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Hightech statt Giftkeule : Die Rattenfänger von Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Stadtwerke rücken den Ratten in der Kanalisation mit einer elektronischen Guillotine auf den Pelz.

Ratten, die durch die Kanalisation kriechen und plötzlich in der Toilette sitzen? „Das hat es auch in Schleswig schon gegeben“, sagt Rolf Hansen und verzieht dabei sein Gesicht so, dass man ihm ansieht, was er – und wohl jeder – bei dieser Horrorvorstellung denkt. „Ja, das will man nicht unbedingt haben“, fügt er an – wohlwissend, dass er selbst daran arbeitet, dass so etwas nicht passiert. Denn der Leiter des Schleswiger Klärwerkes ist zuständig für die Bekämpfung von Ratten in der Stadt – und setzt dabei auf modernste Technik.

Vor etwa einem Jahr haben die Stadtwerke eine mobile elektronische Falle angeschafft, die das dänische Unternehmen Wisecon entwickelt hat. Sie kann mit einer Stange durch den offenen Gullideckel in wenigen Minuten im Abwasserkanal installiert werden. Sollte sie dort dann von einer Ratte passiert werden, wird diese von zwei Lichtschranken und einem Wärmesensor erfasst und dann in einem Bruchteil einer Sekunde von einem Bündel von Kunststoffspießen, die mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde herabschießen, erschlagen. „Das Tier ist dann sofort Mus. Es bekommt davon nichts mit, dafür geht es viel zu schnell“, sagt Hansen. Klingt brutal. Die Methode sei aber aus Tierschutzgründen deutlich besser als der Einsatz von Gift, auf das bis vor einem Jahr ausschließlich gesetzt wurde. „Da leiden die Ratten viel länger, weil sie elendig verenden. Oder, und das ist der andere Fall, das Gift kann ihnen gar nicht mehr schaden, weil sich längst Resistenzen entwickelt haben“, sagt Hansen, der durch den Verzicht auf die chemische Keule gleichzeitig einen Vorteil für den Menschen sieht. „Das Gift gelangt, auf welchen Wegen auch immer, in den menschlichen Körper. Das ist leider wissenschaftlich erwiesen.“

Bleibt also die elektronische Guillotine, wie die Falle aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu dem berühmt-berüchtigten Fallbeil auch genannt wird. Sie hat sich in Schleswig inzwischen so gut bewährt, dass die Stadtwerke nun zwei weitere Exemplare (der Stückpreis liegt bei rund 2000 Euro) gekauft haben, die bald in Betrieb genommen werden. Sie werden sporadisch hier und da im Stadtgebiet eingesetzt. Wenn es Hinweise aus der Bevölkerung oder vom Ordnungsamt der Stadt gibt, wo Ratten gesichtet wurden, gehen Hansen oder sein Mitarbeiter Bo Rerup, der ebenfalls für die Geräte zuständig ist, ganz gezielt vor. „Oft werden einzelne Tiere in der Nähe von Wasser, meist an der Schlei oder am Brautsee, gesichtet. Dann setzen wir das Ding dort auch ein – und meist haben wir kurz darauf auch Erfolg.“ Denn Ratten, die oberirdisch gesehen wurden, gehen immer auch in die Kanalisation, weiß Hansen. Dort wiederum bewegen sie sich meist in einem Umkreis von eineinhalb Kilometern. „Irgendwann kommen sie dann auch an unserer Falle vorbei – und dann haben wir sie.“

Dass ein stattliches Exemplar der Nagetiere erst in dieser Woche für Aufsehen sorgte (wir berichteten), als sie in der Notaufnahme des Krankenhauses aufkreuzte, hat auch Hansen registriert. „Das überrascht mich nicht. Bei so einem großen Haus, bei dem solche Mengen an Müll und Essensresten anfallen, da sind auch Ratten. Das ist überall so“, meint er. Dennoch hat man auf den Bericht reagiert und die Falle gestern nun in der Nähe des Krankenhauses in der Bellmannstraße aufgebaut. Mit der Hoffnung auf Erfolg.

Ob sie dort auch tatsächlich zuschlägt, wird Hansen in den nächsten Tagen genau wissen. Denn das mit einer SIM-Karte ausgestattete Gerät sendet, sobald es ausgelöst wurde, per GPS eine Nachricht auf seinen Computer. Dort sammelt er auch alle Statistiken rund um die Elektro-Guillotine. Von August 2015 bis gestern sind demnach in Schleswig 47 Ratten erlegt worden. „Das sind ausgesprochen wenige. Das ist ein ruhiges Jahr. Warum auch immer.“

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erstellt am 04.Jun.2016 | 08:12 Uhr

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