Schleswig : Die Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe zieht um

In der Werkstatt am Ilensee machen Flüchtlinge ausrangierte Fahrräder wieder alltagstauglich.
In der Werkstatt am Ilensee machen Flüchtlinge ausrangierte Fahrräder wieder alltagstauglich.

Ein Sonderverkauf für jedermann an diesem Freitag. Der Radsportvereins sieht sich nach neuen Partnern um.

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13. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Der große Ansturm ist vorbei, aber in der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe am Ilensee 6 herrscht noch immer reger Betrieb. Asylbewerber aus Syrien und dem Jemen schrauben hier gemeinsam mit Mitgliedern des Schleswiger Radsportvereins an ausrangierten Fahrrädern und machen sie wieder fahrtüchtig und verkehrssicher. Rund 600 Räder sind hier in den vergangenen zwei Jahren wieder aufgemöbelt worden. Verkauft werden sie für Preise zwischen 15 und 35 Euro an Flüchtlinge, die auf diese Weise in ihrer neuen Heimat etwas Mobilität gewinnen. Das Geld deckt ausschließlich die Materialkosten. Die Werkstatt-Mitarbeiter arbeiten komplett ehrenamtlich – die einheimischen genauso wie die zugewanderten. Die Miete für die Werkstatt übernimmt die Stadt.

An diesem Freitag haben nun erstmals auch alle anderen Bürger die Chance, ein günstiges altes Fahrrad zu erwerben. Von 13 bis 16.30 Uhr findet ein Sonderverkauf statt, denn die Fahrradwerkstatt zieht um und verkleinert sich. Die bisherigen Räume will der Vermieter – die Schleswiger Werkstätten – künftig selbst nutzen. Die Flüchtlinge ziehen um in ehemalige Räume des Fahrrad- und Motorsägengeschäftes Klingbeil in der Flensburger Straße 74. Dort wird die Werkstatt ab Januar anzutreffen sein – mit demselben Angebot wie bisher, nur eben alles etwas kleiner.

Ein Ende der Fahrradwerkstatt in der jetzigen Form ist absehbar, sagt Alfred Ebeling. Der Vorsitzende des Radsportvereins schraubt selbst regelmäßig mit Jürgen Hofeldt, Holger Groth, Ahmad Sekhnie, Omar Ammar und anderen Flüchtlingen an den Rädern, die unter anderem von der Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg (ASF) angeliefert werden. Sie helfen auch anderen Flüchtlingen, die kommen, um ihre eigenen Fahrräder zu reparieren. „Zeitweise gab es acht bis zehn Flüchtlinge, die hier regelmäßig gearbeitet haben“, sagt Ebeling. Die meisten von ihnen sind inzwischen aber mit Sprachkursen oder Praktika auslastet oder haben eine Arbeitsstelle gefunden. Die sinkende Nachfrage hat Folgen für die Zukunft der Fahrradwerkstatt. Die Stadt wird die Miete nicht auf Dauer übernehmen, weiß Ebeling. Er sucht deshalb nach anderen Kooperationspartnern und ist auch mit der Arbeiterwohlfahrt im Gespräch. Aus dem Hilfsprojekt für Flüchtlinge könnte ein Angebot werden, das für alle Menschen, die wenig Geld haben, offen ist.

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