„Die Nachtflüge sind notwendig“

Jeder Flugschüler absolviert im Tornado laut Ausbildungsplan 52 Starts und Landungen – und jede Menge „Platzrunden“.
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Jeder Flugschüler absolviert im Tornado laut Ausbildungsplan 52 Starts und Landungen – und jede Menge „Platzrunden“.

Fluglärmkommission befasst sich mit Auswirkungen der Pilotenausbildung in Jagel / Platzrunden haben stark zugenommen

shz.de von
10. Mai 2018, 14:48 Uhr

Die Tornado-Jets sind laut. Sehr laut sogar. Das ist auch Oberstleutnant Roland Runge bewusst. „Wir produzieren Lärm. Und Lärm ist belastend“, räumte der stellvertretende Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ vor Vertretern von Umlandgemeinden und Behörden ein. Aber Runge stellte auch klar, dass dieser Lärm unausweichlich sei, wenn das Geschwader seinen Auftrag erfüllen soll. „Wir sind alles – nur keine Flugrowdys.“

In der jährlich in der Kropper Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne tagenden Fluglärmkommission ging es diesmal vor allem um die Frage, welche Auswirkungen die nach Jagel verlegte Pilotenausbildung mit sich bringt. Seit gut einem Jahr werden die Tornado-Besatzungen der Bundeswehr nicht mehr in den USA geschult, sondern hier vor Ort. Aktuell werden in Jagel insgesamt 23 Soldaten in verschiedenen Lehrgängen ausgebildet.

Die Zahl der für das Geschwader angepeilten 4000 Flugstunden pro Jahr sei gar nicht so relevant, erläuterte Runge. Aber die „Platzrunden“, bei denen die Piloten den Anflug auf die Landebahn trainieren, hätten stark zugenommen. „Wir müssen in der Ausbildung vermehrt Platzrunden trainieren, anders geht es nicht“, warb er um Verständnis. Der Kommandeur Fliegende Gruppe, Oberstleutnant Andreas Scharff, erläuterte, dass ein Flugschüler im Basiskurs etwa 52 Starts und Landungen und 80 Flugstunden absolvieren muss, bis er fit genug sei für den Tornado. Gerade zu Anfang beinhalte jede Mission etwa fünf bis zehn Anflüge auf den Fliegerhorst. „Wir wollen, dass die Leute das Luftfahrzeug möglichst sicher beherrschen“, so Scharff.

Ein Knackpunkt sind die Nachtflüge, die sich aktuell bis 23 Uhr hinziehen und manch einen Anwohner aus dem Schlaf reißen. „Darauf werden wir derzeit immer wieder angesprochen“, meinte etwa Jagels Bürgermeister Jörg Meier. Und auch Haddebys Amtsdirektor Ralf Feddersen berichtete von Beschwerden. Die jetzigen Nachtflüge, so Oberstleutnant Runge, seien vor allem der Tatsache geschuldet, „dass wir mit dem Februar einen Monat verloren haben“. Damals mussten die Kampfjets wegen verunreinigten Kerosins wochenlang am Boden bleiben (wir berichteten). Die Nachtflugausbildung sei aber enorm wichtig, betonte Runge auch mit Verweis auf die Auslandseinsätze. „Wir fliegen auch im Einsatz vermehrt nachts, weil sich der IS (Terrormiliz „Islamischer Staat“; Anm. d. Red.) nicht mehr tagsüber bewegt.“ Das Problem sei, dass es abends inzwischen immer länger hell sei, die Piloten aber die Dunkelheit bräuchten. In etwa zwei Wochen soll jedoch erstmal wieder Schluss sein mit der späten Fliegerei. Den Sommer über seien keine Nachtflüge mehr geplant.

Die Zahl der Beschwerden sei im Umfeld des Fliegerhorsts Jagel übrigens vergleichsweise gering, berichtete Major Sascha Greuel vom Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln. In seiner Behörde werden sämtliche per Radar aufgezeichneten Flugbewegungen detailliert dokumentiert. Im vergangenen Jahr habe man für das hiesige Geschwader 22 Beschwerden von 16 Bürgern registriert, in diesem Jahr seien es bislang neun Beschwerden von sieben Bürgern. Hinzu kämen einige Anrufe und Briefe, die direkt im Geschwader aufliefen, ergänzte Runge. Dass Piloten aber tatsächlich gegen Regeln verstoßen, weil sie zu tief fliegen oder Überflugverbote missachten, das komme nur äußerst selten vor, betonte der stellvertretende Kommodore. „Das subjektive Lärmgefühl hat nichts mit objektiven Verstößen zu tun.“

Mit diesen Aussagen zeigte sich Fahrdorfs Bürgermeister Frank Ameis stellvertretend für viele seiner Amtskollegen zufrieden. Er sagte an die Adresse der Geschwaderführung gerichtet: „Wir geben weiter, was an Beschwerden an uns herangetragen wird. Aber wir haben volles Vertrauen zu Ihnen.“

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