zur Navigation springen

Schleswig : Die Post war zu langsam – Wahl verpasst

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jörg Ziemert wollte seine Stimme zur Europawahl per Briefwahl abgeben. Aber den Stimmzettel hatte er erst am Montag im Briefkasten. 20 Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Wer seine Stimme per Briefwahl abgeben möchte, sollte sich frühzeitig darum kümmern. Das ist die Lehre, die Jörg Ziemert (41) aus der Europawahl zieht. Dabei dachte er eigentlich, er wäre früh genug dran gewesen. Am Donnerstag stellte er seinen Antrag auf Zuteilung eines Wahlscheins für die Briefwahl. Alles war ordnungsgemäß, und im Rathaus wurde sein Antrag auch fristgerecht beantragt. Doch seinen Stimmzettel fand er erst gestern Nachmittag im Briefkasten. Da waren die Wahllokale schon seit über 20 Stunden geschlossen und das Endergebnis längst verkündet. So etwas sei nie ganz auszuschließen, sagte Post-Sprecher Martin Grundler gestern auf SN-Nachfrage. „95 Prozent aller Briefe stellen wir am nächsten Tag zu, aber eine Garantie dafür können wir nicht geben.“

Am Sonntag absolvierte Jörg Ziemert eine halbe Odyssee, um doch noch sein Wahlrecht ausüben zu können. Beinahe hätte er die Konfirmation in Ulsnis verpasst, zu der er eingeladen war. „Ich bin mit meinem Ausweis ins Wahllokal gegangen und wollte dort mein Kreuz machen“, erzählt er. Doch dort im Moldeniter Weg erfuhr er, dass das nicht möglich sei, weil er bereits als Briefwähler vermerkt sei. Ein Mitglied des Wahlvorstands gab ihm den Tipp, sich an den Gemeindewahlleiter im Rathaus zu wenden. Dort erfuhr er, dass er einen Ersatz-Wahlschein nur bis Sonnabend um 12 Uhr hätte bekommen können. „So früh kommt die Post bei uns aber gar nicht“, sagt Ziemert. Am Sonnabendmittag war er noch zuversichtlich, seine Wahlunterlagen bald zu erhalten. Dann hätte er sie noch am selben Tag im Rathaus einwerfen können.

Die Situation sei unglücklich, aber nicht anders zu lösen, sagt Rathaus-Pressesprecherin Antje Wendt. Der Wahlamts-Mitarbeiter im Rathaus habe sich sogar noch telefonisch in Kiel erkundigt, ob er für Ziemert eine Ausnahme machen könne. Die Antwort sei klar gewesen: nein. Ziemert mag sich damit noch immer nicht abfinden. „Es geht um mein Wahlrecht, das vom Wahlamt nicht ernst genommen wurde“, sagt er.

Unterdessen wurde gestern bekannt, dass es vor der Europawahl noch ein anderes Problem mit der Post gab: Rund 300 Wahlbenachrichtigungskarten wurden als „unzustellbar“ ans Rathaus zurückgeschickt. „Es gibt zwar immer einzelne Karten, die zurückkommen, weil jemand umgezogen ist, ohne sich umzumelden, aber diese Zahl von 300 Wahlbenachrichtigungen war ungewöhnlich hoch“, sagt Wendt. Man habe sich deshalb umgehend mit der Post in Verbindung gesetzt. Die meisten der Wahlbenachrichtigungen konnten in einem zweiten Versuch doch noch erfolgreich zugestellt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen