„Die Stammkunden bleiben uns treu“

Renate Schulze (69) hat die Buchhandlung Bernaerts vor 24 Jahren übernommen. Fast ebenso lange unterstützt ihre Tochter Gesa Heuer (hinten) sie im Betrieb.
Renate Schulze (69) hat die Buchhandlung Bernaerts vor 24 Jahren übernommen. Fast ebenso lange unterstützt ihre Tochter Gesa Heuer (hinten) sie im Betrieb.

175 Jahre Buchhandlung Bernaerts: Inhaberin Renate Schulze blickt zuversichtlich in die Zukunft – trotz E-Books und Internet-Handel

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31. Juli 2014, 13:40 Uhr

Die Buchhandlung Bernaerts im Lollfuß ist eines der traditionsreichsten Geschäfte in Schleswig. Inhaberin Renate Schulze kann in diesem Sommer das 175-Jahr-Jubiläum feiern. Sie selbst hat in dem Geschäft vor 45 Jahren als Aushilfe angefangen. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Ove Jensen erklärt sie, warum sie trotz E-Book und Internet-Handel an die Zukunft ihrer Buchhandlung glaubt.

Frau Schulze, an ihrem ersten Arbeitstag 1969 sah der Lollfuß wahrscheinlich noch etwas anders aus als heute?

Schulze: Er war sehr viel belebter. Es gab hier eine Drogerie, ein Reformhaus, zwei Bäcker, einen Schlachter, ein Lebensmittelgeschäft, ein Geschäft für Scheren und Messer...

Die sind alle verschwunden, aber Sie sind noch da. Woran liegt es?

Einige haben keine Nachfolger gefunden, über andere ist einfach die Zeit hinweggegangen. Heute kaufen die Leute im Supermarkt ein.

Aber auch der Buchhandel hat es ja nicht leicht. Es wird immer mehr im Internet bestellt.

Ja, das ist unglücklich. Wer online bestellt, darf sich nicht wundern, wenn die Innenstädte immer trostloser werden, weil immer mehr Geschäfte schließen. Die jungen Leute, die in den Wohnungen über uns wohnen, bestellen auch viel online. Wenn sie nicht zu Hause sind, bringt der Paketbote die Lieferungen zu uns in den Laden. Wenn die Leute dann zum Abholen kommen, sagen wir ihnen höflich, aber bestimmt, dass wir gerne ihre Pakete entgegennehmen, aber nicht unbedingt, wenn es Bücher sind. Wir können jedes Buch bestellen – und es ist am nächsten Morgen da. Die Bestellungen nehmen wir auch per E-Mail entgegen.

Viele Bücher haben Sie ja auch vorrätig. Wonach wählen Sie die aus?

In erster Linie nach persönlichem Geschmack. Ich empfehle ungern Bücher, die ich nicht selber gelesen habe. Und natürlich wissen wir, was unsere Kunden mögen. Viele ältere sind sehr konservativ, einige von den jüngeren auch etwas experimentierfreudiger. Im Prinzip verkaufe ich jedes Buch, wenn ein Kunde es haben möchte. Meine Vorgängerin, Frau Bernaerts, war da resoluter.

Inwiefern resoluter?

Naja, wenn jemand kam und das Dieter-Bohlen-Buch haben wollte...

... dann sagte Frau Bernaerts: „So einen Schund verkaufe ich nicht.“?

Ja, so ungefähr war das. Ich sage dann: „Wir haben es nicht vorrätig, aber wir können es bestellen.“ Aber es gibt ja auch noch andere Buchhandlungen in der Stadt, und Kunden, die mit uns nicht glücklich werden, mit denen werden wir wahrscheinlich auch nicht glücklich. Die sind woanders besser aufgehoben.

Was kaufen Ihre Kunden momentan am liebsten?

Roger Willemsens „Das Hohe Haus“ lief in letzter Zeit sehr gut. Im letzten Jahr waren es die beiden Schleswig-Romane von Joachim Meyerhoff.

Sie werden demnächst 70 Jahre alt. Wissen Sie schon, wann Sie in den Ruhestand gehen werden?

Vielleicht im nächsten Jahr, vielleicht mache ich auch noch weiter. Mir macht die Arbeit immer noch sehr viel Freude. Unsere Stammkunden sind uns treu, und ich glaube, das werden sie noch viele Jahre lang sein. Ich freue mich, dass meine Tochter das Geschäft übernehmen wird, wenn ich aufhöre.

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