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Wasserverschmutzung auf der Schlei : Die Ölspur aus der Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer wieder taucht auf der Oberfläche der Schlei vor der Wiking-Halbinsel ein Ölfilm aus. Die Ursache liegt mehr als 60 Jahre in der Vergangengheit.

Auf dem kleinen Bootssteg hinter der Callisenstraße riecht es wie in einer schlecht gelüfteten Tankstelle. Aber hier sind keine Zapfsäulen, aus deren Schläuchen Benzindämpfe entweichen könnten. Hier steigt Öl vom Grund der Schlei auf. Das Phänomen ist seit Jahrzehnten bekannt, aber in den vergangenen Tagen war es so deutlich zu beobachten wie lange nicht mehr. Einer der ersten, die es diesmal bemerkten, war Johannes Thaysen. Der Grünen-Ratsherr und passionierte Folkeboot-Segler sah aus dem Fenster einer Segelmacherwerkstatt in der Nachbarschaft, als ihm die Ölfilme auf dem Wasser auffielen.

„Es muss jetzt endlich etwas geschehen“, sagt er. Denn dass unter dem Schleiufer keine natürliche Ölquelle liegt, sondern Umweltsünden aus der Vergangenheit die Ursache der Wasserverschmutzung sind, das gilt als sicher. Zwischen 1884 und 1952 befand sich hier die Teerpappenfabrik „Erichsen und Menge“. Strenge Umwelt-Auflagen waren damals unbekannt. All die Jahre lang muss immer wieder Öl, aus dem in der Fabrik das Teer hergestellt wurde, ins Erdreich gelangt sein.

Die Öffentlichkeit wurde auf das Problem erstmals Anfang der 1970er Jahre aufmerksam. Damals kam es zu einem großen Fischsterben zwischen der Wiking-Halbinsel und der Möweninsel. Umweltschützer vermuteten: Während der Gründungsarbeiten für den Wikingturm müssen in großer Menge Giftstoffe aus der Teerpappenfabrik freigesetzt worden sein.

1992 war dann erstmals im Umweltbericht des Kreises Schleswig-Flensburg nachzulesen, dass sich auf der Wiking-Halbinsel „ein Sanierungsbedarf abzeichnet“. Geschehen ist bis heute nichts, und das liegt auch daran, dass sich die Beteiligten nicht einig werden, wer die Millionen zahlen soll, die dafür erforderlich wären. Dem Kreis gelang es nicht, Erben der Firma „Erichsen und Menge“ ausfindig zu machen. Man scheute auch vor dem wenig populären Weg zurück, allein die heutigen Grundstückseigentümer in die Pflicht zu nehmen. So kam man im Kreishaus auf den Gedanken, sich an die Stadt Schleswig zu wenden. Diese sollte die Kosten zunächst übernehmen und sich ein Teil des Geldes von den Anliegern zurückholen.

Die Idee stieß im Rathaus aber auf wenig Gegenliebe. Kreis und Stadt waren lange Zeit so weit von einer Einigung entfernt, dass zeitweise sogar ein Gang vors Verwaltungsgericht im Raum stand. Inzwischen verlautet aus dem Rathaus, dass man konstruktiv an einer gemeinsamem Lösung arbeitet. Das Heft des Handelns liegt bei der Kreisverwaltung als Bodenschutzbehörde.

Das komplette belastete Erdreich auszubaggern, würde vermutlich mehr als sechs Millionen Euro kosten. Realistischer erscheint derzeit, den Boden so weit zu versiegeln, dass kein Öl mehr an die Oberfläche treten kann. Am Ufer würde man dann eine Spundwand bauen. Hier ist von Kosten in Höhe von mindestens 1,2 Millionen Euro die Rede. Hinzu kommt, dass sich nur wenige Meter von der Teerpappenfabrik einst ein Gaswerk befand, das ebenfalls verseuchten Boden hinterlassen hat.

Johannes Thaysen will jetzt Druck machen. Er kündigte eine Anfrage für die nächste Bauausschuss-Sitzung im Rathaus an. „Wir wollen das Schweigen brechen“, sagt er. „Das Gefährdungspotenzial dieser Rückstände ist um ein Vielfaches höher als das der Nitrat- und Phosphateinträge, über die in letzter Zeit wieder viel diskutiert wird.“ Fritz Laß von der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU) beschäftigt sich seit 30 Jahren immer wieder mit dem Thema. „Man will die Sache aussitzen“, vermutet er.

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erstellt am 09.Jun.2016 | 07:49 Uhr

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