Schleswig : Die Post lässt auf sich warten

Leerer Briefkasten: Kai Schulte-Göcking im Kattenhunder Weg. Foto: oje
Leerer Briefkasten: Kai Schulte-Göcking im Kattenhunder Weg. Foto: oje

Briefe in Schleswig werden derzeit teilweise mit einer Woche Verzögerung zugestellt. Zu viele Krankheitsfälle oder Überforderung?

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18. April 2013, 10:39 Uhr

Schleswig | Abgeschickt am 5. April - zugestellt am 12. April. Der Brief, den Kai Schulte-Göcking am vergangenen Freitag in der Hand hielt, war kein Urlaubsgruß aus Übersee. Er kam aus dem einen Kilometer entfernten Amtsgericht im Lollfuß. Dabei war es ein dringendes Schreiben. Es enthielt Unterlagen, die er für seine Arbeit als gesetzlicher Betreuer benötigt.

Auch seine Nachbarn im Kattenhunder Weg bekommen schon seit Wochen nicht mehr täglich Post. Auch aus anderen Stadtteilen berichten SN-Leser davon, dass der Briefträger ein seltener Gast geworden ist. Altbürgermeister Klaus Nielsky auf dem Holm ist seit vielen Jahren Abonnent des "Spiegel". Seit einigen Wochen bekommt er ihn oft nicht mehr pünktlich am Montag, sondern erst am Dienstag oder Mittwoch.

Zusteller schaffen Bezirke nicht mehr

Viele der rund 20 Briefträger in der Stadt haben offenbar ein so hohes Arbeitsaufkommen, dass sie ihren Zustellbezirk innerhalb ihrer vorgegebenen Arbeitszeit nicht mehr vollständig abdecken können. "Es gab in diesem Frühjahr mehrere Krankheitsfälle", sagt Martin Grundler, Pressesprecher der Post AG in Hamburg. Nicht immer sei es kurzfristig möglich, eine Vertretung zu organisieren. Grundsätzlich solle aber niemand mehr als einen Tag länger auf seine Briefe warten müssen. "Wenn ein Zusteller seine Tour abbrechen muss, dann setzt er sie am folgenden Tag an der Stelle fort, an der er am Vortag aufgehört hat", sagt er.

Thomas Ebeling von der Gewerkschaft Verdi berichtet ebenfalls von hohen Krankenständen bei der Post, möchte sich aber nicht mit der Erklärung zufrieden geben, dass dies auf die Grippewelle zurückzuführen sei. "Es wird auch mit der Arbeitsbelastung zu tun haben."

Sortiererinnen wurden versetzt

Seit einiger Zeit müssen die Schleswiger Zusteller ihre Post morgens eigenhändig sortieren. Die beiden Sortiererinnen, die diese Arbeit bisher erledigten, sind nach Flensburg versetzt worden. Dies bedeute aber nicht, dass die Postboten nun überlastet seien, betont Grundler. Das Briefaufkommen sei gesunken, außerdem kämen viele Sendungen schon vorsortiert in Schleswig an. "Die Zustellbezirke sind so geschnitten, dass sie innerhalb der täglichen Arbeitszeiten zu bewältigen sind."

Gewerkschafter Ebeling spricht von großem Frust innerhalb der Belegschaft, auch weil der Konzern im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht habe. Ab heute ruft Verdi landesweit zu Warnstreiks auf. Morgen ist eine Betriebsversammlung für das gesamte nördliche Schleswig-Holstein geplant. Nicht nur in Schleswig, sondern überall in den Postleitzahlbezirken 24 und 25 werden viele Briefe dann entweder gar nicht oder verspätet ausgetragen. Dass das in den ersten Monaten dieses Jahres nicht immer klappte, führt die Post AG auch auf das Wetter zurück. Insbesondere an zwei Montagen seien die Briefträger wegen des starken Schneefalls nur mit Mühe vom Hof gekommen. Das könne erklären, warum Klaus Nielsky seinen "Spiegel" nicht bekam.

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