Tierärzte-Tagung in Schleswig : Die Schöpfung und das liebe Vieh

Ferkel auf engstem Raum: Der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord kritisierte bei der Tagung mit deutlichen Worten die industrielle Tierverwertung.
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Ferkel auf engstem Raum: Der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord kritisierte bei der Tagung mit deutlichen Worten die industrielle Tierverwertung.

Beim Tierärztetag in Schleswig ging es auch um die Würde des Tieres. Mehr als 400 Experten trafen sich im Waldschlösschen.

shz.de von
12. Februar 2018, 12:44 Uhr

Draußen, am Eingang des feinen Hotels Waldschlösschen, wies ein kleines Schild wie immer dezent darauf hin, dass Hunde hier nicht erwünscht sind. Drinnen, im Saal und den zahlreichen Konferenzräumen, tummelten sich mehr als 400 Experten – zum Thema Tierwohl.

Bereits zum fünften Mal hatte die schleswig-holsteinische Tierärztekammer am Sonnabend zum Tierärztetag nach Schleswig geladen, einem inzwischen über die Landesgrenzen hinaus angesehenen Kongress für Veterinärmedizin. Entsprechend wissenschaftlich ging es in den verschiedenen Fachgruppen für Pferde, Rinder, Schweine und Kleintiere zu. Zu den Themen gehörten etwa „Kanibalismus im Schweinebestand“ ebenso wie „Septische Arthritis beim Rind“ oder „Qualzucht bei Hund, Katze und Kleinsäugern“, einem Spezialgebiet des Schleswiger Tierarztes Dr. Friedrich Röcken, Mitorganisator des alle zwei Jahre in Schleswig stattfindenden Tierärztetages.

Die größte Aufmerksamkeit aber bekam ein Referent mit anderer Profession – der Münsteraner Theologe Rainer Hagencord, Mitbegründer des „Instituts für Theologische Zoologie“. Hagencords selbsternannte Mission ist, das Verhältnis zwischen Mensch und Tier aus biblischer Sicht zu definieren und auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Titel seines Vortrags: „Die Würde des Tieres“. Hagencord beklagt deren fehlende Würde. Was für den Menschen als unantastbar gilt, habe für Tiere keine Bedeutung, bedauert er. Tiere würden lediglich als Sache behandelt, mit der man je nach Zweck und Belieben umgegangen werden könne.

„Im Privaten wie im Industriellen gelten eigentlich nur noch zwei Kategorien von Tieren“, so Hagencord provozierend, „die einen verwöhnen wir mit Haustierfutter und die anderen werden dazu verarbeitet.“ Für ihn eine Wertung des angeblich „besten Freundes des Menschen“ zwischen Vergötterung und Verachtung.

Vor allem aber durch die industrielle Tierverwertung werde der göttliche Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, ins Gegenteil gekehrt. „Ethisch haben wir uns von unseren Mitgeschöpfen abgewandt und stehen mit dem Rücken zu ihnen“, so der Theologe. „Wir sollten ihm wieder in die Augen sehen, denn wir entstammen ein und derselben Quelle.“ Er wolle nicht einer romantischen Verklärung des Tieres das Wort reden, sagte Hagencord, aber es sei dringend geboten, „die Schöpfung, das liebe Vieh und unsere Verantwortung wieder richtig zu verstehen“. Ein theologischer Blick könne dabei hilfreich sein, sagte der Theologe unter lang anhaltendem Beifall.

In seinem Schlusswort lobte der aus Berlin angereiste Präsident der Bundestierärztekammer, Uwe Tiedemann, die Tagung: „Mein Kompliment, der fünfte Schleswiger Tierärztetag hat gezeigt, dass die Veranstaltung für uns Veterinäre zurecht Kult geworden ist.“

Hartmut Volz

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