Schleswiger Werkstätten : Die Strahle-Frau und ihre Weckgläser

Swantje Dippel hat in den Schleswiger Werkstätten eine Aufgabe, die ihr sichtlich Spaß macht.
Swantje Dippel hat in den Schleswiger Werkstätten eine Aufgabe, die ihr sichtlich Spaß macht.

Bei den Schleswiger Werkstätten hat Swantje Dippel eine Aufgabe gefunden, die ihr Freude und Selbstbewusstsein gibt.

shz.de von
08. März 2018, 07:00 Uhr

„Ich finde es einfach toll, so etwas Schönes zu machen“, freut sich Swantje Dippel über die sandgestrahlten Weckgläser, die sie auf den Tresen gestellt hat. Die ganz unterschiedlich gestalteten Gläser zeigen Anker, den Ahoi-Gruß, die Silhouette der Schlei, Faltboote, Fische, Sterne und vieles mehr. Die junge Frau, die seit drei Jahren in der Medienwerkstatt der Schleswiger Werkstätten beschäftigt ist, hat sichtlich Spaß an ihrer Arbeit. Längst sind sandgestrahlte Gläser zu ihrem Steckenpferd geworden und sie hat sich zu einem echten Profi entwickelt. Sämtliche Schritte der Herstellung, vom Erstellen der Computerdatei bis zum Sandstrahlen, beherrscht sie aus dem Effeff.

Alles beginnt mit einem Entwurf. Er wird auf dem Computer zu einer Datei, die dann vom Plotter auf eine Folie gebracht werden kann. „Ich muss dann vorsichtig die überflüssige Folie abziehen. Das ist manchmal etwas knifflig“, erzählt Swantje Dippel. Dann werden die Motive auf eine Trägerfolie und anschließend auf ein Glas gebracht. Nun folgt der Arbeitsschritt, der ihr besonders gut gefällt – und der ihr unter den Kollegen den Namen Strahle-Frau eingebracht hat: das Sandstrahlen. Sie achtet darauf, dass wirklich jede Stelle und jede noch so kleine Unebenheit bearbeitet wird, damit sich das Ergebnis sehen lassen kann. Im Anschluss entfernt sie die Folie, spült das Glas ab – und fertig ist das kleine Kunstwerk. „Sandstrahlen kann man aber nicht nur Gläser“, weiß sie, „ich habe schon eine Weihnachtskugel gestrahlt und auch auf Metall sieht es richtig gut aus.“

Die sandgestrahlten Gläser sind gerade sehr gefragt. „Das freut uns natürlich sehr“, betont Gruppenleiterin Negin Momeni, „allerdings haben wir gerade wegen genau dieser großen Beliebtheit einen akuten Engpass, was Gläser betrifft. Wir benötigen dringend Nachschub, damit wir weiter produzieren können.“ Momeni hofft, dass in vielen Kellern noch Gläser vor sich hin schlummern. „Bevor sie in einen Glascontainer wandern, können wir doch besser etwas Sinnvolles mit ihnen machen.“

Zudem steht die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Handicap im Vordergrund. „Es ist uns wichtig, Arbeit zu schaffen, die sinnvoll ist und Spaß macht“, erklärt sie, „denn dann kann Arbeit viel mehr, als Menschen einfach nur beschäftigen. Sie hilft, sich weiterzuentwickeln, selbstbewusster zu werden.“ Um das zu erreichen, ist es wichtig, die richtige Aufgabe für jeden Einzelnen zu finden. „Wir loten Stärken und Schwächen aus und suchen passgenaue Tätigkeiten aus, die zur persönlichen Entwicklung beitragen können.“ Bei Swantje Dippel ist dieses Prinzip aufgegangen. Sie hat in den vergangenen Jahren ihre technischen Fähigkeiten ausgebaut, arbeitet immer akkurater. „Ich bin richtig pingelig geworden“, schmunzelt sie. Positives Feedback der Kunden, die spannende und abwechslungsreiche Aufgabe und die Zusammenarbeit im Team haben sie selbstbewusster werden lassen. Heute kann sie schon viel besser auf Menschen zugehen. Konzentriert klebt sie die Folie mit einem Schriftzug auf ein Glas. „Das muss gerade sein, sonst sieht es nicht gut aus“, erklärt sie.


>Die Medienwerkstatt nimmt Weckgläser-Spenden in der Heinrich-Hertz-Straße 30 in Schleswig entgegen. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 8 bis 15.30 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr, Tel. 0 46 21/5 30 44 98.



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