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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 12:30 Uhr

Schleswiger Dom : Die Orgel hat Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Gottesdienst am vierten Advent wird im Dom das 50-Jahr-Jubiläum der Marcussen-Orgel gefeiert.

von
erstellt am 19.Dez.2013 | 15:00 Uhr

Rainer Selle haut in die Tasten. Der Holzboden der Orgelempore im Dom vibriert spürbar. Wer genau hinhört, vernimmt sogar leise Geräusche der nahe gelegenen Fenster. Die mächtigen Basstöne hallen durch den großen Kirchenraum, gehen dem Zuhörer scheinbar durchs Ohr direkt in den Bauch. Die große Domorgel verstummt, Selle zieht ein paar Register und zeigt im direkten Vergleich, wie die Orgel vor 50 Jahren geklungen hat: Helle, leichte Töne erklingen – so wie es sich die Orgelbauer der dänischen Firma Marcussen aus Apenrade gedacht hatten.

Als damals größte neobarocke Orgel Deutschlands wurde sie nach einem Neubau am 22. Dezember 1963 eingeweiht. Am kommenden Sonntag um 10 Uhr, genau 50 Jahre später und wie damals am vierten Advent, soll dieses Jubiläum in einem Gottesdienst gefeiert werden. Dafür spielt Organist Rainer Selle viele der Lieder, die sein Vorvorgänger Uwe Röhl beim ersten Gottesdienst mit der Orgel intonierte.

Damit diese dann auch so klingen wie früher, wird er auf manche Register verzichten müssen, die mittlerweile in jedem Gottesdienst zum Einsatz kommen. Die tiefen Basstöne, die Selle so eindrucksvoll vorführte, gab es damals an dem Instrument noch nicht. „Man hat zu der Zeit nicht bedacht, dass ein tragender Bass nötig ist. Die Orgel spielte schön hell, aber das Fundament fehlte“, merkt er an. Dompastor Joachim Thieme-Hachmann steuert dagegen und erklärt: „Das kann man aus heutiger Sicht kritisch sehen, aber damals war der leichte, schnelle Klang gefragt.“

Das hatte aber in der Praxis deutliche Nachteile. Hans-Peter Scheibel, Vorsitzender des Domorgelvereins, erinnert: „Wir wussten dann schon: Wenn die große Orgel spielt, dann setzt man sich besser weit nach hinten.“ In den ersten Reihen sei sie nicht mehr gut zu hören gewesen. Die Orgel sollte also „klanglich dem Raum gerecht werden“, sagt Thieme-Hachmann, sodass 2010 die Berliner Firma Schuke beauftragt wurde, eine gründliche Überholung vorzunehmen. Die Herausforderung bestand darin, kein neues Werk zu erschaffen, sondern das Instrument zu ergänzen. Und das ist gelungen. „Jetzt herrscht eine wunderbare Harmonie, die tiefen Töne komplettieren den Klang von unten“, schwärmt Selle. Trotzdem hat die Orgel die Handschrift ihrer Erbauer nicht verloren: „Es steckt noch ganz viel Marcussen in dieser Orgel“, so der Pastor.

Und obwohl Organist Selle das Schaffen der Orgelbauer durchaus kritisch sieht, ist er sich der Bedeutung von deren Werk sehr bewusst: „Die Firma Marcussen hat eine bedeutende Orgel geschaffen, die wir sehr respektieren. Das sind frische, nordische Klänge, die wir nicht missen wollen.“

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