mann und Kind den Weg. Und dann plötzlich nach drei Metern passiert es. „Das ist er doch, oder?“, fragt Lizzy Richter aufgeregt, jetzt leuchten auch ihre Augen. Sie zeigt auf einen buschigen Baum mit großer Krone. Mann und Sohn stehen etwas hinter ihr, schauen sich kurz an und stimmen zu. „Ich hätte niemals gedacht, dass das so schnell geht“, freut sich die Schleswigerin und drückt ihrem Mann die Säge in die Hand.

Schnell macht sich der 27-Jährige an die Arbeit. „Ritsch, ratsch, richtsch, ratsch“, das Sägeblatt arbeitet sich durch den Stamm. Nach einigen Schnitten stoppt Simon Richter, er blickt ernst in die Runde. Das Fällen sei schwieriger als gedacht. „Vielleicht hätten wir doch eine Axt mitnehmen sollen“, scherzt er, denn nur ein paar Sekunden später fällt die Tanne. Gemeinsam wird sie auf den Weg bugsiert. Besonders Quinn ist voller Vorfreude. „Ich liebe den Baum jetzt schon“, sagt er. Der Enthusiasmus ihres Sohnes lässt die Eltern stolz lächeln. „Wir werden ihn zu Hause gleich aufstellen“, verspricht Lizzy Richter.

Die ebenfalls siebenjährige Luna Hahn ist mit ihren Eltern Friederike und Danny nach Klein Rheide gekommen. Am Busdorfer Verkaufsstand war der Traumbaum nicht dabei. Während ihre Eltern den Blick über das Tannenmeer schweifen lassen, treibt das Mädchen eine ganz andere Frage um. „Wohnen die Wichtel hier im Wald?“, fragt sie mit großen Augen. Bei Familie Hahn sind nämlich Wichtel für das Schmücken verantwortlich, wie Mutter Frederike leise erzählt. Auf magische Weise verwandeln sie die kahle Tanne in der Nacht zum Heiligen Abend in einen glitzernden Weihnachtsbaum. „Deswegen muss er einfach perfekt für uns sein. Ich kann es fühlen, wenn es soweit ist“, ist sich die 35-Jährige sicher. Die Grundvorstellungen sind trotzdem ziemlich konkret: „Die Tanne muss mindestens 2,10 Meter sein“, sagt das Paar fast im Chor. „Wir haben aber eine klare Aufgabentrennung. Ich suche aus, mein Mann sägt“, sagt Friederike Hahn und lacht.

Nach einigen Minuten verlassen auch sie den Hauptweg und schlagen sich ins Unterholz. Hier stehen die Tannen enger zusammen, bei jedem Schritt knacken abgebrochene Äste, es riecht nach Harz. Fast könnte man meinen, dass wirklich gleich eine Horde Weihnachtswichtel um die Ecke kommt. Luna guckt sicherheitshalber unter jedem Baum nach.

20 Minuten und viele potenzielle Bäumen später wird klar, dass die Auswahl gar nicht so einfach ist. „Hier, wie ist es mit dem“, frotzelt Danny und zeigt auf einen Minibaum von 30 Zentimetern Höhe. „Oder der hier“, sagt er und meint ein ziemlich schiefes Exemplar. Doch die Familie lässt sich die Stimmung nicht vermiesen. Es geht zurück auf den Hauptweg, und dann wird es doch noch einmal magisch. Sie stehen direkt vor einem hochgewachsenen Baum. Gerade, buschig, viel höher als 2,10 Meter. „Das ist er“, schreit Luna und guckt gleich, ob sich dort nicht vielleicht doch noch Wichtel verstecken. Derweil lässt es sich Danny nicht nehmen, seiner Aufgabe nachzukommen: Die kahle Tanne darf sich in weniger als zwei Wochen in einen glitzernden Weihnachtsbaum verwandeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen