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Varieté in Schleswig : Die „Heimat“ ist vor dem Absprung

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das beliebte Varieté „Heimat“ auf der Freiheit ist in Gefahr. Dem Gebäude-Eigentümer geht das Geld aus. Aber es zeichnet sich eine Lösung ab.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 07:31 Uhr

Die Veranstaltung an diesem Sonnabend ist schon wieder ausverkauft: Der Hamburger Komiker Chris Tall wird in der „Heimat“ auf der Freiheit vor 650 Fans auftreten. Zweieinhalb Jahre nach seiner Gründung scheint das Varieté-Theater auf der Freiheit aus Schleswig nicht mehr wegzudenken zu sein. Doch genau das Undenkbare könnte schon bald geschehen. Seit der Gebäude-Eigentümer Team Vivendi im Sommer mitgeteilt hat, die „Heimat“ über Anfang 2017 hinaus nicht mehr unterstützen zu können, glühen hinter den Kulissen die Drähte. Noch in diesem Monat könnte eine Vorentscheidung fallen. Varieté-Betreiber Mario Hoff möchte sich dazu nicht äußern – als Begründung verweist er auf laufende Verhandlungen in anderen Städten – aber auch „mit Entscheidungsträgern der Stadt Schleswig“.

Auch diese Entscheidungsträger äußern sich zu den laufenden Gesprächen nur sehr vorsichtig. Klar ist aber: Es wird immer mehr zu einer ernsthaften Option, dass die Stadt Schleswig das Gebäude kauft. „Wenn der Preis angemessen ist, können wir uns das vorstellen“, sagt CDU-Fraktionschef Holger Ley. Ähnlich äußert sich sein sozialdemokratischer Amtskollege Stephan Dose. Letztlich hängt das Gelingen also davon ab, ob sich Stadt und Team Vivendi einig werden – und ob ihnen dies gelingt, bevor sich Mario Hoff mit einem Veranstaltungshaus in einer anderen Stadt einig geworden ist.

Parallel dazu verhandelt die Stadt Schleswig weiterhin mit dem dänischen Kulturverein SSF über eine Verlängerung des Mietvertrags für das Slesvighus als Spielstätte für das Landestheater über das nächste Jahr hinaus. Dose sagt: „Wir haben großes Interesse, dass Heimat und Landestheater in Schleswig bleiben. Es laufen Gespräche in viele Richtungen.“ Überlegungen, Landestheater und „Heimat“ unter einem Dach zu vereinen, stehen dabei – zumindest kurzfristig – nicht im Vordergrund. So würde es vermutlich mehrere Jahre dauern, die Pläne für eine genossenschaftlich finanzierte Stadthalle umzusetzen, die der frühere Heimatbund-Geschäftsführer Willy Diercks und die frühere CDU-Politikerin Caroline Schwarz kürzlich vorgestellt hatten. Auch der Vorschlag von „Heimat“-Sponsoren um den Elektro-Brix-Geschäftsführer Holger Böttcher, das Gebäude der Freiheit für drei Millionen Euro so umzubauen, dass das Landestheater dort dauerhaft spielen kann, wäre keine Sofort-Lösung. Gut möglich also, dass das Landestheater vorerst im Slesvighus bleibt und die Stadt die „Heimat“ unabhängig davon kauft. Die Stadtverwaltung würde dann entweder direkt einen Vertrag mit Mario Hoff schließen oder einen Betreiber-Unternehmen dazwischenschalten. Das könnten zum Beispiel die Stadtwerke sein.

Fachleute aus dem städtischen Bauamt haben sich das Gebäude bereits angesehen. „Die Begehung diente dazu, einen ersten Einblick zu bekommen, die Ergebnisse sind Bestandteil der derzeitigen Vertragsverhandlungen“, sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt.

Ein gewisser Druck, die „Heimat“ zu retten, kommt auch von den Bürgern. Eine Online-Petition auf der Plattform www.openpetition.de („Die Heimat-Freiheit muss bleiben“) an Bürgermeister Arthur Christiansen hat inzwischen mehr als 600 Unterstützer. Initiator Sven Ehlers verweist unter anderem darauf, dass die Stadt jährlich 500  000 Euro für das Landestheater ausgibt, für die „Heimat“ hingegen nichts. Er fordert „die Schaffung eines Gleichgewichts“.

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