Schleswig : Die diamantene Doppelhochzeit

Ein Foto von der Hochzeit 1958 auf Schoss Gottorf: links die Behrendsens, rechts die Passaus.
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Ein Foto von der Hochzeit 1958 auf Schoss Gottorf: links die Behrendsens, rechts die Passaus.

Die Schwestern Ingrid und Heidi Seemann heirateten vor 60 Jahren am selben Tag – und feierten jetzt wieder gemeinsam.

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20. Mai 2018, 07:00 Uhr

Willst du nun heiraten oder willst du nicht?“ Das sagte Egon Behrendsen vor 60 Jahren zu seiner Freundin Ingrid Seemann, als diese ihn fragte, warum er sie in ihrer Mittagspause zum Juwelier mitnahm. Werner Passau hingegen war etwas romantischer, als er beim Tanzen um die Hand von Ingrids Schwester Heidi anhielt.

Nun feierten zwei glückliche Paare gemeinsam ihre diamantene Hochzeit und legten ihre Gelübde in der Dreifaltigkeitskirche im Friedrichsberg erneut ab. Die beiden Paare hatten vor 60 Jahren zusammen in der Kapelle von Schloss Gottorf geheiratet.

„Eigentlich sind Ingrid und Egon nur bei uns mit aufgesprungen“, verriet Heidi Passau mit einem Zwinkern in den Augen. Die beiden Schwestern waren nach dem Krieg Halbwaisen geworden und ihre Mutter, Martha Seemann, konnte sich nicht zwei Hochzeiten hintereinander leisten. „Nee, dann müsst ihr wohl zusammen heiraten, anders geht das nicht“, sagte die Witwe – und so kam es zu einer Doppelhochzeit. „Tja, so waren die Zeiten damals“, erinnerte sich Heidi. „Die Brauteltern mussten die Hochzeit finanzieren, heutzutage ist man ja moderner und macht meistens halbe-halbe.“

Die Trauung sollte 1958 eigentlich in der Dreifaltigkeitskirche im Friedrichsberg stattfinden. „Die Kirche wurde zu dem Zeitpunkt aber umgebaut und deswegen haben wir in der Kapelle von Schloss Gottorf geheiratet. Die Trauung war wirklich sehr schön, aber im Hof war es so windig, dass uns Mädels die Schleier um die Ohren wehten“, erinnerte sich Ingrid Behrendsen. Die Auffrischung ihrer Gelübde holten die beiden Paare in der Dreifaltigkeitskirche dann nach 60 Jahren nach.

Für Pastor Norbert Wilkens war die ungewöhnliche Feier eine seiner letzten Amtshandlungen. Ende des Monats geht er in den Ruhestand. „Vor mir stehen zwei Paare, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Die Behrendsens – bodenständig im Altbau wohnend mit zwei Töchtern – und die Passaus, unternehmungslustig im Neubau mit drei Söhnen“, sagte der Pastor in seiner Predigt.

Nach der Trauung hatten sich die Gäste im Restaurant „Quellental“ in Selk wieder versammelt. „Es ist wirklich wunderbar zu sehen, dass nach so langer Zeit auch immer noch so viele Menschen kommen, denen wir sehr am Herzen liegen“, bedankte sich Egon Behrendsen in einer rührenden Ansprache, die viele Gäste sentimental werden ließ. Auch die beiden Töchter der Behrendsens, Heike Jensen und Gitte Sönnichsen, zeigten ihre Zuneigung mit einem persönlichen Fotoalbum. Anne Staben erfreute sich vor allem an den Kinderbildern: „Die Kinder waren alle so herzallerliebst, da konnte man sich gar nicht satt sehen. Sie sind natürlich auch jetzt alle sehr schön geblieben, aber man schwelgt doch gerne in Erinnerung.“



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