Krötenwanderung : Die Krötenretter vom Berender Redder

Schnell gehandelt: (v.li.) Joachim Stoll aus dem Wohngebiet am Berender Redder mit Jens Bagehorn-Delor (Stadtverwaltung) und Rosemarie Holst (Kreisverwaltung).
Schnell gehandelt: (v.li.) Joachim Stoll aus dem Wohngebiet am Berender Redder mit Jens Bagehorn-Delor (Stadtverwaltung) und Rosemarie Holst (Kreisverwaltung).

Anwohner haben dafür gesorgt, dass der Berender Redder noch eine Woche lang gesperrt bleibt.

shz.de von
16. April 2018, 07:19 Uhr

Joachim Stoll wohnt noch nicht lange in Schleswig. Vor anderthalb Jahren zog er aus Bordesholm ins Neubaugebiet am Berender Redder. Vor einigen Tagen machte er bei einem Spaziergang auf der Straße, die dem Wohngebiet ihren Namen gibt, eine Entdeckung: Dutzende Kröten waren auf dem Asphalt unterwegs. Manchen von ihnen hatten es nicht geschafft, die Straße zu überqueren. Sie waren plattgefahren.

Joachim Stoll holte seine Nachbarn zu Hilfe. Gemeinsam sammelten sie die Tiere auf, die sie auf der Straße entdeckten. Innerhalb von zwei Tagen waren es fast 100 Exemplare.

Der Berender Redder führt am Wohngebiet vorbei von der Langseestraße nach Klappschau. Hier ist verhältnismäßig wenig Verkehr – sonst wären wohl noch viel mehr Kröten überfahren worden. Joachim Stoll und seine Nachbarn versuchten, die Autofahrer, die ihnen begegneten, davon zu überzeugen, den Berender Redder zu meiden. Manche aber waren nicht so leicht von dem Anliegen der Anwohner zu überzeugen. „Uns wurde dann schnell klar, dass eine andere Lösung her muss“, sagt Stoll.

So wandte er sich an die Untere Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung und an das Schleswiger Bauamt. Mit Erfolg. „Schon drei Tage nach der Kontaktaufnahme wurde die Straße abgesperrt, die angesprochenen Personen fühlten sich sofort verantwortlich“, lobt Stoll.

Rosemarie Holst aus der Naturschutz-Abteilung der Kreisverwaltung sprach sich mit der Straßenverkehrsbehörde in der Stadtverwaltung ab und erwirkte die Sperrung der Straße. Sie gilt noch in der ganzen kommenden Wochen – bis zum 23. April. Bis dahin sollten alle Kröten, die aus der Winterstarre erwacht sind, abgewandert sein.

Jens Bagehorn-Delor, im Schleswiger Bauamt zuständig für die Grünflächen, ergänzt: „Es geht hier nicht nur um Naturschutz, sondern auch um Verkehrssicherheit.“ Denn auch Radfahrer und Fußgänger könnten leicht auf einer Kröte ausrutschen und sich verletzen. Auch diese sollen mit der Absperrung gewarnt werden.

Dabei ist es weiterhin erlaubt, die Straße als Fußgänger zu betreten. Indes scheinen auch Motorrad- und Rollerfahrer sich nicht von der Absperrung angesprochen zu fühlen. Beim Ortstermin am vergangenen Freitag waren wieder frisch überfahrene Kröten zu sehen. Für Zweiräder ist es einfach, die provisorische Absperrung zu umgehen. Besonders in den Abendstunden, wenn die Kröten besonders aktiv sind, kann dies gefährlich werden.

„Ab jetzt wird diese Sperrung wohl jedes Jahr zur Wanderungszeit aufgestellt werden“, sagt Bagehorn-Delor. Da die Straße wenig befahren ist, sei dies momentan die kostengünstigste Lösung. Für andere Krötenwanderwege entlang des Mühlenbachs wäre ein Krötenzaun eine mögliche Alternative. An den Enden des Zauns würden dann Eimer in den Boden eingegraben, in die die Tier hineinfallen. Helfer können sie dann auf die andere Straßenseite tragen. Dies wäre eine kostengünstige, aber auch zeitintensive Methode, um die wandernden Kröten vor dem Verkehrstod zu retten. „Der letzte Schritt wäre ein Krötentunnel“, betont Holst. „Dieser wäre permanent dort und würde es den Tieren ermöglichen, auch den Rückweg in ihr Winterquartier unfallfrei zu überstehen.“

Joachim Holst ist beeindruckt vom schnellen Handeln der Behörden: „Schleswig ist eben besser, als man häufig denkt.“

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