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Zentralmagazin der Landesmuseen : Die „Schatztruhe unserer Vergangenheit“ auf dem Hesterberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Zentralmagazin der Landesmuseen auf dem Hesterberg werden rund 80.000 Objekte eingelagert. Die Einweihung des Neubaus verzögert sich.

Die vielen alten Telefone sind bereits mit Nummern versehen. Genauso wie die Radios im Regal gegenüber. „Jetzt werden sie in unsere Datenbank eingetragen“, erklärt Guntram Turkowski. „Unser Ziel ist es, die Objekte dann auch chronologisch zu ordnen. Die ältesten Radios stammen aus den 1920er-Jahren.“ Turkowski ist zuständig für die Inventarisierung im neuen Zentralmagazin der Landesmuseen auf dem Hesterberg. Auf ihn und seine beiden Mitarbeiter wartet noch viel, viel Arbeit. „Es wird wohl 15 Jahre dauern, bis wir richtig Grund drin haben“, schätzt er.

Die Bestandsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Volkskundemuseums sind inzwischen allesamt vollständig hergerichtet. Bodenbeläge wurden ausgetauscht, Regale aufgebaut und für das passende Klima gesorgt. Im fünfgeschossigen „Körnerhaus“, dem Hauptgebäude der Anlage, wurde zudem ein großer Fahrstuhl installiert, damit auch große Objekte wie etwa Kutschen problemlos ein- und gegebenenfalls wieder ausgelagert werden können.

Nur die Einweihung des Neubaus im nördlichen Bereich des Areals wird sich noch bis Ende des Jahres hinziehen – auch wenn die Innenarbeiten bereits abgeschlossen sind. Grund für die mehrmonatige Verzögerung ist Ärger mit dem Fensterbauer, erklärt Guido Wendt, kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Dafür werde man die veranschlagten Gesamtkosten von 6,1 Millionen Euro für das Magazin-Projekt einhalten, verspricht er. Mit 4,3 Millionen Euro steuert das Land den Löwenanteil bei, der Rest der Summe speist sich aus Mitteln der Landesmuseen (1,2 Millionen) sowie der Hamburger Hermann-Reemstma-Stiftung. Allein die Thermokammer, in der Holzgegenstände durch Erhitzen auf 55 Grad von Schädlingen wie Motten oder Holzböcken befreit werden, kostet rund 200  000 Euro.

Ein Teil der eingelagerten Objekte stammt aus dem alten Volkskundemuseum. Andere werden von Schloss Gottorf, dem Freilichtmuseum Molfsee oder dem Eisenkunstguss-Museum Büdelsdorf zum Hesterberg gebracht. Etwa 80  000 Objekte, schätzt Guntram Turkowski, gilt es im Zentralmagazin auf einer Grundfläche von 8000 Quadratmetern unterzubringen. „Das ist die Schatztruhe unserer Vergangenheit“, sagt Guido Wendt. „Für uns war es wichtig, das Magazin zu realisieren, bevor wir uns an die Modernisierung der großen Museumsstandorte Molfsee und Schloss Gottorf machen.“

Wie wertvoll die Schatztruhe ist, gilt es bei der Inventarisierung zu ermitteln. Das ist allein schon deshalb wichtig, um bei Ausleihen die Versicherungssumme festlegen zu können. „Wir leihen relativ viele Objekte aus. Gerade erst hat das Stadtmuseum Pinneberg angefragt. Die wollten für eine Ausstellung eine Tran-Lampe von uns haben“, berichtet Turkowski.

Bei seiner Arbeit stoßen der 47 Jahre alte Volkskundler und seine Kollegen auch auf „Schätze, die wir schon lange nicht mehr im Blick hatten“. So wie die Ausstattung eines alten Eisenwarenladens aus Wilster, die an die legendäre Schubladenwand der Firma Mackrott im Lollfuß erinnert. „Der Laden stand hier im Körnerhaus hinter einer Kartonwand versteckt“, sagt Turkowski.

Seine neuen Lieblingsstücke hat Turkowski vor Kurzem im Museum Molfsee entdeckt: original Olympia-Fackeln von 1936 und 1972, als die Segelwettbewerbe jeweils auf der Kieler Förde stattfanden. „Das sind richtige Top-Objekte, die auch bundesweit bedeutend sind“, freut er sich. Demnächst werden auch diese Fackeln ihren Weg ins neue Zentralmagazin auf dem Hesterberg finden – und so der Nachwelt dauerhaft erhalten bleiben.

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erstellt am 15.Jun.2017 | 12:26 Uhr

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