zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

13. Dezember 2017 | 09:07 Uhr

Schleswig : Die Rückkehr der Schallplatte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Haithabu Vinyl“: Mit einem ungewöhnlichen Laden in Schleswig hat Michael Teuber neues Leben in den Friedrichsberg gebracht.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2016 | 18:26 Uhr

Schleswig | Musik gibt es nur noch direkt vom Streaming-Dienst aus dem Internet – oder allerhöchstens noch vom USB-Stick im Computer? Unsinn. Man hört wieder Schallplatte. Die runden schwarzen Scheiben, die sich 33 Mal pro Minute auf dem Teller drehen. Sogar der große Elektromarkt im Schleicenter hat neuerdings wieder ein paar Platten im Programm. Zwischen den CDs von Helene Fischer bis Coldplay stehen „Leichtes Gepäck“ von Silbermond und „The Wall“ von Roger Waters – auf Vinyl.

Schleswigs größte Auswahl an Schallplatten aber, die findet man im Friedrichsberg. 3000 gebrauchte Platten, schätzt Michael Teuber, hat er im Angebot. Bevor er die Zahl nennt, muss er kurz nachdenken. Nach einem richtig großen Plattenladen klingt das noch nicht, meint er. Aber er steht ja auch noch ganz am Anfang. Am Sonnabend vor dem Ersten Advent hat er sein Geschäft eröffnet – pünktlich zum Friedrichsberger Flohmarkt. Am ersten Tag rannten ihm die Musikfans die Bude ein. Danach wurde es etwas ruhiger. Aber, so sagt er, „mit steigendem Bekanntheitsgrad werden die Kunden mehr“. Heinz-Rudolf-Kunze-Platten gibt es bei ihm ab zwei Euro, Rock-Schätze aus den Siebzigern können aber bis zu 30 oder gar 35 Euro kosten.

Der gelernte Elektro-Installateur hat mit 52 Jahren beruflich noch einmal ganz von vorn angefangen. In einem Geschäftsraum in der Friedrichstraße, der zuvor sechs Jahre leerstand. Dass Schallplatten im Trend liegen, hat er mehr oder weniger zufällig bemerkt. Vor einiger Zeit verkaufte er zusammen mit seiner Tochter auf einem Flohmarkt in Flensburg ein paar alte Scheiben für zwei bis drei Euro pro Stück. „Nach einer Viertelstunde war alles weg, und wir haben uns gewundert, dass niemand mit uns feilschen wollte.“

Da begriff Teuber, wie gefragt die Musik seiner Jugend inzwischen ist, wenn man sie auf Schallplatte gepresst anbietet. Für Alben von Iron Maiden, Black Sabath oder Pink Floyd legen Sammler gern den einen oder anderen Schein hin.

Woran liegt das? „Die Haptik“, meint ein Kunde, der inzwischen regelmäßig hinschaut bei „Haithabu Vinyl“, wie Teuber sein Geschäft genannt hat. Man kann die Musik körperlich fühlen, wenn man eine Platte in der Hand hat. Und dann die aufwendig gestalteten Cover, die viel mehr hermachen als die kleinen CD-Hüllen, die in den Neunzigern zwar die Schallplatten aus den Wohnzimmern verdrängten, aber wohl die Herzen der Musikliebhaber nie wirklich erobern konnten. Und das leichte Kratzen der Nadel in der Rille, die „Gebrauchsspuren“, sagt Teuber, die gehören einfach dazu zum Plattenhören. Und dann schwärmt er von den unvergessenen Logos der Labels, die in der Mitte der Platten kleben. Michael Teuber gibt ganz offen zu, dass er von manchen seiner Kunden über die kleinen Details immer noch viel dazulernt.

Aber trägt die Schallplatten-Euphorie der Schleswiger ihn so weit, dass er von seinem Laden leben kann? „Ich habe mit ein Jahr Zeit genommen, das herauszufinden“, sagt er. Bisher öffnet er seinen Laden nur an drei Tagen in der Woche: donnerstags, freitags und sonnabends.

Das Internet ist trotz der Download- und Streamingdienste nicht sein Feind, sondern ein Verbündeter. „Ohne meine Verkäufe auf Ebay würde es nicht funktionieren“, sagt er. Dort bietet er aber immer nur ganz wenige Platten an. „Sonst würde ich meinen Laden ja uninteressant machen.“ Den von manchen schon totgesagten Friedrichsberg findet er dabei als Standort ideal. „Ich bin gut zu erreichen, auch für Auswärtige, es gibt reichlich Parkplätze, und hier sehen viele Leute den Laden, wenn sie zum Beispiel aus Dannewerk oder Busdorf über die Friedrichstraße in die Stadt fahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen