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99 Ansichten von Schleswig : Die Stadt mit neuen Augen sehen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Körnerhaus des Volkskunde-Museums werden die Ergebnisse des Schleswig-Symposiums der Norddeutschen Realisten ausgestellt. Elf Maler präsentieren ihren Blick auf Schleswig.

Fünf Tage, 11 Maler, 99 Bilder: So könnte man Verlauf und Ergebnis des Symposiums zusammenfassen, zu d em sich die unter dem Titel „Norddeutsche Realisten“ firmierenden Künstler im Juni in Schleswig zusammengefunden hatten. Und schon diese Kurzversion des Ereignisses signalisiert, dass damals hoch-kreativ und mit großer Ausbeute gearbeitet wurde.

Doch das Konzept des Malens unter freiem Himmel setzt nicht nur beim Maler, sondern genauso beim Betrachter noch mehr Emotionen frei. Pleinair-Malerei hat eben etwas Existenzielles. Das wurde auch deutlich an dem großen Zuspruch, als am Sonnabendnachmittag die Schau „Norddeutsche Realisten malen in Schleswig“ im Körnerhaus des Volkskunde-Museums eröffnet wurde.

Die unjurierte Präsentation (bis zum 27. Oktober auf dem Hesterberg) ist bsonders in einer Hinsicht bemerkenswert. So ergänzt sie bestens die große Sommerausstellung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, die sich ebenfalls dem „Realismus in Norddeutschland“ widmet. Doch mehr noch als in der Reithalle sind bei den Gemälden im Volkskunde-Museum alle Motive ja hinlänglichst bekannt. Sprich: Die Frage nach ihrem Kunstwert steht noch mehr im Vordergrund. Erstaunlich, dass sich die sensiblen Künstler auf solche Nagelprobe eingelassen haben.

Die Qualitäts-Unterschiede sind denn auch erklecklich. Neben konventioneller Abschilderung , fast schon wie in der Genremalerei, hängen gewaltige Stimmungsbilder, die Schleswig wirklich in einem neuen Licht zeigen. An erster Stelle muss in diesem Zusammenhang Christopher Lehmpfuhl genannt werden, von dem allein 20 Gemälde zu sehen sind. Seine Arbeiten sind auch die teuersten (alle Bilder kann man kaufen, eine Liste mit den Preisen liegt parat); der Spitzenpreis für die „Hafenszene Schleswig 2013“ beträgt 25 000 Euro. Ein bißchen Platz braucht der Sammler auch: Die Szene hat das Format 180 x 240 Zentimeter.

Bewährte Qualität hat ebenfalls der maler Friedel Anderson abgeliefert. Er gönnte sich das intellektuelle Vergnügen der Selbstbezüglichkeit – und malte in der Reithalle die Ausstellung. Seine fünf Bilder sind bereits verkauft. Aus dem Rah men fällt auch noch – und wieder – Brigitta Borchert. Sie gestaltet überwiegend mit Pastellkreide und fixiert schon dadurch das feinste Licht, etwa in „Vor dem Schlossrestaurant“, unter allen Realisten. Kostet 2 800 Euro.

Das alles sind so schmucke wie eigenwillige Kreationen. Kurator Dr. Thomas Gädeke betont, die Maler des Realismus wollten nicht etwa „himmelstürmend der Welt eine nie dagewesene Kunstepoche bescheren“. Und doch hat die seit 1992 bestehende und seit 1995 so genannte Gruppe der realistischen Pleinair-Maler etwas Großes erreicht; Belege dafür sind in beiden Ausstellungen vorhanden: Sie gibt den Dingen ihre Würde zurück, denn ohne Respekt vor dem Gegenstand entsteht kein gutes Bild. Gädeke: „Die Erneuerung der Kunst kann sehr wohl in der Provinz erwartet werden.“

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erstellt am 20.Aug.2013 | 20:17 Uhr

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