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Kreis Schleswig-Flensburg : Die Biotonne macht sich bezahlt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seitdem die Biotonne Pflicht ist, fällt im Kreis Schleswig-Flensburg weniger Restmüll an. Aber es gibt ein Problem mit Elektroschrott.

von
erstellt am 18.Jul.2017 | 17:52 Uhr

Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Graue, braune und blaue Tonne, gelber Sack, Elektrorücknahme, Flaschen- plus Altkleidercontainer und schließlich Sperrmüll – für jeden Abfall gibt es ein System. Das ändert allerdings nichts daran, dass jeder Einzelne einen immer größeren Beitrag an den Müllbergen leistet. Auch im Kreis Schleswig-Flensburg steigen die Mengen, die aus Privathaushalten von den Müllfahrzeugen und auf den Recyclinghöfen der Abfallwirtschaftsgesellschaft ASF eingesammelt werden. Im vergangenen Jahr kamen pro Einwohner mehr als 400 Kilogramm zusammen, im Jahr 2013 waren es nur knapp über 350 Kilo.

Für Geschäftsführer Lutz Döring sind dafür vor allem zwei Faktoren ursächlich: Einerseits habe sich das Konsumverhalten verändert, sagt er. Immer mehr Single-Haushalte, mehr kleinere Verpackungen, mehr Online-Einkäufe und geringere Lebenszyklen beispielsweise von Elektrogeräten sorgten generell für einen Anstieg der Abfallmengen. Und speziell im Kreisgebiet mache sich die Einführung der Biotonne im Jahr 2015 bemerkbar. Seitdem die braunen Tonnen an alle Haushalte verteilt wurden, steige die Bioabfallmenge. „Das ist eine absolut positive Entwicklung“, sagt Döring, der das Trennverhalten der Bürger im Kreis in diesem Zusammenhang als „vorbildlich“ bezeichnet.

Lag die Pro-Kopf-Menge an Bioabfall vor der Einführung der Biotonne bei konstant unter 50 Kilogramm, so stieg sie im ersten Jahr auf 76, im vergangenen Jahr auf 112 Kilogramm. Offenbar sei es vielen Bürgern klar geworden, dass es preislich günstiger ist, Küchenabfälle in der braunen statt in der grauen Restmülltonne zu entsorgen, so der ASF-Chef. Doch auch wenn der Anteil biogenen Materials in den Restmülltonnen seit Einführung der Biotonne gesunken sei, landet noch immer vieles im Restmüll, das dort nicht hineingehört. Das hat eine Stichproben-Analyse aus dem vergangenen Herbst ergeben. Demnach liegt der Bioabfallanteil im Restmüll noch immer bei rund einem Viertel.

Das alarmierendste Ergebnis aber ist: In nur acht Prozent aller überprüften Tonnen befanden sich keine Elektrogeräte. Und das, obwohl dafür in Deutschland längst ein kostenloses Rücknahmesystem etabliert ist. Ob Batterien, Föns oder Elektrozahnbürsten – all das produziert bei der Entsorgung, beispielsweise in der Müllverbrennung Kiel (MVK), wo die Restabfälle aus dem Kreisgebiet zu Strom und Fernwärme umgewandelt werden, erhebliche Probleme. In diesem Frühjahr wurden die Stichproben wiederholt, um ein repräsentatives Ergebnis über den Jahresverlauf hinweg zu bekommen. „Ich rechne nicht mit großen Unterschieden“, sagt Döring und appelliert an die Verbraucher, ihre Abfälle noch konsequenter zu trennen und so die Umwelt zu schonen.

In diesem Zusammenhang macht Döring auf ein weiteres Problem aufmerksam, das entsteht, weil die Industrie den Verbraucher in die Irre führt. In dem Glauben etwas Gutes zu tun, sammeln immer mehr Bürger ihren Biomüll in Beuteln aus Maisstärke, die im Handel als biologisch abbaubar beworben werden. „Das stimmt auch“, erklärt Döring, allerdings verrotten die Tüten so langsam, dass sie beim Kompostieren erhebliche Probleme bereiten. Die ASF bittet darum, Papiertüten zu verwenden. „Die halten auch Feuchtigkeit, man sollte nur keine Erbsensuppe hineinschütten.“

 

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