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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 10:14 Uhr

Autohof Jagel : Die Sorgen ausländischer Trucker

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gewerkschaften informieren Lkw-Fahrer in Jagel über ihre Rechte in Deutschland – und fordernschärfere Kontrollen.

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 13:25 Uhr

Ausländische Lkw-Fahrer haben es in Deutschland oft nicht leicht. Viele wissen nicht, dass sie, solange sie zwischen Passau und Harrislee unterwegs sind, Anspruch auf den deutschen Mindestlohn haben. Andere wissen es, haben aber keine Chance, ihren gesetzlichen Anspruch durchzusetzen, ohne dabei ihren Job aufs Spiel zu setzen. Deshalb wünschen nicht nur sie sich, dass der Staat ein noch schärferes Auge auf die Situation im Frachtgewerbe wirft. Auch die fünf Frauen, die gestern auf den Rastplätzen an der A7 unterwegs waren, um aufzuklären, hoffen auf Besserung und setzten vor allem auf Aufklärung.

Auf dem Autohof im Wikingerland in Jagel stießen Silvia Reichert (verdi), Helga Zichner und Perke Heldt (beide DGB) sowie Borislava Nagi und Ida Mikolajczak (Beratungsstelle Arbeitnehmerfreizügigkeit Schleswig-Holstein) bei vielen Truckern, die sie bei strömenden Regen ansprachen, auf offene Ohren. Das Eis war meist schnell gebrochen, nachdem die Frauen den Lkw-Fahrern aus Rumänien, Bulgarien, Polen Spanien und anderen europäischen Ländern Flyer zum Thema und kleine blaue Geschenkboxen mit kleinen Osterüberraschungen in die Hand gedrückt hatten. Hilfreich war vor allem auch, dass Ida Mikolajczak Polnisch, Helga Zichner Rumänisch und Borislava Nagi Bulgarisch und Arabisch sprechen.

Der Ortstermin habe vieles von dem offenbart, was der scharfe Wettbewerb auf der Straße mit sich bringe, sagte Silvia Reichert – und was ausnahmslos zu Lasten der Fahrer gehe. So nutzten viele ausländischen Spediteure die laschen Kontrollen der Behörden systematisch aus, um ihren Fahrern Lohn vorzuenthalten. „Mögliche Bußgelder werden einfach einkalkuliert“, sagt sie. Unter den schwarzen Schafen seien aber auch deutsche Spediteure, die den Mindestlohn in gleicher Weise unterlaufen, indem sie mit willigen ausländischen Subunternehmen zusammenarbeiten. „Wir hatten hier heute einen rumänischen Fahrer auf einer polnischen Sattelmaschine, und der Auflieger kam noch ganz woanders her“, so Reichert.

Ein weiteres Problem ergibt sich speziell aus der Grenzlage. Denn nach den geltenden Vorschriften dürfen ausländische Lkw nur eng befristet Aufträge in Deutschland annehmen, nachdem sie ihre Ladung entladen haben (Kabotage). Diese Regelung lässt sich jedoch umgehen, wenn der Lkw vor Ablauf der Frist kurz die deutsch-dänische Grenze überfährt, dann beginnt die Frist von vorn und der ausländische Anbieter kann zu Dumpingpreisen Transportleistungen anbieten. Für den Fahrer bedeutet das: Warten auf Aufträge fern der Heimat, mit wenig Geld. „Wir haben heute mit einem ausländischen Fahrer gesprochen, der schon vier Monate hier oben ist“, erklärte Perke Heldt. Das Fahrerhaus eines polnischer Lastwagen sei mit kistenweise Lebensmitteln vollgestopft gewesen, so als müsste der Fahrer wochenlang darin wohnen. „Die Fahrer werden mit ihren Problemen allein gelassen. Das geht so nicht“, so Heldt.

> Mehr Informationen zum Thema im Internet unter www.faire-mobilitaet.de

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