zur Navigation springen

Neujahrsempfang : Die große Gysi-Show im Ständesaal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag sorgte für ein volles Haus – und glänzte mit einer launigen Rede.

Als sich Gregor Gysi nach seiner Rede ins Goldene Buch der Stadt Schleswig eintrug, sah er dort seinen Namen bereits vorgedruckt – und auch seine Berufsbezeichnung: „Oppositionsführer des Deutschen Bundestages“. Dieses Amt hatte er noch gar nicht, als der Stadt und den Schleswiger Bürgervereinen im vergangenen Jahr der Coup gelang, den Fraktionschef der Linken zu ihrem Neujahrsempfang einzuladen. Nun aber konnten die Gastgeber ihren Stolz nicht verbergen, solch einen hochgestellten Gast begrüßen zu dürfen – Bürgervorsteher Eckhard Haeger und Bürgermeister Arthur Christiansen ebenso wenig wie die Vorsitzenden der beiden Bürgervereine, Wolfram Weiss und Reimer Witt.

Dabei gehörte es zu den vielen launigen Aperçus aus Gysis Festrede, dass es eigentlich ein Scherz gewesen sei, als er sich zum Oppositionsführer ausrief, als sich nach der Bundestagswahl eine Große Koalition abzeichnete. „Aber die Journalisten haben es alle aufgeschrieben. Jetzt bin ich es, und ich bin es gerne.“ Er nutzte den Auftritt auch gleich, um für seine politischen Ansichten zu werben – zum Beispiel für Gerechtigkeit. „Ich will ja gar nicht, dass alle gleich viel verdienen“, sagte er. „Ich möchte schon mehr haben als der Bürgermeister von Schleswig. Aber es muss alles in einem vernünftigen Maß bleiben.“ Weil er in einem Rathaus redete, sagte er auch noch Grundsätzliches zur Lage der Kommunen in Deutschland. Diese bräuchten mehr Geld und eine stärkere Lobby, forderte er.

Der Neujahrsempfang war so gut besucht wie lange nicht. Fast jeder, der eine Einladung bekommen hatte, war erschienen. 199 Gäste bevölkerten den Ständesaal. Gysi war offensichtlich das erhoffte Zugpferd. Kurt Knolle-Lorenzen – Mitglied der Linkspartei und des Schleswiger Bürgervereins – hatte den Auftritt vermittelt und zeigte sich anschließend begeistert von dessen Rede. Bürgervorsteher Haeger räumte ein, dass es vereinzelt auch kritische Stimmen gegeben habe. So hatte Arne Olaf Jöhnk, Ratsherr der Freien Wähler, die Veranstaltung wegen Gysis DDR-Vergangenheit boykottiert. „Aber so etwas sind Einzelmeinungen“, sagte Haeger – und Gysi erinnerte sich daran, wie es ihm auf seinen ersten Westreisen nach dem Mauerfall ging: „Wenn ich 1991 hierher gekommen wäre, hätten wir hier zu zweit gestanden.“

zur Startseite

von
erstellt am 22.Jan.2014 | 00:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen