Vor der Freiheit : Die größte Wohnung auf der ganzen Schlei

Seit September liegt die „Aquarius“ vor der Freiheit vor Anker.  Jetzt gewährte Peter Reith einen Einblick in  sein schwimmendes Zuhause.
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Seit September liegt die „Aquarius“ vor der Freiheit vor Anker. Jetzt gewährte Peter Reith einen Einblick in sein schwimmendes Zuhause.

Peter Reith, Heike Sommer und Michael Deye leben auf einem Schiff: Seit September liegt ihre „Aquarius“ vor der Freiheit vor Anker.

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20. November 2013, 12:00 Uhr

Als Peter Reith als kleiner Junge zu Hause am Bodensee zum ersten Mal in einer Schiffskajüte stand, da war ihm gleich klar: So etwas wollte er auch eines Tages haben. „Ich habe diesen Traum von da an immer verfolgt. Inzwischen lebe ich ihn – und zwar voll und ganz“, sagt der heute 52-Jährige.

1996 kaufte Reith in Emden ein ehemaliges Wasserbunkerboot. Nach Jahren des Umbauens und Restaurierens machte der Zimmermeister das Schiff schließlich zu seinem Zuhause. Seit September liegt die „Aquarius“ nun in der Schlei vor Anker – direkt vor dem ehemaligen Kasernengelände auf der Freiheit. „Hier wollen wir überwintern. Die geschützte Lage und die tolle Stadt mit diesen vielen netten und aufgeschlossenen Menschen sind einfach ideal. Wir finden es hier richtig toll“, sagt Peter Reith, der mit „Wir“ auch seine Lebensgefährtin Heike Sommer sowie seinen Freund und Geschäftspartner Michael Deye meint.

Dass die Drei sich in Schleswig so wohl fühlen, liegt aber nicht ausschließlich am freundlichen Kontakt zu den Bewohnern der Schleistadt. Ihre urgemütlich eingerichtete schwimmende Wohngemeinschaft sorgt von sich aus für gute Laune: Ein Holzofen und eine Heizung verbreiten auf den 160 Quadratmetern Wohnfläche eine mollige Wärme, vom Sofa auf dem oberen Deck hat man einen fantastischen Blick über die Schlei bis hin zum Dom und wenn Peter Reith sich dann noch ans Klavier setzt und Hans Albers’ „La Paloma“ spielt, ist die Seemanns-Idylle perfekt.

Auch Michael Deye möchte diese Momente nicht missen. Seit zehn Jahren verbringt der 63-Jährige regelmäßig mehrere Wochen oder Monate an Bord. Zuvor hatte er viele Jahre Holzhäuser-Elemente aus Kanada nach Deutschland exportiert, später leitete er gemeinsam mit Peter Reith einen Zimmereibetrieb mit bis zu zehn Angestellten in Emden. „Sieben-Tage-Wochen voller Stress – wir wollten aussteigen aus diesem Hamsterrad. Dann findet man nirgendwo so viel Ruhe, wie auf diesem Schiff. Hier, mittendrin in der Natur“, sagt Michael Deye.

Wer sich an Bord des 30 Meter langen Motorschiffes umsieht, kann sich kaum vorstellen, dass das einmal ganz anders war. Als Reith die 1910 gebaute „Aquarius“ erwarb, rettete er sie vor dem Schrottplatz. Nicht nur der Motorraum stand damals unter Wasser. Heute ist fast nichts mehr so, wie es war. Die alte V12-Deutz-Maschine funktioniert längst wieder reibungslos. Für Strom an Bord sorgen eine Solar- sowie eine Windkraftanlage, Badewanne und Laptop gehören selbstverständlich auch zum Bord-Inventar. „Wenn man so ein Ding kauft, muss man wissen, worauf man sich einlässt“, sagt Reith. Er hat es gewusst – und in Eigenarbeit ein echtes Schmuckstück erschaffen.

Von Usedom bis Emden hat das Schiff inzwischen fast überall vor Anker gelegen. Über die Ochseninseln und zuletzt Maasholm kam es nun also auch erstmals nach Schleswig. Mit dabei ist auch die „Blue Whale“, eine Segeljacht, die Reith ebenfalls einst selbst baute. Auch ein Auto wurde von Bekannten hinterher gebracht. Zudem nutzen die Drei gerne ihre Fahrräder, nachdem sie mit einem kleinen (natürlich auch selbst gebauten) Holzsegler, der als Zubringer dient, von der „Aquarius“ aus an Land geschippert sind.

Es gebe immer wieder Menschen, die ihre außergewöhnliche Idee vom Leben argwöhnisch betrachten, erzählt Peter Reith. „Aber jeder sollte einfach nur sein Ding machen dürfen. Das alleine macht glücklich. Inzwischen haben wir alles abbezahlt, die Kinder sind aus dem Haus. Was spricht dagegen, auf einem Schiff zu wohnen?“ Nur hin und wieder nehme er noch Aufträge als Zimmerer an. Wenn man vernünftig haushalte und bescheiden lebe, komme man gut klar. „Ich bin dankbar, dieses Leben auf diesem Schiff führen zu dürfen. Ich möchte mit niemandem auf der Welt tauschen.“

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