Bundeswehr-Karrierecenter : „Die rennen uns hier die Bude ein“

Patrick Köhler (20) fühlte sich bei den Karriereberaterinnen Maria Heimann (Mitte) und Tanja Mollnau gut aufgehoben.
Patrick Köhler (20) fühlte sich bei den Karriereberaterinnen Maria Heimann (Mitte) und Tanja Mollnau gut aufgehoben.

Beratungsbüro der Bundeswehr im Schwarzen Weg ist voll ausgelastet. Bereits 360 Bewerbungen wurden in diesem Jahr gefertigt.

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04. Juni 2014, 07:54 Uhr

Es ist erst wenige Tage her, da sorgte der 29-Punkte-Katalog von Ursula von der Leyen für reichlich Furore. 100 Millionen Euro sollen, so die Verteidigungsministerin, in den kommenden Jahren investiert werden, um die Bundeswehr zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen. Da ist von Teilzeitmodellen, neuen Kitas und modernen Unterkünften samt Fernseher und Kühlschrank die Rede. Alles soll schick gemacht werden, damit sich auch in Zukunft möglichst viele Männer und Frauen für einen Job bei der Armee entscheiden.

Ob all diese Neuerungen überhaupt notwendig sind, daran kann man jedoch Zweifel bekommen, wenn man sich die Warteliste des Karriereberatungsbüros der Bundeswehr in Schleswig anschaut. Wer dort heute nach einem Termin fragt, kann frühestens im September vorstellig werden. „Nachdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde, hieß es immer: Bald kommt der große Einbruch bei den Bewerberzahlen. Aber das ist bislang nicht passiert – im Gegenteil. Es wird eher mehr. Die Leute rennen uns hier die Bude ein“, sagt Karriereberaterin Tanja Mollnau und fügt an: „Die Bundeswehr ist offenbar schon längst ein attraktiver Arbeitgeber.“

Ein halbes Jahr ist es her, da verließen Tanja Mollnau und ihre Kollegen den Standort im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in der Moltkestraße und zogen um in die neuen Räume im Schwarzen Weg 13. Seitdem sind von Schleswig aus 360 Bewerbungen für den militärischen Dienst an die Personalämter der Bundeswehr rausgeschickt worden. Zudem gab es über 60 Beratungen für Menschen, die sich für eine zivile Tätigkeit bei der Bundeswehr interessierten. „Das Spektrum unserer Bewerber umfasst sämtliche Gesellschaftsschichten. Vom Abiturienten und Studenten, über den ausgebildeten Handwerker bis hin zum Langzeitarbeitslosen ist alles dabei. Hinzu kommen viele Wiedereinsteiger, die sich bereits früher bei der Bundeswehr verpflichtet hatten und nun zurück wollen“, erklärt Maria Heimann.

Die 26-jährige Leipzigerin, Oberleutnant zur See, leitet seit Februar das Büro in Schleswig. Während sie, gemeinsam mit drei weiteren Karriereberatern, in erster Linie für die militärischen Laufbahnen zuständig ist, kümmert sich ihre Kollegin Tanja Mollnau (46) vorwiegend um den zivilen Zweig. „Auch dieser Bereich bietet zahlreiche Möglichkeiten“, betont die Süderbraruperin, die selbst seit 28 Jahren als zivile Angestellte für die Bundeswehr arbeitet. „Wir bieten allein 14 Ausbildungsberufe an oder ein duales Studium im Bereich Wehrtechnik. Aber wir nehmen auch ausgebildete Fachleute. Bei Ingenieuren haben wir großen Bedarf“, sagt sie.

Das wiederum gilt auch für sämtliche Bereiche der Streitkräfte. „Wir brauchen immer neue Soldaten“, sagt Maria Heimann. Allerdings: „Man hört ja immer mal wieder, die Bundeswehr würde jeden nehmen. Aber so ist es ganz sicher nicht. Man muss einige Auswahlverfahren bestehen, bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt.“ Auf einem guten Weg dorthin ist inzwischen Patrick Köhler. Der 20-jährige Rendsburger, der zurzeit seine Fachhochschulreife macht, war zwei Mal bei den Karriereberatern in Schleswig und fühlte sich dabei sehr gut an die Hand genommen. „Ich will unbedingt zum Bund. Jetzt weiß ich endlich, wo mein Weg langgeht“, sagt er. Am 1. Oktober wird Köhler, wenn alles glatt läuft, seine Grundausbildung beginnen und dann die Feldwebel-Laufbahn einschlagen.

Dass er dabei eines Tages auch in Auslandseinsätze geschickt wird, ist dem Schüler bewusst. „Es gehört natürlich dazu, die jungen Menschen auf den Dienst an der Waffe und auch auf das Thema Tod vorzubereiten. Damit gehen wir hier offen um“, sagt Tanja Mollnau, die auch deshalb immer wieder zunächst Praktika oder den freiwilligen Wehrdienst empfiehlt, „damit man gleich weiß, was einen erwartet.“

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