„Die lassen mich nicht gehen“

Die 90-jährige Christa Schuster war schon immer musikalisch und spielt auch heute noch gerne auf ihrer „Quetsche“.
Die 90-jährige Christa Schuster war schon immer musikalisch und spielt auch heute noch gerne auf ihrer „Quetsche“.

Christa Schuster aus Markerup singt seit 70 Jahren im Chor – erst in Ausacker, dann in Husby

von
14. Mai 2018, 14:58 Uhr

„Lustig ist das Zigeunerleben, faria fariaho“. Christa Schuster strahlt, als sie die Melodie des Volksliedes auf ihrer „Quetsche“ anstimmt. Oft singt sie auch dazu. Den Text kennt sie natürlich auswendig. Aber heute wiegt sie sich nur im Rhythmus der Melodie. „Musik hält mich fit und ist eine Bereicherung“, sagt die 90-Jährige aus dem Husbyer Ortsteil Markerup. Seit 70 Jahren singt sie aktiv im Chor, erst in Ausacker und dann in Husby.

Christa Schusters „Gesangskarriere“ begann 1948 im Chor „Teutonia“ in Ausacker. An diese Zeit erinnert sie sich noch gut. „Wir sind mit ,Zigeunerbaronen und Vogelhändlern‘ durch die Dörfer gezogen und haben gesungen“, sagt die 90-Jährige. Rund 70 Sänger seien damals im Chor „Teutonia“ gewesen, den es heute nicht mehr gibt. Doch nicht nur zum Singen kamen die jungen Männer und Frauen damals zu den Proben. „Der Chor war ein regelrechtes Heiratsinstitut“, erzählt Christa Schuster und lacht. Sie selbst lernte ihren Mann Ulrich beim Tanzen in Ausacker kennen. „Er hat Akkordeon gespielt“, erinnert sie sich.

Nach ihrer Hochzeit zog die junge Frau mit ihrem Mann 1952 von Ausacker nach Markerup. Da sie weiter singen wollte, schloss sie sich dem Husbyer Gesangverein „Fidelitas“ von 1842 an, der im vergangenen Jahr sein 175-jähriges Bestehen gefeiert hat. Sie fühlte sich von Anfang an wohl in ihrer Gruppe der Alt-Stimmen und genießt heute noch die Geselligkeit im Chor. Gerne erinnert sich die musikalische Frau an die zahlreichen Sängerfeste und Hochzeiten zurück, bei denen der Chor Spalier gestanden und gesungen hat. Oder an die Ausflüge mit der Kutsche ins Kino nach Flensburg. „Jedes Konzert war schön“, schwärmt sie. Wenn eines der Chormitglieder einen runden Geburtstag feierte, kamen die Sänger vorbei und sangen ein Ständchen. Das Geburtstagskind durfte sich dann ein Lied wünschen. Bis heute gibt es diese Tradition.

Der Chor „Fidelitas“ singt hauptsächlich traditionelles – zum Teil plattdeutsches – deutsches Liedgut, aber auch Lieder auf Englisch. Allerdings: „Die sind bei uns nicht so beliebt“, erzählt Christa Schuster und lacht. „Meiner Tochter gefallen dafür die Lieder, die wir singen, nicht so gut.“ Sie selbst liebt die alten Lieder umso mehr. Ein Lieblingslied habe sie nicht, sie singe vieles gern. Die Texte könne sie alle auswendig, erzählt die rüstige Rentnerin stolz, die wegen ihres Humors als Chor-Clown gilt. Ihre Liedmappe brauche sie lediglich für die Noten. Das Notenlesen musste sie sich damals selbst beibringen, denn an Musikunterricht war nach dem Krieg nicht zu denken.

Mit 90 Jahren ist Christa Schuster heute das älteste der 30 „Fidelitas“-Mitglieder. Ans Aufhören denkt sie nicht – das würde Chorleiter Christoph Adamus auch nicht so einfach akzeptieren. Denn wie bei vielen anderen Vereinen, fehlt der Nachwuchs. „Die lassen mich nicht gehen“, sagt die Markeruperin deshalb mit einem Augenzwinkern. Solange es gehe, wolle sie weitermachen.

Ihre Kinder, Enkel und Urenkel sind stolz darauf, dass Christa Schuster in ihrem Alter noch so fit ist und alleine in ihrem Haus in Markerup wohnt. Sie lernt regelmäßig Gedichte auswendig und schreibt sogar eigene kurze Reime zu bestimmten Anlässen.

Ihr wöchentlicher Terminkalender ist gut gefüllt. Jeden Montag fährt sie mit anderen „Fidelitas-Sängern“ aus der Nachbarschaft nach Husby zur Chorprobe, mittwochs geht es zur Sitzgymnastik. „Und dienstags spiele ich Doppelkopf.“ Mit dem Auto besucht sie manchmal noch ihre 97-jährige Schwester. Doch weiter als nach Husby fahre sie nicht, versichert sie. In unregelmäßigen Abständen unterhält sie mit ihrer „Quetsche“ die Bewohner der Hausgemeinschaft „Lichthof“ und singt mit ihnen Lieder, die sie aus ihrer Kindheit kennen. Christa Schuster ist zwar Rentnerin – „aber immer noch viel unterwegs.“


>Der Husbyer Chor „Fidelitas“ probt montags von 19.30 bis 21.30 Uhr im Gemeindehaus.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen