Ratsversammlung Schleswig : Die Grünen-Fraktion schrumpft

Eklat vor der konstituierenden Sitzung der Ratsversammlung: Steffen Hempel kehrt seinen grünen Parteikollegen den Rücken.

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23. Juni 2018, 07:40 Uhr

Sie waren die großen Sieger der Kommunalwahl am 6. Mai: Die Grünen holten in Schleswig 18,4 Prozent der Stimmen und sechs Mandate in der Ratsversammlung. Damit waren sie fast auf Augenhöhe mit der SPD (sieben Mandate) und zumindest in Sichtweite zur CDU (neun Mandate).

Jetzt wird der Abstand wieder größer. Denn einer der frisch gewählten Grünen hat die Fraktion verlassen, noch bevor die neue Ratsversammlung am kommenden Montag zum ersten Mal zusammentritt. Steffen Hempel will sein Mandat jedoch behalten und als fraktionsloser Ratsherr weitermachen. Das bestätigte er gestern auf SN-Nachfrage.

Gänzlich überraschend kommt dieser Schritt nicht. Zwischen Hempel und der örtlichen Parteispitze stimmte die Chemie schon lange nicht mehr. Sichtbar wurde das spätestens während der öffentlichen Kandidaten-Aufstellung im Januar, als Hempel die Spitzenkandidatin Babette Tewes frontal angriff. Sie sei „kein Teamplayer“, warf er ihr vor und kündigte schon damals an, sich aus der Ratspolitik zurückzuziehen. Kurz darauf ließ er sich dann doch erneut auf die Grünen-Wahlliste setzen, allerdings auf Listenplatz 5, von dem zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar war, dass er zum Wiedereinzug ins Stadtparlament ausreichen würde. Sein Kommentar damals: „Ich hätte gar nicht gedacht, dass man mich hier trotz meiner hemdsärmeligen Art noch wählt!“

Hempel war 2015 in die Ratsversammlung nachgerückt und seither immer wieder mit seinem eigenen Kopf aufgefallen. Als die Grünen-Vertreterin im Schulausschuss, Dorothee Tams, gemeinsam mit SPD und SSW für die umstrittene Kapazitätsgrenze an der Domschule gestimmt hatte, überlegte Hempel bereits, sein Mandat wieder abzugeben – was er dann aber doch nicht tat. Erst in diesem März hatte er im Plastikskandal entgegen der Parteilinie den Rücktritt von Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs gefordert.

Steffen Hempel gehört der Ratsversammlung künftig als fraktionsloses Mitglied an.
Foto: grüne
Steffen Hempel gehört der Ratsversammlung künftig als fraktionsloses Mitglied an.
 

Dass er nun die Fraktion verlasse, habe aber nichts mit politischen Inhalten zu tun, betont Hempel. Er bleibe Parteimitglied. „Ich habe keine Probleme mit grüner Politik. Es geht um atmosphärische Dinge.“ Die Probleme liegen im zwischenmenschlichen Bereich. „Die Fraktion ist der Club der Besten, und da gehöre ich anscheinend nicht dazu“, sagt Hempel. Ihm sei bedeutet worden, dass er für „bestimmte Aufgaben“ nicht geeignet sei. Fraktionssprecherin Tewes möchte das nicht kommentieren.

Zum Streit war es offenbar gekommen, als die Fraktion festlegte, wen sie in die verschiedenen Ausschüsse und sonstigen Gremien entsendet. Hempel gehörte bisher dem Bauausschuss an und bestreitet nicht, dass er die Grünen dort gern weiterhin vertreten hätte.

Jetzt will er als fraktionsloser Ratsherr an den Bauausschuss-Sitzungen teilnehmen. Sein Mandat zurückzugeben und den Weg freizumachen für eine Nachrückerin, kommt für ihn nicht in Frage. Auch deshalb nicht, weil er sich ein Hintertürchen offen hält. „Vielleicht sieht es in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aus und es ruckelt sich alles zurecht“, meint er. Voraussetzung für eine Rückkehr in die Grünen-Fraktion sei aber, „dass ich als vollwertiges Mitglied anerkannt werde“. Andernfalls würde Hempel wohl Einzelkämpfer im Rat bleiben. Dass er sich einer der anderen Fraktionen anschließt, hält er für unwahrscheinlich: „Ich sehe im Moment niemanden, der da Hurra schreien würde.“

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