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Lindaunis : Die Brücke klappt schon wieder nicht.

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Segler stecken fest – und fühlen sich schlecht informiert: Wegen der hohen Temperaturen streikt der Klappmechanismus der Schleibrücke Lindaunis.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2015 | 07:21 Uhr

Wilhelm van Megen wartete gestern in Silberstedt vergeblich auf seinen Freund Franz Wentrup. Der war am Morgen mit seinem Schiff aus Kiel gestartet und wollte auf der Schlei bis nach Schleswig segeln. Ein gemütliches Golfspiel in Güby sollte sich anschließen. Doch aus dem Treffen wurde nichts – der Segeltörn endete zwangsweise im Hafen von Lindaunis, weil wieder einmal die historische Brücke über die Schlei nicht mitspielte. Sie stellt die Landverbindung zwischen Angeln und Schwansen für Fußgänger, Radfahrer und Pkw, aber auch für die Bahn dar. Schwerlastverkehr ist offiziell schon längst nicht mehr zugelassen, da das Bauwerk aus dem Jahre 1924 schon reichlich baufällig ist. Einmal pro Stunde wird die Brücke hochgeklappt, um Seglern und Fahrgastschiffen die Einfahrt in die Schlei und umgekehrt in die Ostsee zu ermöglichen.

Gestern aber klappte mal wieder gar nichts – und die Bahn, die für die Brücke zuständig ist, übte sich in Fatalismus: „Wir müssen darauf warten, dass die Temperaturen sinken“, sagte ein Bahn-Sprecher. Er erklärte die neuerliche Panne mit der Hitze. Das Metall der stählernen Verriegelung dehne sich aus und verhindere, dass die Brücke den Weg für die Segler freigeben kann. „Wir arbeiten zwar mit einer Stahlbaufirma zusammen, aber wir können jetzt nicht daran feilen und flexen, damit der Verschlussbolzen wieder passt. Dann hätten wir die gleichen Probleme, sobald es kühler wird. Deshalb müssen wir jetzt warten.“

Das tat gestern auch Segler Franz Wentrup. „Ich habe zusammen mit 20 anderen im Hafen von Lindaunis festgemacht. Es ist wirklich schön hier – aber auch ärgerlich, dass es so gar keine Informationen gibt.“ Von der Polizei habe er die Telefonnummer des Brückenwärters bekommen – das Gespräch aber brachte ihn nicht weiter. „Mir wurde mitgeteilt, dass erst in der Nacht zwischen 1 und 3 Uhr ein Versuch unternommen werden soll, die Brücke zu öffnen.“ Deshalb nutzte der Segler die Gelegenheit zu einem Mittagsschlaf, während die Familie auf Fahrrädern die Umgebung erkundete. Als er kurz nach 16 Uhr aufwachte, berichteten ihm Segel-Kollegen, dass die Brücke bereits um 15.45 Uhr kurz geöffnet worden war. Das hatte er verschlafen.

Franz Wentrup hat seine Pläne inzwischen geändert, er steuerte sein Boot nicht in der Nacht in die Große Breite, sondern verbringt seine freien Tage nun lieber auf der Ostsee und in dänischen Häfen. „Ich habe wirklich keine Lust, mitten in der Nacht durch die Schlei zu fahren – und dann nicht zu wissen, wann und ob ich wieder herauskomme. Es soll nämlich in den nächsten Tagen wieder ziemlich warm werden.“

Sein Freund Wilhelm van Megen sieht die Schlecht-Wetter-Brücke von Lindaunis nicht nur als Ärgernis für die Segler, sondern als Imageschaden für die gesamte Schlei-Region und macht sie für einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust im Tourismusbereich verantwortlich. Ich habe selbst ein Boot im Schleswiger Stadthafen liegen. Früher gab es hier sehr viele Segler aus Dänemark, die sich Schloss Gottorf und Haithabu angeschaut und ihr Geld in der Stadt ausgegeben haben. Die kommen inzwischen aber kaum noch, weil sie nicht sicher sein können, wann sie wieder aus der Schlei herauskommen.“

Die Bahn setzt ihre Hoffnung derweil weiter auf das Wetter. Davon ausgehend, dass sich die Brücke in der Nacht ausreichend abgekühlt hat, soll sie heute um 10.45, 11.45 und 16.45 Uhr für jeweils eine Viertelstunde hochgeklappt werden. Auf ihrer Internetseite bittet die Deutsche Bahn alle Betroffenen um Verständnis für diese Unannehmlichkeiten. Franz Wentrup interessiert das inzwischen nicht mehr – er segelt unbehelligt von irgendwelchen Schlecht-Wetter-Brücken in dänischen Gewässern.

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