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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 04:55 Uhr

Schleswig : Die Ministadt droht zu verfallen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mehr als 20 Jahre lang bastelten Langzeitarbeitslose an einem Modell von Schleswig im Mittelalter – jetzt fehlt das Geld für den Erhalt.

von
erstellt am 29.Mai.2017 | 07:40 Uhr

Sie bildet noch immer ein beeindruckendes Ensemble: die „Ministadt“ – ein Miniaturmodell von Schleswig, wie es im späten Mittelalter aussah. Maßstab 1:10. Wer in der Tolk-Schau eine Runde über den Freizeitpark dreht, kommt fast zwangsläufig an ihr vorbei – und staunt. Doch wer genau hinsieht, der entdeckt auch die Spuren des Verfalls. Ziegel fallen herab, der Putz bröckelt.

1991 begann das Projekt Ministadt als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) für Langzeitarbeitslose. Die Initiative ging vom damaligen Kreishandwerksmeister und CDU-Ratspolitiker Egon Sowa aus. Das Projekt lief unter dem Dach des „Bildungsvereins Handwerk“ in unterschiedlicher Form mehr als 20 Jahre lang. Doch seit es weder ABM-Kräfte noch Ein-Euro-Jobber mehr gibt, arbeitet niemand mehr an den Modellen. Seit 2013 ist die Ministadt zu einer Geisterstadt geworden. Heute gibt es nicht einmal mehr jemanden, der sich im Herbst winterfest einpackt.

Eigentümerin der Ministadt ist bis heute die Kreishandwerkerschaft. Dessen Geschäftsführer Randolf Haese sieht keine Möglichkeit, die Stadt auf eigene Kosten zu retten. „Das ist für uns nicht leistbar“, sagt er. Außerdem sei ein solches Projekt kaum mit der Aufgabenbeschreibung einer Kreishandwerkerschaft in Einklang zu bringen. „Die Ministadt verfällt im Zeitraffertempo“, beobachtet er. „Da kommen einem wirklich die Tränen.“

In den besten Zeiten haben bis zu 40 Menschen an dem Projekt gearbeitet. Die Mehrzahl von ihnen puzzelte aus winzigen Steinchen und Ziegeln die originalgetreuen Häuser zusammen. Zehn Personen waren allein damit beschäftigt, Schäden an den fertigen Bauwerken in der Tolk-Schau auszubessern. Eines der letzte Bauwerke, das fertiggestellt wurde, war das Modell vom Dom – natürlich ohne den großen Turm, den es im Mittelalter bekanntlich noch nicht gab. 2009 war Richtfest. Eine Höhepunkt in der Geschichte der Ministadt – und zugleich ein Wendepunkt. „Zuletzt wurde der Arbeitsaufwand für den Erhalt der älteren Häuser immer größer – und es wurden immer weniger neue Häuser gebaut“, sagt Haese.

Die Ministadt ist niemals fertig geworden. Noch immer klaffen sichtbare Lücken zwischen den einzelnen Häusern. Einen ersten Versuch, das zu retten, was vorhanden ist, hat jetzt eine Gruppe von Bürgern um den Erlebnis-Stadtführer Jens Nielsen unternommen. Weit gekommen sind sie nicht – trotz Unterstützung von Kreishandwerkerschaft und Tolk-Schau. „Es ist mit wenigen Leuten und ohne weitere Zuschüsse schon in der Vorplanung gescheitert“, sagt Nielsen und beklagt: „Hier verfällt ein für Schleswigs Tourismus bedeutsames Kulturgut.“ Noch hat er die Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass sich Geldgeber für den Erhalt der Ministadt finden. Randolf Haese wünscht sich Unterstützung auch aus der Kommunalpolitik und hofft, dass es möglich ist, einen Förderverein zu gründen, der als gemeinnützig anerkannt wird. „Dann könnte man vielleicht die nötigen Spenden einwerben.“

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