Theater an der Domschule : Die Hölle ist ein Fahrradkeller

Mittendrin statt nur dabei: Die Zuschauer sitzen während der Aufführung ganz nah an der Bühne.
Mittendrin statt nur dabei: Die Zuschauer sitzen während der Aufführung ganz nah an der Bühne.

Eigentlich sollte es gar nicht mehr stattfinden. Aber dann kam den vier Domschülern diese Idee mit dem Fahrradkeller und prompt entwickelte sich eine interessante Inszenierung, die für ein kleines Publikum aufgeführt wird. Heute ist Premiere

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26. Juni 2014, 07:45 Uhr

Es passiert alles im Leben danach. Oder doch nicht? Vielleicht spielt sich die Handlung des Theaterstücks „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre doch in der realen Welt ab. Ganz eindeutig wollen das die vier Domschüler nicht sagen, denn schließlich liege es immer im Auge des Betrachters. Und der wird bei der Premiere des Stücks heute um 21 Uhr – nach Abpfiff des WM-Spiels Deutschland gegen die USA – ganz nah dran sein am Geschehen. Denn die Bühne ist ein Tisch an dem Schauspieler und Zuschauer gemeinsam sitzen – was für eine intime Atmosphäre sorgt.

„Die Aufführung lebt von dieser Nähe und der Intimität“, sagt Karlheinz Einsle. Der Leiter der Theater-AG an der Domschule weiß zum Beispiel, dass das Stück in Paris zum Teil nur in den Wohnungen der Schauspieler aufgeführt wird. Er selbst hatte seinen Schülern das Stück aber nicht vorgeschlagen. Dafür zeigt sich Christoph Janke verantwortlich. „Ich lese einfach gerne Theaterstücke und dachte, dass es gut für unsere AG passen würde“, erklärt der Schülersprecher der Domschule.

„Allerdings hatten wir in diesem Jahr schon eine große Aufführung“, berichtet Einsle. Als Janke nach den Osterferien auf ihn zukam, war somit eigentlich keine Zeit mehr für eine weitere Aufführung. Zumindest nicht mit der gesamten Theatergruppe. Allerdings gibt es in Sartres „geschlossener Gesellschaft“ nur drei Rollen, die schnell besetzt werden konnten: „Nach meiner Zeit in der Jugendgruppe des Landestheaters dachte ich, dass ich keine Zeit mehr für das Schauspielen hätte“, erzählt Lisa-Marie Schlüter, die die Rolle der Inès übernimmt. Aber dann habe sie gemerkt, dass ihr ein Ausgleich zur Schule fehlte. Auch Mira Bertram sammelte bereits erste Bühnenerfahrungen. Sie ist ebenso mit von der Partie, wie der dritte Protagonist Julius Silbernagel, der „Garcin“ spielt.

Er und die beiden jungen Damen sitzen innerhalb des Stücks zunächst in einem Raum und warten. Auf wen oder was, ist nicht erkenntlich – außer, dass es sich nicht um Godot handelt. Nachdem sich die Protagonisten ihre Sünden gegenseitig vorhalten, steht am Ende eine Erkenntnis: „Die Hölle sind die Anderen!“

Für das passende Ambiente haben sich die vier Schüler und ihr Lehrer etwas besonderes ausgedacht, denn die Hölle ist in ihrem Fall der Fahrradkeller der Domschule – dunkel, feucht und voller Graffiti und Spinnenweben. Darin finden zwar nur 30 Zuschauer Platz, die sind dafür aber hautnah dabei. Blickkontakt mit den Gästen wird es daher sicherlich häufiger geben – ein Problem für die Darsteller? „Es ist schon schwer, wenn jemand anfängt zu lachen oder sich auf einmal wegdreht, aber das gehört eben dazu“, erklärt Silbernagel. „Dafür muss man dann einen Tunnelblick haben“, fügt Bertram hinzu.

Für die Schauspieler ist das Stück also eine echte Herausforderung. Um die zu bestehen, haben sie sich aber ein paar Tricks zurecht gelegt, die noch geheim bleiben sollen. Neben der Premiere wird es noch zwei weitere Aufführungen am Sonnabend, 28. Juni, und am Mittwoch, 9. Juli, geben. Karten für die 30 Plätze können jeweils bei Karlheinz Einsle unter Tel. 046 21/ 36 04 62 oder per E-Mail an einsle@domschule-sl.de vorbestellt werden. Der Eintritt kostet 4 Euro, für Schüler 3.

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