Schleswig : Die Hafenfront wird aufgewertet

Am Stadthafen: Sybille Schmid-Sindram und Wolfgang Schoofs. Foto: Heldt (2)
Am Stadthafen: Sybille Schmid-Sindram und Wolfgang Schoofs. Foto: Heldt (2)

Kommunalbetriebe kaufen Villa und Grundstücke von Schmid-Sindram / Mehr Wohnmobil-Stellplätze und Parkplätze / "Eishörnchen" mit Café

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01. Dezember 2012, 07:41 Uhr

schleswig | "Die schwarze Perle an der Schlei". So wird eines der prominenteste Grundstücke und Häuser der Stadt genannt: das Gelände mit der ehemaligen Villa des Unternehmers Gerhard Schmid unmittelbar vor dem Stadthafen - seit der Scheidung gehört es zum Portfolio von dessen früherer Ehefrau Sybille Schmid-Sindram ("Bonus Strom"). Warum "schwarz"? Weil das hochgetürmte, unbewohnte Haus mit seinen Butzenscheiben jedenfalls von der Straßenseite aus so düster wirkt. Und warum "Perle"? Weil es kein besser gelegenes privates Wasser-Grundstück in ganz Schleswig gibt.

Jetzt hat diese "schwarze Perle" den Besitzer gewechselt. Das Gelände - Villa plus Grundstück plus angrenzende teil-betonierte Fläche - wurde Mitte des Monats von der Schleswiger Kommunalbetriebe GmbH erworben. Zuvor hatte die Ratsversammlung Zustimmung signalisiert. Der Kaufpreis ist geheim; er soll, so bestätigen Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs und die Verkäuferin Sybille Schmid-Sindram lächelnd, "angemessen" gewesen sein.

In jedem Fall kommt mit dem Kauf Bewegung in eine lange Zeit festgefahrene Situation am touristisch hochrelevanten Rand der Altstadt unterhalb des Doms. Schoofs hatte nicht zum ersten Mal Interesse besonders an der teil-betonierten Fläche neben dem von den Stadtwerken erfolgreich betriebenen Hafen angemeldet. Eine Zeit lang parkten dort auch Wohnmobile, was allerdings die Verkaufbarkeit der benachbarten Villa nicht gerade erhöhte. Schmid-Sindram dagegen beharrte, aus ihrer Sicht plausibel, auf einem Junktim: Die Betonfläche wird nur zusammen mit Villa und Grundstück verkauft.

Das ist jetzt geschehen. Fast 12 000 AAA-Quadratmeter haben den Besitzer gewechselt. Wichtigster Vorteil: Die Anzahl der Wohnmobil-Stellplätze kann von 35 auf 70 in der nächsten Saison erhöht werden - Schoofs rechnet mit einem Einnahmen-Plus "im satten fünfstelligen Bereich". Entsprechend werden die bisherigen Stellplätze zu Parkplätzen, an denen jetzt noch arger Mangel herrscht.

Parkplätze werden schon deswegen benötigt, weil mit dem Grundstückserwerb die gesamte Hafenfront attraktiviert werden soll. Schoofs ist sich sicher: "Das dürfte ein neues Highlight für Schleswig werden!" Geplant ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen. So wird der Spazierweg entlang der Schlei - eine noch viel zu wenig inszenierte Attraktion der Stadt - begradigt, verbessert und auf Höhe der Stellplätze mit Bänken und Tischen versehen. (Der charmante Tretbootverleih bleibt erhalten.)

Wichtiger noch: Der Schuppen unterhalb des Speichers wird Richtung Villa verlängert. Dort zieht die aus der Innenstadt bekannte Eismanufaktur "Eishörnchen" ein, mit Verkaufstheke, offener Herstellung und vor allem einem Eiscafé, das saisonunabhängig eine variable gläserne Terrasse erhält. Nebenan im Ex-Schuppen ist ein Ladenlokal geplant, vielleicht für maritime Kleidung; ein Pachtvertrag wurde aber noch nicht abgeschlossen. Ob sich auch beim Restaurant im Speicher eine Veränderung abzeichnet, war nicht zu ermitteln.

Das ganze Vorhaben-Paket geht am 6. Dezember in den Aufsichtsrat der Stadtwerke. Doch gegen eine solche Aufwertung des Stadthafens dürfte es kaum Widerstände geben. In Gang gebracht hat dieses Upgrading eine so zierliche wie durchsetzungsstarke Persönlichkeit. Die Schleswiger Unternehmerin Sybille Schmid-Sindram sagt: "Ich freue mich, mit dem Verkauf die positive Entwicklung des Stadthafens unterstützen zu können." Die Anzahl der Tagesgäste hatte sich bereits in der letzten Saison mehr als verdoppelt - mehr Bootsliegeplätze sind dagegen nicht geplant.

Was allerdings aus der Villa samt Riesen-Grundstück werden soll, ist noch völlig unklar. Schoofs: "Wir werden das Areal weiterentwickeln." Noch wartet also die "schwarze Perle an der Schlei" auf ihre neue Bestimmung.

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