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Kreis Schleswig-Flensburg : Die Biotonne hat sich durchgesetzt

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

90 Prozent der Haushalte haben Verträge mit der Abfallwirtschaft abgeschlossen. Kritiker Rehmke: „Ich kann damit leben.“

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 18:42 Uhr

Die Wellen der Empörung schlugen hoch, als vor gut einem Jahr die Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg (ASF) für 2015 die flächendeckende Einführung der Biotonne im Kreisgebiet ankündigte. Von Zwangsanschluss, Bevormundung und Geldschneiderei war die Rede. In einem Leserbrief stellte Bernd Rehmke aus Handewitt klar, dass er seit 30 Jahren seine Bioabfälle selber kompostiere und nicht gedenke, dies zu ändern. Und er wollte nicht glauben, dass die von der ASF eingeräumte Möglichkeit, sich auf Antrag vom Anschlusszwang befreien zu lassen, umsetzbar sei. Zu hoch erschien ihm die Hürde, den Nachweis darüber zu erbringen, dass er in der Lage sei, sämtlichen organischen Abfall – und dazu zählen auch Fleischreste – zu kompostieren. Aber wer wirft schon Fleischreste auf den Kompost?, fragte Rehmke in seinem Brief rhetorisch, um dann festzustellen: „Ich brauche keine braune Tonne und werde sie nicht akzeptieren. Zur Not muss ich dann eben Vegetarier werden.“

Das ist jetzt gut ein Jahr her. Bei der ASF wertet man die Einführung der Tonne – mit der rechtliche Vorgaben der EU, des Bundes und des Kreises umgesetzt werden, nach denen Bioabfälle getrennt von dem übrigen Müll zu verwerten sind – als vollen Erfolg. „Wir haben eine Anschlussquote von 90 Prozent“, sagt Geschäftsführer Lutz Döring. Die Einführung sei ruhiger verlaufen als erwartet, ergänzt Pressesprecherin Gabriele Dunker-Ulbrich. Insgesamt seien 56  000 Biomülltonnen im Laufe des vergangenen Jahres im Kreisgebiet ausgeliefert worden – 6000 mehr als zunächst kalkuliert.

2015 wurden 15  000 Tonnen Biomüll von der ASF eingesammelt, in der Bioabfallbehandlungsanlage der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde in Borgstedtfelde verwertet und in Strom, Wärme sowie Kompost umgewandelt. In diesem Jahr sollen es 20  000 Tonnen werden. Der Zuwachs liegt darin begründet, dass die Mülltonnen im Laufe des vergangenen Jahres erst nach und nach eingeführt wurden, so dass der Biomüllanteil mit der Zahl der ausgelieferten Tonnen allmählich anstieg. Inzwischen wurden alle Tonnen ausgeliefert.

Inwiefern die Einführung der Biotonne zu einer Verminderung der Restmüllmenge führen wird, lässt sich laut Döring derzeit noch nicht sagen. Man müsse die Zahlen für dieses Jahr abwarten, in dem erstmals alle Biotonnen flächendeckend genutzt werden und dann mit der Entwicklung der Restmüllmenge vergleichen – derzeit beträgt sie 30  400 Tonnen.

Fest stehe schon jetzt, dass die Gebühren für die Biomülltonnen von 2,50 bis 2,75 Euro pro Monat, je nach Größe, in diesem Jahr konstant bleiben, verspricht Döring. „Unser Ziel ist, dass dies solange wie möglich auch so bleibt.“

Die meisten Kritiker scheinen ihren Frieden mit der neuen Mülltonne gemacht zu haben. „Wir haben viel positive Resonanz erhalten“, sagt Dunker-Ulbrich. „Die Akzeptanz ist da. Die Fakten sprechen für sich“, so Döring.

Leserbriefschreiber Bernd Rehmke jedenfalls ist kein Vegetarier geworden. Er hat sich auch nicht vom Anschlusszwang befreien lassen. Unterm Strich hat er seinen Frieden mit der neuen Mülltonne gemacht. Rehmke kompostiert zwar heute immer noch selbst, aber nicht mehr in den Mengen wie früher. Weil die Biotonne im Zwei-Personen-Haushalt der Rehmkes meistens mit Küchenabfällen nicht voll wird, wird sie vermehrt für Rasenschnitt genutzt. Dadurch könne er die Kosten für den Berechtigungsschein zur Abgabe von Grünabfällen beim Recyclinghof sparen, sagt Rehmke. Dies entspreche ziemlich genau dem Betrag, den er für die Tonne pro Jahr zu zahlen habe. Und sogar einen geeigneten Platz für die neue Tonne hat der Handewitter gefunden, „wo sie nicht stört“ – vor einem Jahr war dies noch ein weiterer Kritikpunkt Rehmkes. Dafür sei es sinnvoll, den Biomüll zur Energiegewinnung zu verwenden. „Ich kann mit der Tonne leben“, sagt er versöhnlich.

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