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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 23:52 Uhr

Die Beißer vom Ballastkai

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hunde-Attacken aus der Bauwagen-Siedlung: Zwei Passanten verletzt / Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 18:44 Uhr

Diese Vierbeiner wollten definitiv nicht spielen. Die nicht. Zwei junge Flensburgerinnen durchlebten letzten Montag am Ballastkai bange Minuten. Sie kamen fünf großen Mischlingshunden in die Quere, die neben den Bauwagen der ehemaligen Luftschlossfabrik offenbar ihr Revier verteidigten. Mit Bellen, mit Knurren, Zähnefletschen – und mit Beißen. Die Polizei ermittelt unter dem Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung gegen die Halter.

Und zwar nicht nur in diesem Fall. Seit Anfang des Monats kam es zu mindestens zwei weiteren Fällen, in denen angriffslustige Hunde in diesem Bereich Passanten attackierten. Die erste unerfreuliche Begegnung mit den gegen den Strich gebürsteten Vierbeinern hatte ein Pärchen, das am 1. April abends noch zu einem Bummel entlang der Wasserkante aufgebrochen war. Die 21-jährige und ihr 23-jähriger Begleiter seien gegen 22.30 Uhr von drei bellenden Hunden gestellt worden, heißt es im Polizeibericht. Die Tiere hätten nach der Tasche der jungen Frau geschnappt und seien so aggressiv aufgetreten, dass sich beide Spaziergänger fluchtartig in Sicherheit bringen mussten. Die junge Frau schaffte es bis ins Auto, ihr Begleiter nicht. Der 23-Jährige kletterte auf den Anti-Terrorzaun des Kaigeländes, zog sich dabei eine blutige Handverletzung zu und zerriss sich seine Kleidung. Die Hundehalter bekamen die beiden nicht zu sehen. Allerdings hörte der junge Mann Pfiff und Kommando einer Frau, dann drehten die Hunde ab und verschwanden in der Bauwagensiedlung, so Polizeisprecherin Franziska Jurga. Beide Opfer hatten aufgrund des gerade Erlebten wenig Lust auf eine direkte Konfrontation mit Frauchen und erstatteten lieber auf der Polizeiwache Anzeige.

Zwei Tage später erwischte es einen Jogger. Um 10.30 Uhr trabte der den Ballastkai entlang – und blieb dabei nicht lange alleine. Von hinten näherten sich bellend zwei schnellere Läufer – und die schnappten auch zu. Die Laufkleidung wurde beschädigt, offenbar gab es auch eine blutige Bissverletzung. Auch in diesem Fall sei aus der Siedlung eine Frau aufgetaucht, um die Hunde zurückzupfeifen. Jurga zufolge habe sie sich entschuldigt und versprochen, den entstandenen Schaden zu erstatten. Sie gab dem Biss-Opfer Kontaktdaten, unter denen jedoch niemand anzutreffen war. Der Läufer erstattet deshalb mit zwei Tagen Verspätung Anzeige.

Den bislang letzten Kontakt mit den Vierbeinern hatten zwei 16-jährige Freundinnen, die letzten Montag gegen 14 Uhr an der Europawiese unterwegs waren. „Da kamen plötzlich fünf große Hunde auf uns zu, ein großer Schwarzer vorneweg“, berichtet Mia (Name von der Redaktion geändert). „Die haben uns umzingelt, haben geknurrt, Zähne gefletscht, sind an uns hochgesprungen. Die waren dabei fast so so groß wie ich. Ich habe da voll die Panik bekommen und laut um Hilfe geschrien.“ Tatsächlich kam nach einiger Zeit eine Frau aus einem der Bauwagen, berichtet die 16-jährige. Mit ziemlichen Schwierigkeiten sei es dieser Frau gelungen, das kläffende Rudel einzufangen. Mia erinnert noch ihre Worte: „Kaum lässt man euch mal aus den Augen. . . “ Erst später bemerkte Mia, dass sie blutete und die Jeans durchlöchert war. Die Wunde wurde ärztlich versorgt. Eine Passantin mit ihrem Hund habe sie getröstet und gesagt, dass sie von diesen Hunden auch schon angegriffen worden sei.

Parallel zu den polizeilichen Ermittlungen ist inzwischen auch die Ordnungsbehörde tätig geworden. Die von der Polizei ermittelten Hundehalter seien angeschrieben und auf ihre Pflichten hingewiesen worden, so Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. Wegen der teilweise hervorgetretenen Aggressivität steht Hund und Halter in Kürze ein Termin beim Veterinär bevor. Dort drohen strenge Auflagen bis hin zur Wegnahme der Tiere. Für Mia kommt das wohl zu spät. Sie, die ohnehin ein eher zurückhaltendes Verhältnis zu Hunden hatte, hat jetzt richtig Angst. „Da braucht nur ein kleiner Dackel bellen“, sagt sie. „Das reicht schon.“

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