Die Horn-Linie: Auf allen Weltmeeren unterwegs

Von Plessenhof aus dirigierte der Reeder Heinrich Christian Horn sein expandierendes Unternehmen

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15. August 2011, 07:02 Uhr

Schleswig | Die zeitweise größte und modernste deutsche Reederei, die mit ihren Schiffen auf allen Weltmeeren unterwegs war, hatte ihre Wurzeln in Schleswig: Die Horn-Linie wurde 1882 in der Schleistadt auf Initiative von Heinrich Christian Horn als Übersee-Reederei gegründet. Es war die bedeutendste nachhaltige Firmengründung in der Wirtschaftsgeschichte Schleswigs. Ihren unternehmerischen Höhepunkt erlebte sie im Jahre 1910, als nicht weniger als 38 Horn-Dampfer mit zusammen 77 500 Bruttoregistertonnen weltweit im Einsatz waren. Gelenkt wurden sie von der Firmenzentrale, die zu diesem Zeitpunkt ihren Sitz im Plessenhof hatte.

Heinrich Christian Horn - am 24. Oktober 1837 in Kiel als Sohn eines Brauers und Getreidehändlers geboren - war 1860 nach Schleswig übergesiedelt und damit seiner Schwester Helene gefolgt. Sie war mit dem Schleswiger Bierbrauer Christian Blöcker die Ehe eingegangen. Horn wurde Geschäftspartner seines Schwagers, der in der unteren Flensburger Straße, die damals noch schlicht Chaussee genannt wurde, eine Brauerei betrieb. Das war für Heinrich Christian Horn der Beginn eines rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstiegs. 1864 machte sich Horn mit einer Zündholzfabrikation selbstständig und erweiterte nach einigen Jahren sein Betätigungsfeld auf "allgemeine Handelsgeschäfte", wozu auch bald die "Handlung von Steinkohlen und Cokes, Holzkohlen und feuerfesten Mauersteinen en gros und en detail" gehörte. Der rasch expandierende Vertrieb von Kohlen, die aus England importiert wurden, führte zu einem intensiven Kontakt Horns zur Frachtschifffahrt.

Horn, seit 1871 schwedisch-norwegischer Konsul, übernahm zunächst die Schlei-Schifffahrt. Den entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Großreeder tat er 1882, als er zu einer Zusammenkunft "behufs Besprechung über die Bildung einer Frachtdampfschiffsrhederei" einlud. Die Versammlung beschloss einmütig den Bau eines großen Schiffes, "welches nicht nur in der Ostsee, sondern auch in der Nordsee verkehren und darüber hinaus den Frachtenmarkt aufsuchen soll". Als erstes Schiff der neuen Reederei lief 1883 in Vegesack die "Stadt Schleswig" vom Stapel, 51 Meter lang und 535 Bruttoregistertonnen groß. Damit begründete Horn seinen Linien-Betrieb, der in schnellen Schritten expandierte und den Gründer zu einem wohlsituierten Mann machte. Aber "der sparsame Lebenszuschnitt im Hause Horn blieb", ist in der Familienchronik nachzulesen. "Die vier Kinder (Franz, Henry, Minna und Marie) merkten nicht viel davon, daß ihr Vater allmählich ein vermögender Mann wurde."

Als der Gründer der Reederei am 7. Juni 1899 starb, verfügte sie über neun Schiffe. Zum Firmenimperium von Heinrich Christian Horn gehörte ferner die Schleswiger Gasanstalt, die er 1892 als darniederliegendes Werk erworben und mit Erfolg saniert hatte. In Nachrufen wurden der "kühne Unternehmungsgeist" und die "rastlose Arbeitsamkeit" von Horn sen. besonders gewürdigt. Von Schleswig aus habe er sich "zu einem der hervorragendsten Geschäftsmänner in der Provinz Schleswig-Holstein aufgeschwungen".

Die Söhne Henry und Franz übernahmen nun das Ruder und führten die Reederei im Sinne seines Vaters fort. Später schied Franz Horn aus der Firma aus, so dass die alleinige Verantwortung für die Horn-Linie in den Händen von Henry Horn lag. Unter seiner Regie wuchs die Flotte zur bedeutendsten in ganz Deutschland. Das Unternehmen verlegte seinen Hauptsitz 1921 nach Flensburg und war von nun an nur noch als Seereederei tätig. Ein neuer Abschnitt der Firmengeschichte begann 1933 mit dem Umzug der Zentrale nach Hamburg, wo die Horn-Schiffe schon lange beheimatet waren.

Durch den Zweiten Weltkrieg verlor Horn seinen gesamten Schiffspark. Henry Horns Sohn Heinz organisierte unter erschwerten Bedingungen den Wiederaufbau. Jahrzehntelang in familiärer Hand, wechselte die Reederei bald darauf wiederholt den Besitzer. Zuletzt gehörte sie einem amerikanischen Frucht- und Lebensmittelkonzern. 2009 kam für die traditionsreiche Horn-Linie das endgültige Aus.

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