zur Navigation springen

Steinbergkirche : Die Kirche am Rande des Abgrunds

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dem Gotteshaus an der Steilküste der Flensburger Förde droht der Verklust des Bodens unter den Füßen. Der Kirchenvorstand möchte dem vorbeugen und die Sträucher am Hang beschneiden, stößt bei den Behörden aber auf Naturschutz-Bedenken.

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Die Kirche zu Neukirchen ist anders. Sie ist mit ihren knappen 400 Jahren wesentlich jünger als viele andere in Angeln, sie ist nicht Mittelpunkt eines Dorfes und wurde direkt an der Steilküste der Flensburger Förde gebaut – mit einem herrlichen Blick in Richtung Dänemark. Das schlichte weiße Bauwerk wirkt trutzig und massiv, thront über Land und Wasser. Das postkarten-taugliche Idyll aber trügt. Der Kirchenvorstand macht sich Sorgen um den Erhalt seiner Kirche. Aber anders als in anderen Gemeinden, wo man mit morschem Gebälk, bröckelnden Mauern und Schimmel zu kämpfen hat, droht hier die Gefahr von außen. Es ist die erhabene Lage zehn Meter über dem Wasser, die Befürchtungen auslöst. Die Kirche ist 50 Meter von der Wasserkante und nicht einmal 20 Meter von der Steilküste entfernt. „Wenn wir nichts unternehmen, könnte die Kirche mittelfristig abstürzen, zumindest aber schwer beschädigt werden“, sagt Küster Peter-Christian Carstensen, der sich auch im Kirchenvorstand engagiert.

Die Standfestigkeit des 1622 erbauten Gotteshauses hängt von ihrem Untergrund ab. Rutscht der Hang, hat die Kirche keine Chance. Noch sind an dem Gebäude keine Schäden zu entdecken, doch Carstensen weiß um eine Schneise im dicht bewachsenen Hang. „So etwas ist gefährlich“, sagt er. Ein abgerutschter Baum ist bis auf den Strand hinuntergerauscht und hat alles mitgerissen, was ihm im Weg stand. Jetzt hat das Regenwasser einen Weg. Die Bäume am Hang sind für die Kirche eigentlich ein Segen. „Die Wurzeln stabilisieren den Untergrund“, erklärt Carstensen. Werden allerdings Bäume durch den Wind umgeworfen, entstehen Löcher im Hang. „Und das könnte dann der Anfang vom Ende sein“, fürchtet der Küster. Der 60-Jährige erinnert sich noch deutlich an seine Jugend. Da habe es hinter der Kirche Zeltlager gegeben, berichtet er. Dieser Platz ist inzwischen nicht mehr vorhanden – ein Beleg dafür, dass die Natur ziemlich deutlich und mit Erfolg an der Steilküste nagt.

Vor rund 30 Jahren wurden die Bäume zwischen Kirche und Küste einmal gekürzt, um dem Wind nicht mehr so viel Angriffsfläche zu bieten. Seitdem aber sind sie mächtig gewachsen – und das werden sie auch weiter tun. Der Orkan Christian hat im vergangenen Herbst noch nicht genügend Angriffsfläche gefunden, um größeren Schaden anzurichten. Peter-Christian Carstensen ist jedoch überzeugt davon, dass dies nur eine Frage der Zeit ist: Die Bäume wachsen weiter und irgendwann werden sie von einem Sturm herausgerissen – mit unabsehbaren Folgen für die Kirche.

Der Kirchenvorstand will dem gern durch einen erneuten Baumschnitt entgegenwirken. Das aber scheint mit einigen Schwierigkeiten verbunden zu sein. „Einen offiziellen Antrag, die Bäume auf den Stock zu setzen, haben wir noch nicht gestellt“, betont Carstensen. Aber schon die mündlichen Anfragen machen wenig Hoffnung auf Genehmigung. Vor rund zehn Jahren hatte die damalige Umweltministerin Edda Müller schon einmal abgewinkt, in diesem Jahr kam von der Unteren Naturschutzbehörde die Auskunf: „Das ist hier alles FFH-Gebiet.“ Carstensen erläutert, „und das bedeutet, dass die Natur hier in Ruhe gelassen werden muss.“

Damit will sich der Kirchenvorstand jedoch nicht zufrieden geben. Der Anspruch auf Naturschutz wird anerkannt – die Neukirchener aber wollen auch ihre Kirche vor dem Absturz schützen. Darum hofft Peter-Christian Carstensen auf Verständnis bei der Behörde, wenn demnächst ein offizieller Antrag gestellt wird – damit die etwas andere Kirche noch lange über der Förde thronen kann.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen