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PSychose-Seminare : Die eigene Krankheit akzeptieren

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Betreuungsverein Schleswig und Umgebung bietet zusammen mit der Brücke SH seit zehn Jahren Psychose-Seminare an. Auf einer Jubiläumsfeier am Dienstag, 29. Oktober, wird die Arbeit vorgestellt.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 18:00 Uhr

Depressionen, Burnout, psychische Erkrankungen und Arbeit – dies sind nur einige Themen, die Uwe Friedrichs von der Brücke SH und Andreas Creuzberg vom Betreuungsverein Schleswig und Umgebung in ihren Psychose-Seminaren behandeln. In Schleswig leben die Seminare seit zehn Jahren wieder auf.

Die Veranstaltungen richten sich an psychisch erkrankte Menschen, Angehörige und Mitarbeiter von verschiedenen ärztlichen Einrichtungen. In den Sitzungen berichten die drei Gruppen über ihre Erfahrungen mit den unterschiedlichen Krankheiten. Eine Mutter erzählt, wie ihr Sohn plötzlich den Realitätsbezug verloren hat und ein sogenannter psychisch Erfahrener beschreibt, wie er mit seiner Schizophrenie umgeht. Danach wird in der Runde diskutiert. Es sind Menschen dabei, die an Depressionen und Schizophrenie erkrankt sind oder an Persönlichkeitsstörungen leiden. Andere stünden unter regelmäßigem Medikamenteneinfluss oder ertragen ihre Krankheit ohne Tabletten, erzählt Creutzberg.

Während der Seminare gibt gewisse Regeln, nach denen sich die Teilnehmer richten müssen: Dass sich zum Beispiel alle gegenseitig respektieren und ernst nehmen. Dies gilt auch für die Seminarleiter. Creutzberg erinnert sich an einen Fall, als sich ein Betroffener im Raum durch jemanden an der Tür beobachtet fühlte. Doch anstatt die Person für verrückt zu erklären, stand Creuzberg auf, ging zur Tür und versicherte danach, dass er dort niemanden sähe. „In dem Moment stand die Realität des Erkrankten im Gegensatz zu meiner eigenen Wahrnehmung“, blickt er auf jenen Tag zurück. „Aber durch meine Anschauung habe ich dem Menschen gezeigt, dass ich ihn ernst nehme.“

Doch neben dem gegenseitigen Respekt ist es auch wichtig, dass die Betroffenen selbst ihre Krankheit akzeptieren. Friedrichs hat die Erfahrung gemacht, dass Erkrankte mit der ersten Psychose nicht in die Gruppe kommen. „In diesen Fällen sind eher die Angehörigen anwesend, um zu erfahren, wie sie mit der Situation umgehen können“, erklärt er. Der Begriff „Psychose“ würde außerdem viele abschrecken und bewirken, dass sich einige Menschen einfach nicht zu den Treffen trauen.

Seit 2003 bieten Creutzberg und Friedrichs die Seminare an. Fünf bis sechs Mal im Jahr trifft sich die Gruppe in der Volkshochschule Schleswig. „Es kommen aber nicht immer die gleichen Leute“, sagt Creutzberg. Vielmehr richte sich die Anwesenheit nach den Interessen und Themenschwerpunkten. Dass den Betroffenen die Sitzungen helfen, steht außer Frage. Vor allem Familienangehörige merkten oft, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Und es beruhige, dass diese Probleme nicht an die Öffentlichkeit geraten. „Was bei uns besprochen wird, bleibt geheim“, sagt Creutzberg.

Am Dienstag, 29. Oktober, findet ab 18 Uhr die Jubiläumsfeier im Café Stampfmühle statt. Das Fest ist für alle offen und soll die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch geben.

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