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Schleswig : Die Idee vom Theater-Viertel zündet

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Alle Ratsfraktionen reagieren positiv auf das Konzept für den Lollfuß. Die Frage der Finanzierung des Bühnenhauses bleibt weiterhin offen.

Zufriedenheit ja – Euphorie nein. So lassen sich die Reaktionen auf den Entwurf für ein Theaterviertel im Lollfuß zusammenfassen, die das Frankfurter Beratungsbüro Wüest & Partner am Montagabend im Auftrag der Stadt vorgestellt hatte. Grundsätzlich begrüßen alle Ratsfraktionen die Idee, das Gelände rund um das alte Stadttheater an einen Investor zu verkaufen, der dort seniorengerechte Wohnungen, ein Hotel und ein Kulturhaus mit Volkshochschule und Stadtbücherei bauen soll.

Einig sind sie sich aber auch darin, dass damit das Ziel – nämlich ein neues Theater – noch lange nicht erreicht ist. Besonders deutlich spricht das der SSW-Ortsvorsitzende Michael Ramm aus: „Noch habe ich keinen Investor gesehen.“ SPD-Fraktionschef Stephan Dose sagt: „Dies ist ein wichtiger Schritt, auf den weitere folgen müssen. Angesichts der Zeitschiene fürs Theater muss alles sehr schnell gehen.“ Damit spielt er auf ein Dilemma an, das Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach immer wieder betont: Er will eine neue Spiel- und Produktionsstätte bis 2017. Länger, sagt er, könne die Theater GmbH das Defizit nicht verkraften, das dadurch auflaufe, dass das einsturzgefährdete Stadttheater seit inzwischen drei Jahren gesperrt ist. Bürgermeister Arthur Christiansen hat deshalb erneut einen „Rettungsschirm“ für das Landestheater ins Spiel gebracht, um Zeit zu gewinnen. Wer diesen Schirm spannen soll, ist offen.

Für viel Gesprächsstoff sorgt nach wie vor die Finanzierungsfrage. Die Grundidee hinter dem Theaterviertel besteht darin, dass ein privater Investor sich bereit erklärt, bis zu 1800 Quadratmeter für Büros, Werkstätten und Probebühne zu besonders günstigen Konditionen an das Theater zu vermieten. Die Stadt könnte ein neues Theater bauen, das ohne all diese Nebenräume auskommt. Nur dann könnte die Stadt wohl mit ihren eingeplanten fünf Millionen Euro – plus erhoffter Zuschüsse von 6,8 Millionen Euro – auskommen.

Die Berater machten jetzt aber deutlich, dass diese Idee wohl nur in einer abgespeckten Variante wirtschaftlich funktioniert – nämlich dann, wenn die Stadt entweder mehr als die Hälfte der Nebenräume doch wieder ins eigentliche Theater integriert. Oder aber die Stadt verkauft ihr Grundstück unter dem Marktpreis und zahlt zugleich möglichst hohe Mieten für Volkshochschule und Stadtbücherei. Aus Sicht von Christiansen ist das ein denkbarer Weg. Er spricht von „mehreren Stellschrauben“, an denen man jetzt drehen könne. Auch die CDU will sich einer solchen Lösung offenbar nicht verschließen. „Wenn es ein interessantes Modell für die Entwicklung des Grundstücks gibt, ist das eine Möglichkeit“, sagt der CDU-Ortsvorsitzende Helge Lehmkuhl. Besonders optimistisch zeigt sich Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen: „Wir begrüßen das Konzept außerordentlich und halten es auch für realisierbar.“

Auf jeden Fall, so Christiansen, habe man jetzt ein Konzept in der Hand, mit dem man gegenüber den übrigen Gesellschaftern des Landestheaters auftreten könne – um zu verhindern, dass die sich auf eine neue Landestheater-Struktur ohne Schleswig als Produktionsort verständigen. Generalintendant Grisebach jedenfalls, der zuletzt gelegentlich so wirkte, als habe er die Stadt gedanklich längst verlassen, zollt den Schleswiger Mühen größten Respekt: „Hier kämpft eine Stadt um ihr Theater.“ Zwar hegt er weiterhin Zweifel daran, dass die Pläne Wirklichkeit werden, gibt dem Konzept aber insgesamt Chancen.

 

 

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erstellt am 17.Sep.2014 | 07:45 Uhr

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