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Schleswiger Nachrichten

26. September 2017 | 11:26 Uhr

St.-Johannis-Kloster : Die Priörin geht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gesa von Maydell verlässt Schleswig nach nur kurzer Amtszeit. Für die Nachfolge kandidiert Irmgard-Anna von Samson-Himmelstjerna.

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 07:38 Uhr

Sie war als Nachfolgerin die absolute Wunschkandidatin von Henny von Schiller, der 2012 verstorbenen legendären Alt-Priörin des St.-Johannis-Klosters. Doch jetzt, nach nur eineinhalb Jahren Amtszeit, verlässt Priörin Gesa von Maydell (55) ihre Wirkungsstätte wieder. Warum?

Ohne Umschweife nennt sie gegenüber den SN einen sehr privaten Beweggrund für ihren Weggang: „Ich gehe meinen drei Töchtern zuliebe und auch, um meine Altersvorsorge zu sichern.“ Gesa von Maydell (die, wenn sie wollte, ihren Namen mit dem Titel der Baronin schmücken könnte) zieht nach Hamburg, wo ein Großteil ihrer Familie lebt. Dort möchte sie wieder mit einer selbstständigen Arbeit Geld verdienen. Darauf sei sie angewiesen, sagt sie, um ihren Töchtern bei der Finanzierung des Studiums zu helfen.

Bis zum Beginn ihrer Klostertätigkeit in Schleswig hatte sie für sich und ihre Töchter den Lebensunterhalt mit einer eigenen Übersetzungsfirma in Frankreich bestritten. Als Priörin im Schleswiger Kloster hingegen ist sie ehrenamtlich tätig – auf dieser Arbeit ruht also kein Geldsegen. Die wirtschaftlichen Zwänge sind das eine. Die menschlichen Bindungen aber, die trotz der kurzen Kloster-Zeit in Schleswig entstanden seien, das andere. „Ich habe hier so liebe Freunde gewonnen“, erklärt Gesa von Maydell, und sie sei ausgesprochen gern als Priörin bei Schleswiger Vereinen, Institutionen, Gilden und Beliebungen zu Gast gewesen, um das Kloster zu repräsentieren. Es falle ihr schwer, dies alles zu verlassen. Glücklicherweise sei Hamburg nicht weit, man könne sich also sehen und besuchen – „und mir wird natürlich weiterhin das Kloster am Herzen liegen.“

Eine herzliche Freundschaft verbinde sie mit den Mitgliedern vom „Freundeskreis St.-Johannis-Kloster“. Vor elf Jahren gegründet, zählt dieser Kreis mittlerweile mehr als 200 Mitglieder und gilt als eine der tragenden Säulen zum Erhalt des über 800 Jahre alten Damenstifts. Denn an irgendeiner Ecke des Klosters bröckelt immer etwas, so muss von irgend woher Geld für Sanierungsarbeiten kommen. Mehr als 300 000 Euro hat der Verein in zehn Jahren aufgebracht, um das besterhaltene Kloster-Ensemble in Schleswig-Holstein für die Nachwelt zu bewahren. Unermüdlich für das Kloster da sein – da fällt ihr auf Anhieb nicht nur Gärtner Heiner Dettlaff ein, der gerade mit seinem Rasenmäher-Trecker seine Kurven auf dem Gelände zieht und der das reizvolle Kleinod zum Blühen bringt, sondern ebenso Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs, der „uns oft, und nicht nur mit seinen Umweltdiensten, zur Seite steht“.

Das Wohnzimmer von Priörin von Meydell dient gleichzeitig als Klosterbüro. Doch seit einigen Tagen stehen dort die Zeichen auf Auszug. Kisten mit Büchern und Haushaltssachen befinden sich auf dem Fußboden. Eine ihrer Töchter macht sich gerade daran, die weißen Ikea-Regale mit Hammer und Kneifzange in transportfähig e Größen zu verwandeln. Beim Abschied sagt Gesa von Maydell: „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht . Und ich bin in mich gegangen, was wohl Henny von Schiller als Freundin meiner Familie dazu sagen würde. Mittlerweile bin ich mir sicher, sie hätte mich verstanden.“

Am 30. April ist Gesa von Maydells letzter Arbeitstag im St.-Johannis-Kloster. Wer kommt danach? Eine Kandidatin stehe bereit, müsse jedoch vom Klosterkonvent gewählt werden, sagte gestern Klosterprobst Friedrich Freiherr von Ahlefeldt-Dehn auf SN-Nachfrage. Doch er bestätigte: Es ist Irmgard-Anna von Samson-Himmelstjerna vom Gut Falkenberg vor den Toren Schleswigs.

 

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