Struxdorf : Die mit dem Bullen spaziert

Leider etwas schreckhaft:  Wenn Hunde in der Nähe sind, versucht Bulle Hannibal, sich hinter Frauchen Ronja Lund zu verstecken.
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Leider etwas schreckhaft: Wenn Hunde in der Nähe sind, versucht Bulle Hannibal, sich hinter Frauchen Ronja Lund zu verstecken.

Ronja Lund aus Struxdorf nimmt „Hannibal“ und Kuh „Paula“ an die Leine.

Wenn man die Wirtschaftswege im südlichen Struxdorf entlang geht, begegnen einem häufig Menschen, die ein Tier an der Leine haben. Meist handelt es sich um einen Hund. Aber manchmal kann es auch eine Kuh sein, die hier mit Ronja Lund „Gassi“ geht. Im Moment ist es der Bulle „Hannibal“, der von seiner Besitzerin zu dem etwa fünf Kilometer langen Rundgang über Arup, Hollmühle und Rabenholz mitgenommen wird.

Begonnen haben diese Spaziergänge vor etwa zwei Jahren mit Kuh „Paula“. Sie wurde auf dem Hof Petersen in Arup geboren. Der wird gemeinsam von Ronjas Lebensgefährten Hinnerk und dessen Vater Johannes Petersen betrieben. Kaum zwei Tage alt, brach das Kalb aus und lief seitdem hinter Ronja her. „Da konnte Hinnerk sie nicht mehr verkaufen“, verrät die 23-jährige Kuhführerin. Kurz danach wurde auch „Hannibal“ geboren, der wegen eines kosmetischen Fehlers nicht sofort verkauft werden konnte.

Dann begann die Lehramtsstudentin für Geschichte und Chemie, die beiden an das Halfter zu gewöhnen, ohne dass sie die Koppel nicht verlassen durften. Sie hatte auch schon charakterliche Unterschiede zwischen den beiden Tieren ausgemacht. „,Paula‘ ist selbstbewusst und manchmal etwas störrisch, während ,Hannibal‘ eher schreckhaft und ängstlich ist“, verrät sie. Das sehe sie vor allem bei Begegnungen mit Hunden. Während „Paula“ neugierig auf die kleineren Tiere zuginge, versucht „Hannibal“ eher, sich hinter ihr zu verstecken. Ansonsten verlaufen die Spaziergänge problemlos, da beide Rinder nach Auskunft von Ronja Lund straßensicher sind. Sie steuern sogar zielstrebig die Ruhebänke auf der Strecke an, weil sie genau wissen, dass sie dort eine Zeit lang in Ruhe grasen können, während „Frauchen“ sich eine kleine Pause gönnt.

Ronja Lund hat auch schon versucht, die Tiere an eine kraftsparende Version des Spaziergangs zu gewöhnen, musste aber feststellen, dass „Hannibal“ und „Paula“ sich nicht reiten lassen. „Das funktioniert nicht, die beiden laufen nämlich im Prinzip nur hinter mir her. Und wenn sie auf ihrem Rücken sitze, bin ich als Ziel aus ihrem Gesichtsfeld verschwunden.“ Und wirklich bequem sei es auch nicht. „Wenn ,Paula‘ dann den Kopf zum Grasen senkt, hat man auf dem runden Rücken auch mit Voltigiergurt keinen Halt mehr“, hat sie festgestellt.

Wenn Lebensgefährte Hinnerk Zeit hat, gehen sie auch gemeinsam mit den zwei Tieren spazieren. Doch seit dem 1. Juli fällt „Paula“ für diese Touren aus. Denn da wurde sie Mutter. Sie lässt sich jetzt zwar noch immer vom Klang des Futtereimers bis an den Rand der Koppel locken. Aber die verlässt sie nicht ohne ihr Kälbchen. Und das ist für Spaziergänge noch zu klein. Deshalb kommt jetzt „Hannibal“ öfter an die Leine.

Die Zukunft ihrer beiden Spaziergänger sieht Ronja außerhalb der üblichen wirtschaftlichen Nutzung. „Sie werden wohl an Altersschwäche sterben“, meint sie.

Doch will sie versuchen die Tiere wegen ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften anders in das Bauernhofleben einzubinden. Sie hat nämlich die Idee des Reitens noch nicht aufgegeben. „Fremde Reiter auf dem Rücken machen Paula nichts aus – vielleicht könnte man pädagogisches Reiten anbieten.“ Auch will sie „Paula“ und „Hannibal“ beibringen, eine Kutsche zu ziehen. Das Ganze soll dann in ein Angebot „Bauernhoferlebnis“ eingebunden werden. Doch da gibt es noch einige Dinge mit der Versicherung zu klären.

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