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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 10:16 Uhr

Schleswig : Die Schmid-Villa wird abgerissen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sie ist gerade einmal 15 Jahre alt – und schon ein Fall für den Abrissbagger: Die Villa am Stadthafen, die einst dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid gehörte, soll einer Senioren-Wohnanlage weichen.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 11:48 Uhr

Die Lage des Grundstückes Plessenstraße 1b ist unbestritten schön. Strittig jedoch ist in vielen Augen das Haus, das darauf steht, die sogenannte Schmid-Villa. Auch aus Sicht der Investoren ist dieses in unbestimmbarem Niedersachsenhaus-Stil gehaltene Gebäude ein Störfaktor, der nun beseitigt werden soll. Die Villa ist dem Abriss preisgegeben. An die Stelle soll stattdessen ein „Zukunftsprojekt“ treten, das Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs und Bauunternehmer Uwe Hahn aus Busdorf entwickelt haben – ein dreiteiliges und stufenförmig angelegtes Gebäude-Ensemble für altengerechtes Wohnen.

Mehr als 50 Wohneinheiten sind geplant, nahezu alle mit Terrassen und Balkonen zur Schleiseite hin, hieß es gestern Abend im Bauausschuss. Dort wurde das Projekt erstmalig präsentiert. Die Reaktionen der Ausschussmitglieder auf das Vorhaben fielen zwar durchweg positiv aus, jedoch gab es kritische Einwände, was die Anzahl der Stockwerke anbelangt. Insgesamt müsse der Gebäudekomplex weniger hoch als fünfstöckig ausfallen, forderte Bauausschuss-Vorsitzender Klaus Bosholm (SPD). Dies sei für ihn ein Kompromiss, um das Projekt akzeptieren zu können, meinte er.

Lebhaft und ausführlich wurde im Ausschuss über den Entwurf des von Hahn beauftragten Architekten Hans Jörn Sachau diskutiert – doch eines ließ offenbar jeden kalt: Nämlich dass das etwas prunksüchtig wirkende Gebäude, das der inzwischen insolvente Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid erst im Jahre 1999 hatte bauen lassen, nun von der Abrissbirne eingeholt wird. „Dieses hässliche und dunkle Niedersachsen-Bauernhaus passt nicht hierher“, meinte nicht nur der Grünen-Vertreter Steffen Hempel. Auch andere Redner bezeichneten das Haus als düster und „überhaupt von Anfang an deplatziert“ in Schleswigs Altstadt.

Dieser Eindruck habe auch etliche Kaufinteressenten in der Vergangenheit immer wieder abschrecken lassen, erklärte Wolfgang Schoofs. Die Villa in ihrem Originalzustand habe keinem gefallen. Seit Jahren ist sie unbewohnt.

2012 hatten die Stadtwerke das 6500 Quadratmeter große Areal plus Villa von der Unternehmerin Sybille Schmid-Sindram erworben. Die Villa war in dem Kaufpaket enthalten. Für die Stadtwerke lag das Interesse darin, durch das erweitere Areal den Stadthafen für Wohnmobilisten attraktiv gestalten zu können. Der Kauf war seinerzeit nach einem einstimmigen Ratsbeschluss in nichtöffentlicher Sitzung erfolgt. Preise wurden nicht genannt.

Nach den Erläuterungen von Architekt Sachau und dem Bevollmächtigen der Firma Hahn, Rolf Jacobsen, soll der moderne Gebäudekomplex in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadthafen auch Dienstleistungsbereiche umfassen. Geplant sind Praxen für Physiotherapie oder auch Arztpraxen. Im Gespräch ist ebenfalls ein Café. Als positiv bewertet wurde von den Ausschussmitgliedern, dass das gesamte Areal öffentlich zugänglich gemacht werden soll.

Helge Lehmkuhl (CDU) sieht das Vorhaben, wie er sagte, als ein Zukunftsprojekt für Schleswig an: „Es passt sehr gut als moderne Abgrenzung zur Altstadt.“ Auf den Einwand der Grünen, dass das Senioren-Projekt lieber am Lollfuß im Zusammenhang mit dem Theaterneubau realisiert werden solle, meinte Bürgermeister Arthur Christiansen, dass nach seiner Einschätzung gerade sowohl im Lollfuß als auch an der Plessenstraße die Projekte wirtschaftlich erfolgreich sein würden. Wenn die Entwürfe überarbeitet worden sind, sollen sie in der nächsten Bauausschusssitzung erneut vorgelegt werden, um den Bebauungsplan anpassen zu können. Die endgültige Entscheidung könnte dann spätestens in der Ratssitzung im Januar fallen.

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