DGZRS in Schleswig : Die drittmeisten Einsätze in Deutschland

Bei starkem Westwind konnten interessierte Gäste eine Probefahrt mit der „Walter Merz“ über aufgepeitschte Schlei wagen.
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Bei starkem Westwind konnten interessierte Gäste eine Probefahrt mit der „Walter Merz“ über aufgepeitschte Schlei wagen.

Beim Tag der Seenotretter zeigte das Team der Schleswiger Station gestern sein Können. Fazit: Schlei gilt als tückisches Gewässer.

shz.de von
27. Juli 2015, 07:27 Uhr

Von Borkum bis Sylt und von der Flensburger Förde bis nach Usedom waren die 60 Haupt- und Ehrenamtlichen Mannschaften der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gestern im Einsatz. Auf dem Plan standen überall Rettungssimulationen, Probefahrten und ein unterhaltsames Begleitprogramm, das dem interessierten Spaziergänger an der Waterkant ein Bild von der Arbeit der Seenotretter verschaffen sollte. Trotzdem hatte auch am gestrigen Sonntag die Rettung Schiffbrüchiger im Ernstfall Vorrang. Auch am Schleswiger Stadthafen hätte aus Spaß schnell Ernst werden können, was die ehrenamtlich tätige Rettungsmannschaft um ihren Vormann Paul Cugier nicht oft genug betonen konnte.

Zum Tag der Seenotretter präsentierte sich die Gruppe den großen und kleinen Besuchern in voller Montur. Ihr Revier ist die gesamte Schlei. Bei starkem Westwind wurde einem deutlich, warum das 42 Kilometer lange Einsatzgebiet von Schleswig bis Schleimünde mit den jährlich drittmeisten Einsätzen entlang der deutschen Küste für die Retter eine solche Herausforderung ist. „Mit einer Windtide von drei Metern haben wir hier Bedingungen wie im Wattenmeer“, erklärte Cugier, während sein Blick über die Kaimauer aufs Hafenbecken schweifte, wo das rot-weiße Rettungsboot lag, das die Besucher wegen des niedrigen Wasserpegels und des starken Windes nur erschwert besteigen konnten. Unter solchen Bedingungen komme es oft vor, so Cugier, dass ein Boot auf eine Untiefe aufläuft, denn davon gebe es in der Schlei viele. Aber auch von Bränden über Motorschäden und gekenterten Jollen bis hin zu kuriosen Unfällen sei im Laufe eines Jahres alles dabei. Wenn es dann mal wieder so weit ist mit einem Einsatzbefehl (der über die DGzRS-Zentrale in Bremen koordiniert wird), bleiben der dreiköpfigen Mannschaft nur etwa zehn Minuten, um vom Sofa aufs Schiff zu kommen – und das rund um die Uhr. Im wöchentlichen Wechsel werden die Ehrenamtler von einem anderen der vier Teams abgelöst.

Mit dem einzigen Schweizer in der DGzRS, der Teil der 16 Mann zählende Besatzung ist, hat die Schleswiger Station eine kleine Besonderheit zu bieten. Seit der Gründung des Stützpunktes vor 24 Jahren ist Cugier auf der Schlei als Retter tätig. Was gestern die Aufmerksamkeit und vor allem die Zahl der interessierten Gäste betraf, bemerkte der Vormann zunächst leicht enttäuscht: „Hier laufen viele einfach vorbei.“ Doch am späten Vormittag – noch vor der simulierten Rettung eines Verletzten – hatten ein Stelzenmann und insbesondere Moderator Paul Wetzel viele Hafengäste angelockt. Dieser verwies auf die Abhängigkeit von Spenden. Letztere finden ihren Ausdruck zum Beispiel in dem von dem verstorbenen Juristen gesponserten Schleswiger Rettungsboot „Walter Mertz“. Auch gestern konnte man die Arbeit der 1860 gegründeten Gesellschaft unterstützen, indem man ein Stück Kuchen kaufte oder eines der Modellschiffe mit Münzen oder Papier fütterte.

Sie interessieren sich für die Arbeit der Seenotretter? Dann ist vielleicht auch unserer Multimedia-Reportage über die DGzRS auf Helgoland etwas für Sie. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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