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Schloss Gottorf : Die exzentrische Seite der Keramik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Sonntag wird unter dem Titel „form.frei“ eine etwas andere Ausstellung eröffnet.

„Wild, provozierend und exzentrisch“ – mit diesen drei Worten, so sagt Kirsten Baumann, könne man die Ausstellung „form.frei. Keramik Europas“, die ab Sonntag in der Galerie des 19. Jahrhunderts auf Schloss Gottorf zu sehen ist, kurz und knapp zusammenfassen. Dass einem die besagten drei Eigenschaften normalerweise nicht in den Sinn kommen, wenn man an Keramik denkt, dessen ist sich die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte durchaus bewusst. Aber: „Genau das ist es. Diese Ausstellung hat einfach ein eigenes Profil. Was man hier zu sehen bekommt, ist ganz anders als fast alles andere, was wir sonst im Schloss haben.“

Tatsächlich wartet man auf historische Teller, Vasen oder Teekannen vergeblich. Dafür werden die Besucher von einem aus glasierter Keramik geformten Hund, der sich gerade den Schlamm aus dem Fell zu schütteln scheint, einer Terracotta-Büste einer mit Sommersprossen übersäten rothaarigen Frau oder einem aus hunderten Einzelteilen bestehendes Knochenfeld aus Ton überrascht. „Der traditionelle Formbegriff wird in dieser Ausstellung fast vollständig aufgelöst. Hier ist ganz klar eine Weiterentwicklung sichtbar. Mit dem Ergebnis: Zeitgenössische Keramik kann auch ganz anders“, sagt Kuratorin Ulrike Ernemann, die zurzeit ein wissenschaftliches Volontariat auf Gottorf macht.

Insgesamt 34 Exponate von Künstlern aus zwölf europäischen Ländern werden nun bis zum 14. Februar 2016 auf Gottorf gezeigt. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Teilübernahme der Ausstellung zum 13. „Westerwaldpreis“, einem der bedeutendsten europäischen Keramik-Preise. Bis März dieses Jahres waren in Höhr-Grenzhausen insgesamt 306 Werke von 228 internationalen Künstlern gezeigt. Der Westerwaldpreis trägt seit 1999 den Zusatztitel „Keramik Europas“, um die unterschiedlichen Traditionen und Ansätze der Künstler sowie den überregionalen Anspruch zu betonen.

Das wiederum soll nun auch für die Gottorfer Ausstellung, deren Aufbau zurzeit in den letzten Zügen liegt, gelten. „Erst Mitte Oktober sind wir mit einem Lkw in den Westerwald gefahren und haben die ausgewählten Exponate hierher nach Schleswig transportiert“, erzählt Ernemann. Einige Künstler waren und sind direkt vor Ort, um bei der Installation ihrer Werke selbst Hand anzulegen. Dazu gehört László Fekete, der einen Altar aufbaut, der nicht nur aus Keramik, sondern auch aus Holz, Metall und Staubsauger-Schläuchen zusammengesetzt ist. Was sich dahinter verbirgt, erzählt der Ungar bei einem Künstlergespräch am nächsten Freitag ab 18.30 Uhr. Feketes Installation bekommt derweil, wie sechs weitere Exponate, einen besonderen Platz. Sie sind nicht in der Galerie des 19. Jahrhunderts zu finden, sondern werden nach und nach in den historischen Rundgang der Dauerausstellung eingebaut.

An diesem Sonntag um 12 Uhr findet nun im historischen Hirschsaal des Schlosses die Eröffnungsveranstaltung statt. Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Faltblatt sowie eine 40-seitige Broschüre, in der alle beteiligten Künstler vorgestellt werden (Preis 2,50 Euro). Zudem ist geplant, einen Keramik-Workshop anzubieten.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 07:36 Uhr

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