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Diskussion über Wasserqualität : Die Schlei wird langsam sauberer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der SSW lud ein zu einer Diskussion über Wasserqualität der Schlei. Die Holmer Fischer sehen eine positive Entwicklung. Die Stadt will einen „Masterplan Schlei“.

Die großen ideologischen Schlachten gehören der Vergangenheit an. Heute reden Umweltschützer und Bauern freundlich miteinander, wenn es um die Wasserqualität in der Schlei geht. Das wurde deutlich auf einer Diskussionsveranstaltung, zu der der SSW am Donnerstagabend ins Vereinsheim des dänischen Ruderclubs am Luisenbad eingeladen hatte.

Ein Patentrezept, mit dessen Hilfe sich die Schlei wieder in einen guten ökologischen Zustand versetzen ließe, hatte trotzdem niemand. Rainer Raup, der als Ordnungsamtsleiter für den verhinderten Bürgermeister Arthur Christiansen eingesprungen war, hatte immerhin ein großes Wort mitgebracht. Als exklusive Neuheit könne er aus dem Rathaus berichten, dass man an einem „Masterplan Schlei“ arbeite. Einzelheiten nannte er nicht. Der Masterplan sei „zunächst einmal eine Idee“. Dabei gehe es vor allem darum, die Maßnahmen der verschiedenen Schlei-Anrainer miteinander zu vernetzen. Vielleicht ließen sich über die Aktiv-Region Fördermittel für ein Gutachten einwerben, meinte Raup.

Dabei waren sich alle einig, dass die Schlei heute in einem besseren Zustand ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. „Wir haben inzwischen von Schleimünde bis Karschau Seegras und Miesmuscheln bis nach Ulsnis“, sagte Jörn Ross, der Ältermann der Holmer Fischerzunft. „Die Füsinger Au wird immer schlecht geredet, aber dort leben zunehmend Flusskrebse.“

Algenblüten, die als grüne schleimige Schicht auf dem Wasser liegen, kommen praktisch nicht mehr vor. Klaus-Peter Dau, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, führte das nicht zuletzt darauf zurück, dass seine Berufskollegen inzwischen besser ausgebildet seien. „Wir bringen nicht mehr zu viel Dünger auf die Felder, schon allein aus Kostengründen.“

Dennoch stammten noch immer nahezu 80 Prozent der Nitrate und anderen Nährstoffe, die in die Schlei gelangen, aus der Landwirtschaft, sagte Holger Steen vom Amt für Wasserwirtschaft in der Schleswiger Kreisverwaltung. Das Problem der inneren Schlei von Schleswig bis zur Stexwiger Enge ist, dass über die Füsinger Au das Wasser der Felder von fast halb Angeln hierhin abfließt – und bleibt. Die Faulschlamm-Schicht am Grund der Schlei ist über 80 Jahre angewachsen. „Bis wir wieder einen guten ökologischen Zustand erreichen, wird es Jahrzehnte dauern“, meinte er. Derzeit übertrifft der Nitratgehalt in einigen Bereichen der inneren Schlei den Wert, bei dem Fachleute von einem solchen guten ökologischen Zustand sprechen, um das Siebenfache. Eine entsprechende Statistik zeigte Moderator Svend Duggen, Naturwissenschaftslehrer an der A.P.-Møller-Schule.

Karl Walther, Vorsitzender der Initiative „Schlei-Informations- und Erlebniszentrum“ aus Bohnert in Schwansen setzte große Hoffnungen in den Ankauf von den Gewässer-Randstreifen für den Naturschutz. Karsten Stühmer, Bürgermeister von Schaalby, kündigte an, den Randstreifen-Ankauf an der Füsinger Au weiter zu forcieren. Fritz Laß, der Grandseigneur der Schleswiger Umweltschützer, blieb skeptisch: „Randstreifen sind eine schöne Sache, weil sie Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten, aber auf die Nährstoff-Belastung haben sie fast keine Auswirkung.“

Ein anderes Thema, das die Schleswiger Badegäste in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, gibt den Fachleuten weiter Rätsel auf: Die Zerkarien – kleine Saugwurmlarven, die sich an heißen Sommertagen ausbreiten und für schmerzhaften Hautausschlag sorgen – waren im vergangenen Sommer aus dem Luisenbad fast vollkommen verschwunden. „Wir wissen noch immer nicht, ob die Vermutung stimmt, dass die Zerkarien sich vor allem im Königswiesen-Kanal ausgebreitet hatten“, sagte Rainer Raup.

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erstellt am 14.Mär.2015 | 18:45 Uhr

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