Fast zwei Monate früher als üblich : Die Maisernte beginnt

Maisernte gestern in Langballig: Die Bauern stehen vor der schwierigen Entscheidungen, ob sie die Futterpflanze ernten oder noch bis zum Herbst stehen lassen.
Maisernte gestern in Langballig: Die Bauern stehen vor der schwierigen Entscheidungen, ob sie die Futterpflanze ernten oder noch bis zum Herbst stehen lassen.

Schweres Gerät auf ländlichen Straßen unterwegs, Bauern fürchten Futterknappheit.

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15. August 2018, 07:00 Uhr

Das ist selbst für den erfahrenen Mann vom Bauernverband eine besondere Situation: Die ersten Landwirte im Kreis haben damit begonnen, den Mais einzufahren. „Das geht sonst frühestens im September los. Oktober ist normal“, sagt Bernd Thomsen. Aber: 2018 ist eben „kein normales Jahr“, findet der Geschäftsführer beim Kreisbauernverband in Schleswig.

Die Sonne brannte, der Regen fehlte. So ist mancherorts „jetzt beim Mais kein Zuwachs mehr zu erwarten“. Und während auf dem Feld nebenan noch Gülle ausgebracht wird – denn zum Schutz vor der trockenen Hitze waren viele Tiere in den vergangenen Wochen im Stall – beginnen einige Landwirte schon mit der Maisernte. Allerdings, und auch das ist anders als üblich, sei die Situation „heterogen“, berichtet Thomsen. Nicht überall werde mit der Ernte begonnen. „Das entscheidet jeder Betrieb für sich allein.“


Mancherorts bleibt der Mais noch stehen

Wo das Land mal „einen Schauer abbekommen“ habe oder „tiefer, also auch feuchter liege“, habe die Trockenheit nicht so zu geschlagen. Dort können die Landwirte noch hoffen, dass der Mais länger steht, seine Kolben ausbildet und weiter Stärke einlagert. Denn das ist seine eigentliche Aufgabe: möglichst viel Energie zu liefern.

Was bedeutet diese zu frühe Maisernte für die betroffenen Landwirte?

Bernd Thomsen ist vorsichtig, wenn es um Prognosen geht, aber, natürlich, die Qualität der abgeernteten Futterpflanze steht in Frage. Vielerorts hat der Mais auf „Energiesparmodus“ geschaltet: Die Blätter sind eingerollt, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Wo Wasser fehlte, konnten kaum Nährstoffe in die Pflanze transportiert werden. Wie sollen sich dann die Kolben entsprechend entwickeln? „Da müssen wir mal sehen, was daraus wird.“ Durchaus möglich, dass die Ernte der Futterpflanze nicht ausreicht, um sie gut zu silieren und das Vieh wie geplant über den Winter zu bringen. Wird das Futter knapp, muss Schrot zugefüttert werden. Vielen Tieren könnte dann ein entbehrungsreicher und vielen Landwirten ein teurer Winter bevorstehen.

Deshalb wird der Mais mancherorts allein schon deshalb geerntet, um Platz für den Anbau weiterer Futterpflanzen zu schaffen. Noch bestehe etwa die Möglichkeit, Ackergras oder auch Welsches Weidelgras auszubringen, erläutert Bernd Thomsen. Das wächst schnell, kann in sechs bis acht Wochen erntereif sein und hat einen guten Futterwert. Mit ihm könnten dürregeplagte Landwirte doch noch Vorräte für den Winter schaffen. „Das kann gut werden“, hofft Bernd Thomsen, „wenn wir einen goldenen Oktober bekommen.“


Hoffen auf einen „goldenen Oktober“

Auf eine gute Mischung von Sonne und Regen hoffen wohl auch die Bauern, die bisher beim Gras noch nicht einmal den zweiten Schnitt geschafft haben. Mancherorts sei die Grasnarbe derart ausgetrocknet, „da ist einfach nichts mehr möglich. Das ist wie auf dem heimischen Rasen. Wo nicht gesprengt wurde, gibt es nichts zu mähen.“

Zurück zum Mais, der nun vielerorts geschnitten und schon auf dem Feld gehäckselt wird. Um ihn abzuernten sind große Landmaschinen nötig. Auf den Straßen werden in den kommenden Wochen riesige Häcksler, Trecker und Ladewagen unterwegs sein. Bernd Thomsen kennt das Konfliktpotenzial, das eine Begegnung der überbreiten, hohen und verhältnismäßig langsamen Maschinen mit anderen Verkehrsteilnehmern birgt. „Wir bitten alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt er.

Landesweit wird Mais auf einer Fläche von etwa 160 000 Hektar angebaut, gut die Hälfte der Ernte wird in Biogasanlagen in Energie umgewandelt. Die Geest im Kreis zählt zu den Mais-Hochburgen.

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