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Süderbrarup : Die „Heilige Quelle“ ist eine Pfütze

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das heilende Wasser in Süderbrarup gibt es nicht mehr – dennoch füllen sich Pilger die Flüssigkeit flaschenweise ab.

von
erstellt am 13.Aug.2015 | 17:16 Uhr

Es deutet einiges darauf hin, dass es in Süderbrarup ein außergewöhnliches Naturphänomen gibt. Das Freibad heißt „Zur Heiligen Quelle“, es finden immer wieder Führungen in der Quellenstraße statt und Anwohner beobachten gehäuft, dass einzelne Pilger, ganze Familien oder Gruppen sich dort Wasser abfüllen, wo eine steinumrahmte Nische mit einem gepflasterten Auslauf als „Quellen-Darstellung“ dient. Das Problem an der Sache: Die „Heilige Quelle“ selbst gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Seit einer Absenkung des Grundwasserspiegels gibt es in der Quellenstraße nur noch nach üppigen Regenfällen Wasser – und dessen Heilkraft ist nach menschlichem Ermessen nicht höher als in einer beliebigen Pfütze.

Dennoch kommen nach wie vor Menschen nach Süderbrarup, die an das Gute im Wasser glauben. Eine Anwohnerin berichtet über eine Familie aus Hamburg, die mit dem tropfenden Wasser eine ganze Reihe von Flaschen füllte, diese kistenweise ins Autos schleppte und sich anschließend wieder auf den Heimweg machte. Beobachtet werden auch skurrile Szenen – wie etwa eine Gruppe junger Leute, die Hand in Hand eine Kette bildeten. Der erste steckte seine freie Hand dann ins Wasser, um so etwas wie Energie strömen zu lassen.

Das Wasser der „Heiligen Quelle“, der schon seit 2000 Jahren heilende Wirkung zugeschrieben wird, soll angeblich schwach radiumhaltig sein. Radium wurde 1898 von der Physikerin Marie Curie entdeckt. Radium-Verbindungen galten lange als harmlos und sogar gesundheitsfördernd. Vor dem ersten Weltkrieg wurden Radium-Bäder modern, die gesundheitsschädigende Wirkung der Strahlung wurde erst Anfang der 1930er Jahre erkannt. Ob und wie viel Radium die „Heilige Quelle“ einst enthielt, ist ungeklärt.

Helmuth Lax vom Museumsverein sorgt sich indes um die Gesundheit der Heilgläubigen, die sich flaschenweise mit Regen- und Oberflächenwasser versorgen. „Da muss unbedingt ein Schild mit dem Hinweis aufgestellt werden, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt.“ Bürgermeister Friedrich Bennetreu sagte gestern, ein solches Schild sei bereits in Arbeit.

Es gibt aber auch Menschen in Süderbrarup, die sich nicht damit abfinden wollen, dass die echte „Heilige Quelle“ verschüttet ist. So hat sich ein Förderverein „Heilige Quelle“ im Museumsverein gegründet, der auch im Internet bei Facebook aktiv ist. Das Ziel: „Die heilige Quelle von Süderbrarup soll wieder sprudeln.“ Die Gruppe um den Vorsitzenden Wolfgang Warwel, der auch Kreistagsabgeordneter und Mitglied in der Gemeindevertretung für die Freien Wähler ist, belässt es nicht bei Forderungen. Die Mitglieder setzen sich dafür ein, dass nach der Quelle gesucht wird, um sie wieder zu beleben. Offenbar kommen zurzeit zwei Möglichkeiten in Frage, durch Bohrungen fündig zu werden. Die erste liegt auf dem Gelände des Sportplatzes. Dort eine Genehmigung für eine Bohrung zu erhalten, erscheint ausgeschlossen. Erfolgversprechender erschien die Ehlerskoppel– das Gebiet, auf dem sich zurzeit noch ein Kleingarten befindet und demnächst die zentrale Grundschule entstehen soll. Und an diesem Punkt wird die Suche nach der Quelle hochpolitisch. Nachdem der Förderverein beim Kleingartenverein um Genehmigung gefragt hatte, untersagte der Bürgermeister die Bohrung. Begründung: Das Gelände gehöre der Gemeinde. Und bei der sei kein Antrag mit stichhaltiger Begründung eingegangen. Bennetreu glaubt ohnehin nicht an eine Heilkraft: „Es liegen zwei Gutachten aus den 1940er Jahren vor. Eines hat gar keine Werte ergeben, das andere nur solche, die ohnehin in der Umgebung vorhanden sind. Aber wenn mir ein ordnungsgemäßer Antrag vorgelegt wird, habe ich kein Problem damit, diesen der Gemeindevertretung zur Entscheidung vorzulegen“, sagte der Bürgermeister. Und mit dem geplanten Bau der Grundschule habe die Angelegenheit schon überhaupt nichts zu tun.

 

 

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