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Der Tanklöschwagen von Innen : Die Feuerwehr packt aus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wehrführer Sönke Schlossmacher gewährt einen Blick ins Innere seines zwölf Tonnen schweren Tanklöschfahrzeugs .

von
erstellt am 07.Jan.2014 | 17:53 Uhr

Sie sind fast jeden Tag irgendwo in der Stadt zu sehen: Die Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr. Wehrführer Sönke Schloßmacher gewährt einen Blick hinter das rote Blech und die silbernen Rolltore der Feuerwehrautos.

Hinter dem Kennzeichen SL-MC 112 verbirgt sich ein zwölf Tonnen schweres Tanklöschfahrzeug. Vorne, in dessen Mannschaftsraum ist auf den ersten Blick jede Menge Platz. Stellt man sich aber vor, dass hier eine so genannte Staffelbelastung 1/5, also ein Fahrer und fünf Kameraden, in voller Montur Platz finden müssen, wird es schon enger. An der Rückenlehne einiger Sitzplätze hängen Atemschutzgeräte bereit. Um Zeit zu sparen, ziehen die Feuerwehrmänner sie während der Fahrt an. 16 Kilo wiegt diese Spezialausrüstung, hinzu kommt eine 30 Meter lange Fangleine, die jeder mit sich trägt, um sich notfalls durch Abseilen selbst zu retten – weitere drei Kilo. Noch einmal gute vier Kilo wiegt ein breiter Gürtel, versehen mit Karabinern und einem Beil. An dieser Schutzausrüstung trägt ein Feuerwehrmann im Einsatz also 23 Kilo.

Bei solchen körperlichen Belastungen und besonders im Feuer verlieren die Helfer Flüssigkeit und sind deshalb angehalten, schon auf der Fahrt zum Enisatz viel zu trinken. Dafür stehen neben den Sitzen mehrere Flaschen Wasser bereit. „Eigentlich sollen wir eineinhalb Liter trinken – das schaffen wir meist gar nicht. Aber besonders nachts ist das natürlich wichtig, wenn wir im Notfall vier Minuten nach dem Aufwachen schon auf der Strecke sind.“

Etwas anderes vorn im Fahrerraum fällt direkt ins Auge: Ein hölzernes Klemmbrett, darauf befestigt sind vier unterschiedliche Eieruhren und Blätter mit Tabellen. Hinter dem Brett hängt eine weiße Warnweste, versehen mit dem Schriftzug: „Atemschutzüberwachung“. Wer im Einsatz Weste und Klemmbrett trägt, ist dafür verantwortlich, alle zehn Minuten die Kollegen mit Atemschutzgeräten im Feuer anzufunken, um nach dem Druck ihrer Pressluftflaschen zu fragen. Unter Schwerlast sei eine solche Flasche nach rund 30 Minuten leer, erklärt Schloßmacher. Deshalb muss der Druck in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Für jeden Kameraden läuft also auf dem Klemmbrett eine Eieruhr und in den Tabellen werden die Werte notiert. Um während des Einsatzes den Kontakt halten zu können, liegen im Innenraum des Tanklöschfahrzeuges Funkgeräte bereit. Wenn der Wagen nicht unterwegs ist, liegt er am Strom, damit die „Funken“ immer voll geladen und einsatzbereit sind.

Läuft man um das Löschfahrzeug herum, stolpert man an dessen Seite beinahe über einen breiten schwarzen Schlauch, der mit einem gelbem Trichter nah am Unterboden des Fahrzeuges endet. Dort ist der Auspuff, dessen Abgase über den Schlauch abgesogen werden, damit das kleine Gerätehaus am Erdbeerenberg nicht zuqualmt, wenn der Motor startet.

An beiden Seiten sind mehrere Rolltüren hinter denen akkurat und platzsparend das gesamte Equipment verstaut ist. Mit einem orangenen Spanngurt ist ein Schlauchtragekorb vertaut. Darin befinden sich drei miteinander verbundene C-Schläuche, mit einer Länge von jeweils 15 Metern. Im Korb können sie leicht zum Beispiel durch ein Treppenhaus getragen und so verlegt werden. Links daneben der rot-schwarze Hochdrucklüfter, der bei jedem Feuer zum Einsatz kommt, um Frischluft in Gebäude zu pusten. Darüber, in zwei schwarzen Tragetaschen, liegen Hitzeschutzanzüge bereit. „Die sehen ein bisschen aus wie Raumfahrtanzüge“, erzählt Schloßmacher.

Hinter dem linken Rolltor wird es etwas kleinteiliger: Mit Warnkleidung, Äxten, Gummistiefeln, Motorsägen, Schutzjacken, Handschuhen und Chemieschutzanzügen die bei Amoniak- oder Chlorunfällen eingesetzt werden, sind die freiwilligen Helfer für verschiedenste Einsätze gewappnet.

Auf der anderen Seite des Wagens findet man 240 Liter Schaummittel, zum Beispiel zum Ersticken von Kellerbränden, und passenderweise direkt daneben: Eine kleine Station zum Handewäschen: Seife und Tücher für die Feuerwehrleute. „Das ist doch manchmal sehr schittig an den Einsatzstellen, deshalb haben wir uns das selbst eingebaut“, so Schloßmacher. Nebenan liegt eine Auswahl an Strahlrohren bereit. Schloßmacher vergleicht sie mit den Spritzen am Ende des Gartenschlauches und erklärt, dass man mit ihnen die Wurfweite des Wassers und die Menge des Löschwasser, die benutzt wird, einstellen kann. Der Gedanke, in jedem Fall das größte Strahlrohr zu nehmen, damit das Feuer so schnell wie möglich gelöscht ist, liegt dem Wehrführer fern: „Wir richten immer unwahrscheinlich viel Schaden mit dem Wasser an. Das wollen wir ja nicht.“ Deshalb wird im Einzelfall entschieden, welches Strahlrohr benötigt wird.

Brandfälle machen etwa 40 Prozent der Einsätze des Löschzuges Friedrichsberg aus. Insgesamt ist die Truppe im Jahr 2013 rund 400 Mal ausgerückt – deutlich häufiger als in den Vorjahren. Schloßmacher: „Sonst sind es zwischen 310 und 360 Einsätze, aber wegen dem Sturm hatten wir natürlich mehr.“ Im Notfall sind die Feuerwehrleute innerhalb einer Hilfsfrist von zehn Minuten am Einsatzort. Nachts um vier brauchen andere mindestens so lange um wieder zurechnungsfähig zu sein. Nicht so Schloßmacher und seine Kollegen: „Vom Schlafzimmer aus bin ich in einer Minute im Auto auf dem Weg zur Wache. Das kann man gar nicht nachvollziehen, da muss man schon ganz schön verrückt sein, um das hinzukriegen.“

 

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