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Katholiken : Die Pfarrei Schleswig ist seit heute Geschichte

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Personalmangel: Schleswigs Pfarrer Wolfgang Johannsen hat seinen Dienstsitz jetzt in Rendsburg.

Pfarrer Wolfgang Johannsen ist sehr nachdenklich, wenn er über seinen Berufsstand spricht. „Uns fehlt der Nachwuchs. Es gibt immer weniger junge Leute, die Pfarrer werden wollen“, sagt der 59-Jährige mit der sonoren Stimme, der seit 16 Jahren die katholische St.-Ansgar-Gemeinde in Schleswig geleitet hat. Dieser Nachwuchsmangel hat dazu geführt, dass die Pfarrei mit Wirkung zum heutigen 1.  Juli von Erzbischof Stefan Heße aufgelöst wurde. Ebenso wie die Pfarreien in Eckernförde (St. Peter und Paul) und Rendsburg (St. Martin). Ab sofort sind die drei Gemeinden in der neu gegründeten Pfarrei St.  Ansgar mit Sitz in Rendsburg zusammengefasst.

Wolfgang Johannsen wird seinen offiziellen Dienstsitz somit künftig in Rendsburg haben, sein Büro wird er aber direkt neben der St. Ansgarkirche im Lollfuß behalten. „Mir bleibt der Umzug erspart.“ Denn ohnehin hat der Geistliche schon jetzt mehr als genug zu tun, schließlich leitete er kommissarisch seit mehr als zwei Jahren zusätzlich bereits die Eckernförder Pfarrei.

Künftig wird Johannsen in der neu gegründeten Großpfarrei für mehr als 12  000 Gläubige als Seelsorger zuständig sein. Das Gebiet reicht im Süden bis nach Hohenwestedt. Erst Ende des Jahres soll ihm für die Gemeindearbeit in Rendsburg ein Pastor (in der katholischen Kirche die Bezeichnung für einen Geistlichen, der nicht mit der Leitung einer Pfarrei beauftragt ist) zur Seite stehen. Der bisherige Rendsburger Pfarrer Bernd Wojzischke verlässt noch in diesem Sommer die Kanalstadt und wechselt nach Flensburg, wo im Zusammenschluss mit der katholischen Gemeinde in Kappeln ebenfalls eine neue Großpfarrei entsteht.

Im Erzbistum Hamburg läuft die Umstrukturierung bereits seit viereinhalb Jahren. Wegen des Personalmangels soll die Zahl der Pfarreien von 85 auf 28 sinken. Wolfgang Johannsen und seine Schäfchen sind schon länger mittendrin in diesem Prozess. Wegen der starken Auslastung des Pfarrers findet etwa die abendliche Messe am Sonnabend in Schleswig schon seit einiger Zeit nicht mehr statt. „Darüber sind natürlich einige traurig“, sagt er. Ein anderes Beispiel ist der Gottesdienst an Fronleichnam – ein wichtiger katholischer Feiertag, aber kein staatlicher. „Da ist es für mich schlicht nicht möglich, sowohl in Schleswig als auch in Eckernförde einen Gottesdienst zu einem zumutbaren Zeitpunkt zu halten“, so Johannsen. Also habe man die Schleswiger Gläubigen dieses Mal zur Messe nach Eckernförde gefahren. Das habe durchaus einen positiven Effekt gehabt. „Man spürt die größer gewordene Gemeinschaft.“ Überhaupt sähen die Gemeindemitglieder die Strukturreform als unausweichlich an.

Johannsen arbeitet seit 32 Jahren als Priester. Nicht nur wegen der schrumpfenden Zahl der Gottesdienstbesucher ist sein Job nicht attraktiver geworden. „Uns weht seit vielen Jahren der Wind ins Gesicht“, sagt er. Die öffentliche Stimmung gegenüber der katholischen Kirche sei nicht gerade wohlgesonnen, bedauert er.

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erstellt am 01.Jul.2017 | 08:12 Uhr

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